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Hintergründe

„RedBulls Aktivität geht über ein normales Sponsoring weit hinaus“

Autor: Johannes Holzapfel Veröffentlicht: 15. August 2014
Quelle: imago

RB Leipzig zieht den Hass vieler Fußball-Fans auf sich. Die „Nein-zur-RB“-Kampagne versucht nun, verschiedene Fanszenen zu einem Zusammenschluss gegen RB zu vereinen. Mit Erfolg, immerhin befürwortet auch ProFans die Kampagne und die Unterstützerliste wächst weiter an. Im Interview verraten die Initiatoren was sie dem Verein RB Leipzig vorwerfen, was noch geplant ist und was die Ziele der Kampagne sind.

 

Fanzeit: Seit wann gibt es euch und wer sind die Initiatoren gewesen?

Uns gibt es seit Ende Juli. Initiatoren sind Ultra-Gruppen und Fanszenen aus Darmstadt, Karlsruhe, Kaiserslautern, Braunschweig, München, Aue, Aalen, Heidenheim, Ingolstadt und Sandhausen.

 

Was werft ihr dem Verein RB Leipzig vor?

Wir werfen RB Leipzig vor, die Wettbewerbsverzerrung im Fußball voranzutreiben und den Sport und speziell den Fußball als Werbeplattform für ihr Produkt zu missbrauchen. Das machen natürlich viele Unternehmen, doch da wird kein Verein sozusagen „erworben“ und komplett an das Unternehmen angepasst. RedBull macht das mit einer Art und Weise, die nicht mehr hinnehmbar ist. Es geht ausschließlich um die Präsentation der Marke „RedBull“. Das merkt man auch an der Vereinsstruktur. RedBull hat kein Interesse daran, ein Vereinswesen aufzubauen, das viele Leipziger/innen als Fans und Mitglieder involviert. Die Machtkonzentration soll bei RedBull bleiben.

 

Was haltet ihr von den Personen, die einen RB Leipzig Schal kaufen und in der RedBull-Arena stehen und ihren Verein unterstützen?

Wir als Kampagne sehen das zwiegespalten. Man kann niemandem in Leipzig vorwerfen, zu RedBull zu gehen, um sich Profifußball anzuschauen. Aber viele, die sich aktiver am Verein oder am Fanleben beteiligen, werden schnell merken, dass das in Leipzig nicht primär gewünscht ist. Fußball wird dort als Konsumprodukt angepriesen. Fans sind Kunden, die dieses Produkt konsumieren sollen. Wie oben schon angesprochen, ist eine Mitgestaltung im Verein nicht gewollt. Das Konsumprodukt Fußball wird es nur geben, wenn die Leute das als solches auch akzeptieren und konsumieren. Daher können wir nur an die Leipziger/innen appellieren, diesen Tendenzen kritisch zu begegnen.

 

Macht es Sinn gegen RB zu protestieren? Immerhin hat der Verein die Lizenz erhalten – kann man RB überhaupt noch irgendwie aufhalten?

Klar macht es Sinn. Unser Protest soll aufklären und sensibilisieren. Wir wollen viele Fußballfans damit erreichen. In wie weit unser Protest dazu beiträgt, dass RedBull oder RB Leipzig aufgehalten werden können, ist nicht absehbar. Die Möglichkeit zu intervenieren haben nur der DFB und die DFL. Im Zuge des Lizenzierungsverfahrens von RB Leipzig hat sich gezeigt, dass die DFL zu Zugeständnissen gegenüber RedBull bereit war. Wir wollen den Druck in Bezug auf solche Entscheidungen erhöhen. Die Hürden müssen zumindest dann für nachahmende Projekte erhöht werden – wenngleich ein Rückzug RedBulls aus dem Fußball ebenso wünschenswert wäre.

 

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Quelle: imago

Protest gegen RB Leipzig wird immer lauter.

 

Ist ein Fernbleiben von Spielen die richtige Lösung? (Beispiel: Aalen) Oder sollte man den Protest kreativ kundtun mit Spruchbändern oder Choreos?

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Wir als Kampagne haben uns da nicht festgelegt- wollen wir auch gar nicht. Jede Fanszene muss für sich selbst entscheiden, wie sie sich gegenüber RB verhalten will. Die aktive Fanszene von 1860 München z.B. hat sich entschieden, den Protest ins Stadion zu tragen. Wir als Bündnis haben also keinen Konsens in dieser Frage – daher würden wir auch keine Empfehlung an andere Fanszenen aussprechen.

 

Ist eine Protestaktion wie bei 12:12 geplant, die alle Szenen (zumindest zuerst in der 2. Liga) vereint?

Wir haben ja am ersten Spieltag bereits eine stadienübergreifende gemeinsame Aktion umgesetzt. Leider konnten einige Fanszenen aufgrund der knappen Vorlaufzeit und stadionbauspezifischen Hindernissen, wie Fangnetzen, nicht an der Aktion teilnehmen. In Zukunft sind aber weitere Aktionsspieltage geplant, die dann umfassender stattfinden sollen. Die 3. und 1. Liga sollen dabei eingebunden werden.

 

RB-Fans wehren sich, indem sie sagen, dass Vereine wie Aalen und Ingolstadt ebenfalls von finanziell starken Einzelpersonen oder Sponsoren abhängig sind. Wo ist die Grenze – Wo ist der Unterschied zu RB?

Aalen wurde durch eine Finanzspritze eines Unternehmens gerettet. Ingolstadt hat Audi im Hintergrund – als Sponsor wohlgemerkt. Das ist im Fußball mittlerweile leider Gang und Gebe. RedBulls Aktivität geht aber über ein normales Sponsoring weit hinaus. Hier wird ein Plan und ein Ziel verfolgt, dass RedBull-Boss Mateschitz vor wenigen Wochen selbst erklärt hat – die Meisterschaft. Das Produkt bzw. die Marke „RedBull“ soll ganz oben stehen – auch im wörtlichen Sinne.

 

Wie ist bis jetzt die Resonanz der Fan-/Ultra-Gruppen? Viele große Szenen fehlen noch in eurer Unterstützerliste.

Ja, wie gesagt, die Gründung der Kampagne ist nicht mal einen Monat her. Wir stecken noch in der Anfangsphase – dazu gehört auch, großen Szenen aus der 1.Liga mit ins Boot zu holen. Mit ProFans haben wir bereits einen namhaften Partner und Unterstützer. Es kommen täglich neue Unterstützer dazu. Das braucht nun mal etwas Zeit. Die erste Liga hat ja z.B. noch nicht einmal begonnen.

 

Was ist letztendlich euer Ziel? Was wollt ihr erreichen?

Wir wollen, dass Fans aufmerksamer und kritischer werden, bei Einstiegen von Investoren in Vereine. Wir wollen, dass DFB und DFL die Lizenzbestimmungen konsequenter durchsetzen. Der Fußball darf nicht dem weltweiten Marketing erliegen, genauso wenig, darf er zum Spielball multinationaler Konzerne werden. Dazu benötigt es Regularien. Z.B. ein Financial Fair Play auch auf nationaler Ebene. Die Hürden für einen Einstieg eines Investors müssen höher gelegt werden.

 

Sind weitere Aktionstage wie zum Beispiel Fanmärsche, Fanboykotte oder Ähnliches geplant?

Ja. Wir wollen in Zukunft mehr gemeinsame Aktionen kreieren, aber auch die einzelnen Fanszenen werden in Rahmen ihrer Möglichkeiten gegen RB autonom protestieren- dazu gehört dann auch der Boykott von Spielen mit Beteiligung von RB Leipzig.

 

jh