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ProFans fordert Abschaffung des 9-Punkte-Plans

Autor: Zienau Veröffentlicht: 02. März 2015
Quelle: imago

Seit 2014 liefert das 9-Punkte-Papier Hinweise und Richtlinien für den Umgang, die Verfolgung und die Bestrafung „fehlgeleiteter“ Fußballfans. Allerdings wurden bei der Entstehung des Konzepts einige Parteien übergangen. Zusammen mit ProFans haben Fanprojekte und Anwälte die Abschaffung des Plans gefordert.

Größter Kritikpunkt ist, dass der gesamte 9-Punkte-Plan an den Fanprojekten vorbei entwickelt wurde. „Dies widerspricht massiv unseren Vorstellungen von einem ehrlichen Dialog zwischen Fans und Verbänden und stellt insgesamt die Frage, ob der DFB es mit dem Dialog überhaupt ernst meint“, so ProFans-Sprecher Alex Schulz. „Zumindest bei Teilen im DFB scheint die Einsicht immer noch nicht angekommen zu sein, dass Fans weitaus mehr sind als kommerziell vermarktbare Folklore.“

Der 9-Punkte-Plan besitze zudem eine enorme „Sprengkraft“, die das Verhältnis von Fans, Verband und Verein stark schädigen könne. Das geforderte Denunziantentum und die Aufforderung zur Inregressnahme ist für ProFans nicht hinnehmbar. „Die vom Sportgericht verhängten Strafen korrespondieren nicht mit tatsächlich entstandenen Schäden und operieren außerhalb der ordentlichen Rechtsprechung in Deutschland. Sie übersteigen häufig die Strafen ordentlicher Gerichte um ein Vielfaches. Für die Betroffenen kann das existenzvernichtend sein,“ sagt Sig Zelt von ProFans.

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Der 9-Punkte-Plan ist ein 2014 von der DFB herausgegebenes Schriftstück, welches Vereine über ihre Möglichkeiten im Umgang mit „Problemfans“ aufklärt. Diese beinhalten Zuschauerausschüsse und Inregressnahmen. Gleichzeitig wird der Aufklärung und Verfolgung von „Straftätern“ hohe Bedeutung beigemessen. Das gesamte Papier findet ihr hier.

Im Zweifel vor Gericht

Den Vereinen rät ProFans sich nicht auf den DFB in Sachen Strafen zu verlassen. Dessen Bestrafungsvorschläge stünden in keiner Beziehung zur Tat und würden vollkommen undurchsichtig beschlossen. Stattdessen sei es weiser, sich an die staatliche Gerichtsbarkeit zu halten. Die Strafe für Erfurt sei ein Indiz dafür, dass der DFB sich in Sachen einmischt, die nicht in seinen Bereich fallen würden. Die Erfurter Fans hatten mit dem Verein eine Pyroaktion abgesprochen, der DFB hatte den Verein jedoch danach zu 20.000 Euro Strafe verurteilt. “Dass in Erfurt der Verein mit seinen Fans eine legale Möglichkeit einer Pyroaktion gesucht und gefunden hat, war dem DFB offenbar ein Dorn im Auge. Seit die Verbandsspitzen 2012 das Thema für beendet erklärt haben, passen alternative Konzepte für ein kontrolliertes Abbrennen von Pyrotechnik nicht mehr ins Bild. Die harte Strafe soll vermutlich andere Vereine von ähnlich konstruktiven Projekten abschrecken”, sagt Jakob Falk von ProFans.

Die Anwälte, die ProFans unterstützen, bezweifeln, dass das DFB-Sportgericht legitimiert sei, über Privatpersonen zu urteilen. Ein Richterspruch, der Verbandsstrafen für Privatleute regle, stehe noch aus.

Als Schlusswort wirft ProFans dem DFB vor, absichtlich die lebendige Fankultur und reichhaltige Tribünenatmosphäre zu untergraben und nur an die Vermarktung des Medienproduktes Fußball zu denken. Ob berechtigt oder nicht, der Dialog zwischen Fanprojekten und Verband muss wieder aufgenommen werden. Ein erster Schritt dazu wäre bestimmt die Überarbeitung des 9-Punkte-Plans.

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