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National

„Derby: Da musst du ready sein!“

Autor: Lukas Schäfer Veröffentlicht: 27. April 2015
Quelle: imago

Die Polizei berichtet von einem weitgehend friedlichen Derby zwischen dem 1. FC Köln und Bayer Leverkusen. Das beschränkt sich allerdings wohl auf die Geschehnisse im unmittelbaren Stadionumfeld und beim Leverkusener Fanmarsch durch die Kölner Innenstadt. Vor der an die Kölner Sporthochschule angeschlossenen Gaststätte „Doping“ und an der Jahnwiese sollen sich etwa 100 Leverkusener Fans dagegen mit einem Überraschungs-Angriff für einen Kölner Besuch in Leverkusen revanchiert haben.

Schon am Dienstag zuvor sollen Kölner Fans in die Nachbarstadt gereist sein, um vor dem „Stadioneck“ an der BayArena ein Gruppenfoto zu schießen. In Richtung des Gegners sei als Erklärung für den unangemeldeten Besuch zu vernehmen gewesen: Dass Derbyzeit sei, da müsse man „ready“ sein. Angeblich sollen Bayer-Anhänger nicht zuletzt als Reaktion auf die Stippvisite nun am Samstag die Auseinandersetzung in Köln gesucht haben. Ihren Besuch sollen sie dabei ebenfalls erst kurzfristig angekündigt haben und mit dem Überraschungsmoment auf ihrer Seite wohl auch als „Gewinner“ aus der Schlägerei hervorgegangen sein.

Die Polizei bestätigt einen entsprechenden Vorfall: Gegen 14.30 Uhr hätten etwa 100 Fußballfans aus Leverkusen in Höhe der Haltestelle „Junkersdorf“ die Notbremse der Straßenbahn betätigt und sich zu Fuß Richtung Stadion aufgemacht. Einsatzkräfte verhinderten zunächst ein Zusammentreffen mit Kölner Fangruppierungen im Bereich Aachener Straße/Am Sportpark Müngersdorf. Die Fans aus Leverkusen teilten sich jedoch unmittelbar danach in mehrere unterschiedlich große Gruppen auf und flüchteten über das Gelände der Deutschen Sporthochschule. In Folge dessen ereigneten sich kurze körperliche Auseinandersetzungen mit Kölner Anhängern, ohne dass sich Verletzte im Anschluss gemeldet hätten.

Polizeikräfte nahmen 39 Leverkusener und 16 Kölner in Gewahrsam und brachten sie für den Rest des Spieltages ins Polizeipräsidium. Es soll eine Strafanzeige wegen Landfriedensbruch und zwei Strafanzeigen wegen Drogenbesitzes gegeben haben. Nach Spielende versuchten zudem einige vermummte Köln-Anhänger an die auf dem Weg zur KVB-Schleife befindlichen Leverkusener Anhänger zu gelangen. Dies konnte jedoch verhindert werden. Von Verletzten wusste die Polizei indes – wenig überraschend – nicht zu berichten.

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Die Ultras Leverkusen haben indes am Sonntag ihrerseits Gruppenbilder auf ihrer Website veröffentlicht – mit der vielsagenden Überschrift: „Derby: Da musst du ready sein!“

 

 

Die Polizei zieht nach dem Derby ungeachtet der Vorfälle eine insgesamt positive Bilanz, obwohl es im Vorfeld kleinere Provokationen gegeben hatte: „Unser Konzept, bereits im Vorfeld des Spiels durch intensive polizeiliche Kontrollmaßnahmen mögliche Auseinandersetzungen zwischen den Fanlagern zu verhindern, ist aufgegangen“. Auch Einsatzleiter Lange bewertete die Begegnung positiv: „Gemeinsam mit allen Netzwerkpartner ist es uns gelungen, ein weitgehend friedliches Derby zu ermöglichen. Die wenigen Störer des Fußballsports wurden konsequent aus dem Bereich des Stadionumfeldes verbannt“.

Nachdem die Gästefans mit der Bahn nach Köln gereist waren, wurden ca. 1600 Leverkusener vom Breslauer Platz zum Neumarkt begleitet. Der Marsch durch die Kölner Innenstadt verlief bis auf die Zündung einzelner pyrotechnischer Gegenstände ruhig. Ein FC-Fan, der eine Dose in Richtung der Leverkusener geworfen hatte, wurde festgenommen. Vom Neumarkt fuhren die Fans mit der Straßenbahn der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) nach Müngersdorf ins Stadion.