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National

„Polizei hätte ein deutlicheres Zeichen gegen Rechts setzen können“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 18. August 2015
Quelle: imago

Das Fanprojekt Dortmund hat sich in einer Stellungnahme zu den Provokationen rechter Fans nach dem letzten Heimspiel gegen Borussia Mönchenglabach geäußert. Ein gezielter Angriff auf das Fanprojekt habe nicht stattgefunden, dafür kritisiert das Fanprojekt aber den Einsatz der Polizei.

Den Einsatzkräften war es zwar gelungen, eine Schlägerei zu verhindern. Dabei seien aber die Ultras der Jubos festgesetzt und nicht etwa die Rechtsextremen eingekesselt worden. Erst mit Hilfe szenekundiger Beamter wäre es den Mitarbeitern des Fanprojekts schließlich möglich gewesen, sich einen Überblick über die Gemengelage zu verschaffen und zu vermitteln, was ja nicht zuletzt Aufgabe der Fanprojekt-Mitarbeiter ist. „Mit einer Einkesselung der rechten Provokateure hätte die Polizei ein deutlicheres Zeichen gegen Rechts setzen und auch dazu beitragen können, dass sich die jugendlichen, kritischen Fußballfans nicht unter Generalverdacht gestellt fühlen“, erklärt das Fanprojekt.

Die Stellungnahme des Fanprojekts Dortmund im Wortlaut:

Nach dem Bundesligaspiel Borussia Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag, den 15.08.2015, begleiteten wir, wie gewöhnlich, in der Nachspielphase die Ultragruppierungen bei ihrer Abreise. Der Rückweg erfolgte vom Stadion über die Lindemannstraße bis zur Kreuzung Sonnenstraße an der S-Bahn Haltestelle Möllerbrücke. Dort trennten sich die Wege und zusammen mit der Gruppe Jubos gingen wir in Richtung unserer Räumlichkeiten in der Dudenstraße, da die Gruppe Rucksäcke bei uns lagerte und nach dem Spiel abholen wollte.

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Auf Höhe der Kreuzung Hohestraße/Dudenstraße kam es dann aus einer gegenüberliegen Gaststätte zu Provokationen einiger Personen, die offensichtlich dem rechten Milieu zuzuordnen waren. Wir betonen, dass diese klar von den oben beschriebenen Personen ausgingen. Neben unterschiedlichen verbalen Äußerungen wurde auch offen der Hitlergruß gezeigt. Schon vor dem Spiel kam es an dieser Stelle zu ersten Provokationen. So wurden zum einen mehrfach Böller gezündet, als sich die Jubos zu ihrer Saisoneröffnung in unseren Räumlichkeiten trafen. Zum anderen wurden die Gruppen The Unity und Desperados hämisch beklatscht, als sie auf dem Weg zum Stadion die Gaststätte passierten und die Jubos sich den beiden Gruppen anschlossen.

Die Polizei schien ebenfalls in Kenntnis gewesen zu sein, dass sich entsprechende Personen in der Gaststätte aufhielten, da sich nach dem Spiel Polizeikräfte mit fünf Mannschaftswagen vor dieser befanden. Mit weiterer Unterstützung hielt die Polizei beide Seiten auseinander.

Dabei wurden die Jubos massiv von der Polizei in die Dudenstraße gedrängt und kurz darauf eingekesselt. Den Jugendlichen war es nun nicht mehr möglich, die Dudenstraße wieder zu verlassen. Selbst den anwesenden Mitarbeitern des Fanprojekts wurde dieses verwehrt. So war es ihnen nicht möglich, sich eine Übersicht über die Situation zu verschaffen und ihre Rolle als Vermittler auszuführen. Dies war erst Dank der Unterstützung der szenekundigen Beamten später möglich.

Auf das Fan-Projekt Dortmund hat kein Angriff stattgefunden. Das schnelle Einschreiten der Polizei hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine gewalttätige Auseinandersetzung verhindert. Die massive Festsetzung der Jubos unmittelbar vor unseren Räumen empfinden wir aber als äußerst unglücklich. Seit über 25 Jahren ist das Dortmunder Fanprojekt ein anerkannter und geschützter Raum für jugendliche Fußballfans, um Teile ihrer Fankultur ausleben zu können. Dies soll auch in Zukunft so bleiben. Mit einer Einkesselung der rechten Provokateure hätte die Polizei ein deutlicheres Zeichen gegen Rechts setzen und auch dazu beitragen können, dass sich die jugendlichen, kritischen Fußballfans nicht unter Generalverdacht gestellt fühlen.

Ein besonderes Augenmerk der pädagogischen Arbeit des Fan-Projekt Dortmund gilt dem Abbau extremistischer und gewaltverherrlichenden Orientierungen. Daher appellieren wir an alle Fans, aber auch an alle im Fußball beteiligten Institutionen, entschlossen und gewaltfrei rechtsextremen Gruppierungen in Dortmund entgegen zu wirken.