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Hintergründe

Polizeiberichte: Nur kleine Fortschritte für Fans

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 04. April 2014
Quelle: Peter Roj

Hat der Fußball tatsächlich ein großes Gewalt-Problem oder wird ganz gezielt Angst geschürt, um Politik damit zu machen? Werden am Ende vielleicht sogar viel mehr Menschen durch Polizeigewalt als durch Pyrotechnik oder Fanrandale verletzt? Die Antworten sind genauso vielfältig wie das Problem komplex – es hängt ganz davon ab, wen man fragt. Am Donnerstag haben Sachverständige in einer gemeinsamen Sitzung des Innen- und Sportausschusses im Landtag NRW beraten. Für Fans könnte sich etwas bessern – aber vorerst nur ein bisschen.

Die Piratenfraktion hatte sich für Fans stark gemacht und mit ihrem Antrag auf eine optimierte und wissenschaftlich begleitete Datenerfassung der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) gepocht . So viel vorweg: So weit wird es nicht kommen. Fananwalt Jahn-Rüdiger Albert warf der ZIS vor, die Öffentlichkeit mit unreflektierten Zahlen in die Irre zu führen. Hingegen betonten polizeinahe Vertreter, der Fußball-Jahresbericht erhebe gar keinen wissenschaftlichen Anspruch. Ingo Rautenberg vom Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste ließ immerhin erkennen: „Die ZIS will sich keinesfalls wissenschaftlichen Studien verschließen.“ Der Versachlichung der Debatte um Gewalt bei Fußballspielen wäre damit sicherlich geholfen.

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Verletzte durch Pyrotechnik und Pfefferspray sollen speziell aufgeführt werden

Auf konkrete Verbesserungen können sich Fans jedoch möglicherweise schon kurzfristig einstellen. In Zukunft soll in den ZIS-Berichten speziell ausgewiesen werden, wer durch Pyrotechnik oder durch Pfefferspray verletzt wurde. Dennoch bemängelte Fananwalt Albert, dass die ZIS Politik und PR betreibe. So sei ein unrealistisches Bild der tatsächlichen Gefährdungslage entstanden. Beispielsweise würden nur die Zahlen der eingeleiteten, nicht aber die der eingestellten Verfahren veröffentlicht.

„Eine Statistik darf keine Lobby-Politik machen“

Ins gleiche Horn stößt die Piratenfraktion. Frank Herrmann, Sprecher der Partei im Innenausschuss betont: „Kleine Schritte bei der Reform der ZIS reichen nicht aus. Die geringen Änderungen bei der Datenerfassung und -auswertung, die in den zukünftigen Berichten berücksichtigt werden, tragen nicht dazu bei, um eine verlässliche Aussagekraft der Statistik zur Gewaltsituation bei Fußballspielen herzustellen. Außerdem verletzt die ZIS durch die öffentliche und teilweise individualisierte Darstellung von Situationen und den beteiligten Fans Persönlichkeitsrechte. Es gibt ein ganzes Bündel an weiteren Problemen im Bezug auf den Datenschutz, z. B. bei der Erfassung von Fans und der Datenweitergabe an die Vereine. Die Stellungnahmen der Sachverständigen haben die von uns aufgezeigten Schwachstellen heute bestätigt. Eine Statistik darf keine Lobby-Politik machen. Die ZIS trägt dazu bei, dass in der Öffentlichkeit und der Politik ein Gewaltproblem wahrgenommen wird, welches so nicht vorhanden ist. Eine vollständige Reform ist daher dringend notwendig. Innenminister Jäger darf sich der Bewertung durch die Sachverständigen nicht weiter verweigern.“