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National

Probleme an Karneval? „Das hätte man vorher wissen müssen“

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 18. Februar 2015
Quelle: imago

Der Platzsturm beim Rheinderby zwischen Borussia Mönchengladbach und 1. FC Köln hat neue Diskussionen über Sicherheitsvorkehrungen, Kollektivstrafen und Sensibilität bei Spielansetzungen angestoßen. Der renommierte Fan-Forscher Gunter A. Pilz hat sich nun in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger zu den Themen geäußert und vertritt dabei eine differenzierte Meinung.

Es sei zu erwarten gewesen, dass nach den Vorfällen im Hinspiel etwas passiert, so Pilz. Daher sei es Aufgabe des Ordnungsdienstes gewesen, rechtzeitig die Polizei zu alarmieren, nachdem sich die beteiligten Personen vorbereitet hatten, auf den Rasen zu laufen. Es sei als Signal von Seiten des 1. FC Köln zudem wichtig die Fangruppe „Boyz“ auszuschließen: „Zunächst einmal, um ein Signal zu setzen und zu zeigen, dass man mit diesen Leuten nichts zu tun haben will – das halte ich durchaus für nachvollziehbar.“ Der Fan-Forscher merkte an, man könne im Nachhinein immer noch über Gespräche über eine eventuelle zweite Chance nachdenken.

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Klagen der Fans über Kollektivurteile für ganze Gruppen seien verständlich, entzögen sich aber ganze Gruppen der Verantwortung zur Aufklärung der Täter beizutragen, seien sie nicht vermeidbar. Es gelte jetzt die Komplexität des ganzen Prozesses zu beachten und keine voreiligen Schnellschüsse zu ziehen: „Die Bewährungsprobe besteht darin, nicht gleich mit der Keule zu kommen. Vielmehr muss man jetzt Mumm haben und sagen: Okay, wir müssen mit Rückschlägen rechnen, einen langen Atem haben und nicht lockerlassen. Jetzt den Dialog zu beenden, wäre der falsche Weg.“ Ziel sei ein konstruktiver und permanenten Dialog, durch den ein Selbstreinigungsprozess in der Szene in Gang gesetzt wird.

Auch übt der Soziologe Kritik an der Ansetzung des Spiels am Karnevalssamstag: „Die DFL verwendet bei der Terminierung viel Zeit und beachtet viele Dinge. Aber allen war im Vorfeld klar, dass der Termin des Derbys am Karnevalssamstag problematisch ist, auch wegen des Maskierungsverbots. Das hätte man vorher wissen müssen.“