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National

Polizei in NRW will Einsätze bei Fußballspielen stark reduzieren

Autor: Merlin Olk Veröffentlicht: 04. August 2014
Quelle: Jeronimo Ort

Wie NRW-Innenminister Ralf Jäger heute bekannt gab, sollen Polizeieinsätze bei Fußballspielen in Nordrhein-Westfalen künftig stark verringert werden. Geplant sei ein Rückzug aus den Stadien, auch auf die Begleitung von Fans zum Stadion soll in Zukunft verzichtet werden.

Das Ministerium für Inneres und Kommunales plant mit dem neuen Konzept ein Pilotprojekt, das laut eigenen Angaben „die Eigenverantwortung der fußballbegeisterten Fans und der Vereine stärken“ soll. In einer Pilotphase vom 1. August bis 27. September 2014 prüft die Landespolizei NRW die Zuweisung von Kräften auf Anlass von Fussballspielen kritisch. Dabei sollen Spiele ermittelt werden, die ohne den Einsatz der Bereitschaftspolizei stattfinden können. Betroffen sind sechs DFB-Pokalspiele, 19 Bundesligapartien und acht Begegnungen der Zweiten Liga. Risikospiele sollen allerdings, wie in der Vergangenheit, mit dem gleichen Polizeiaufkommen gesichert werden.

Reaktionen von Rauball und Co.

Erste Reaktionen gab es seitens der DFL von Dr. Reinhard Rauball, der zunächst erklärte, dass er im Vorfeld nicht über die Pläne der Polizei NRW informiert war. Dennoch halte er das Konzept in seinen Grundzügen für nachvollziehbar. „Man wird sehen, zu welchen Ergebnissen der Pilot-Versuch kommt“, sagte der Ligapräsident in einer Pressemitteilung.

Werner Spinner, Präsident des 1. FC Köln, gab Folgendes bekannt: „Wir haben ein solches Konzept gemeinsam mit der Kölner Polizei in der vergangenen Saison bereits angewandt. Es gibt Spiele, in denen eine massive Polizeipräsenz, die Steuergeld kostet und Überstunden bei den Polizisten anhäuft, gar nicht nötig ist. Eine Verringerung der sichtbaren Polizeikräfte kann zudem deeskalierend sein. Es liegt letztlich aber auch an den Fans, dann einem solchen Vertrauensvorschuss gerecht zu werden.“ Aus Sicht des 1.FC Köln müsse allerdings gewährleistet sein, dass weder die Vereine noch die DFL in Verantwortung gezogen werden können.

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Gewerkschaft der Polizei: Überrascht

Arnold Plickert, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen sagte gegenüber fanzeit, dass die Politik und die Polizei nicht zusammengearbeitet haben. Plickert erfuhr erst vergangenen Freitag von diesem Konzept. Konkrete Beispiele, wo die Polizei demnächst nicht mehr zu finden sein wird, wurden auch gegeben: Auf Schalke, wo die Fans üblicherweise in Shuttle-Bussen mit Polizeibegleitung zur Arena gebracht worden sind, wird nun die Polizeibetreuung wegfallen. Auch in den Innenstädten sollen die Hundertschaften nicht mehr offen stehen, sondern verdeckt in Seitenstraßen stehen und sich „zurückziehen“.

In einem YouTube-Video hören sich die Aussagen von Ralf Jäger wieder etwas harmloser an. Bei Risikospielen wird die Polizei weiterhin vor Ort sein und wie bisher, werden sich auch in der neuen Saison die Vereine, Stadt, Polizei und Fanvertreter zusammensetzen und über mögliche Sicherheitsvorkehrungen diskutieren. Auch Plickert bestätigte, dass die standardisierten Abläufe weiterhin durchgeführt werden. Es wurde jedoch deutlich gemacht, dass je nach Brisanz der Begegnung viele (bis zu 1.500) oder auch sehr wenige (15) Beamte präsent waren – Spiele mit extrem niedrigen Polizeaufkommen gab es also schon vorher.

Vereine wissen wohl von nichts

Auch die West-Vereine wissen anscheinend noch von nichts. Jens Fricke, Pressesprecher des VfL Bochum, sagte gegenüber fanzeit, dass der VfL Bochum keine offizielles Schreiben der Politik erhalten hat. In Bochum wartet man weiterhin auf Informationen. Laut Fricke haben auch die anderen Vereine aus NRW – zumindest bis heute morgen – keine Auskunft erhalten.

 

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