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National

Polizei äußert sich zum Vorgehen gegen Aue-Fans

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 17. April 2017
Quelle: imago

Hohe Wellen schlug das Video eines Einsatzes der Polizei Nürnberg gegen Fans des FC Erzgebirge Aue am Osterwochenende. Nun äußert sich die Polizei zu dem Vorfall. 

In einer Mitteilung rechtfertigt die Polizei Mittelfranken ihr hartes Vorgehen gegen den am Boden liegenden Fan damit, dass der Anhänger „erheblichen Widerstand“ gegen die Beamten geleistet habe. So soll er unter anderem versucht haben, einem Polizisten die Dienstwaffe aus dem Holster zu entreißen.

Insgesamt soll er fünf Beamte der Bayerischen Bereitschaftspolizei verletzt haben, die jedoch allesamt dienstfähig blieben. Der Aue-Fan indes liegt zurzeit mit schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Nachfolgend die Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Mittelfranken im Wortlaut:

Nürnberg (ots) – Am Rande des Fußballspiels der 2. Bundesliga zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem FC Erzgebirge Aue kam es nach Spielschluss zu heftigen Auseinandersetzungen mit mehreren Gästefans. Fünf Beamte erlitten Verletzungen.

Als das Spiel beider Mannschaften beendet war, verließen mehrere Hundert Gästefans gegen 15:30 Uhr das Nürnberger Stadion in Richtung Große Straße. Eine kleinere Gruppe verstellte nachrückenden Einsatzfahrzeugen der Bereitschaftspolizei den Weg. Sie wurde gebeten, diesen Weg freizumachen. Drei Fans kamen der Bitte der Beamten nach, ein 30-Jähriger allerdings weigerte sich und sprang ständig zwischen den Beamten umher. Daraufhin musste er zur Seite geschoben werden.

Plötzlich griff er einen Beamten an und schlug ihm mit beiden Fäusten mehrfach ins Gesicht. Es entstand eine Rangelei, bei der letztlich mehrere Beamte gebunden waren. Der Beschuldigte konnte nur durch Einsatz unmittelbaren Zwanges zu Boden gebracht werden. Während dieser Amtshandlung wurden die eingesetzten Beamten von gut einem Dutzend Gästefans angegriffen. Es gelang nur unter erheblichem Einsatz unmittelbaren Zwanges in Form von Drücken und Schieben, die Angreifer abzuwehren. Dabei konnte sich der 30-Jährige wieder befreien und zunächst flüchten.

Im Rahmen der Verfolgung gelang es erneut, den Flüchtenden zu stellen und von weiteren Kräften der Bereitschaftspolizei festnehmen zu lassen. Auch in dieser Situation verhielt sich der Beschuldigte sehr aggressiv und musste erneut durch Anwendung unmittelbaren Zwanges zu Boden gebracht werden. Diesmal wurden die Einsatzkräfte von mehreren Dutzend Gästefans angegriffen. Letztlich setzten die Beamten zur Abwehr des Angriffs Pfefferspray, Einsatzstock und unmittelbaren Zwang in Form von körperlicher Gewalt ein.

Der Beschuldigte selbst leistete während dieser Vorfälle weiterhin erheblichen Widerstand und verletzte mehrere Polizeibeamte. Neben Schlägen und Tritten, die er gegen die Beamten einsetzte, versuchte er auch, einen Beamten in den Oberschenkel zu beißen.

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Im Zuge dieser Auseinandersetzung versuchte der Beschuldigte auch mehrfach, die Dienstpistole eines Beamten aus dem Holster mit Gewalt zu entreißen. Daraufhin mussten die Beamten mehrmals unmittelbaren Zwang in Form von körperlicher Gewalt gegen die Arme des am Boden liegenden Tatverdächtigen einsetzen. Durch einen polizeilichen Fußtritt konnte verhindert werden, dass der Beschuldigte die Waffe aus dem Holster des festnehmenden Beamten zog. Im Anschluss daran fixierte derselbe Beamte mit dem Fuß die Hand des 30-Jährigen.

Im weiteren Verlauf kam es erneut zu Widerstandshandlungen und Körperverletzungen seitens des Beschuldigten, die nur durch Einsatz unmittelbaren Zwanges in Form von körperlicher Gewalt unterbunden oder befriedet werden konnten. Letztlich transportierten die Beamten den 30-Jährigen in die Stadionwache.

Auch dort schlug und trat er mehrfach gegen Polizeibeamte, spuckte nach ihnen und beleidigte sie in übelster Art und Weise. Selbst in der Haftzelle, in welcher der Mann arretiert werden musste, beruhigte er sich nicht und griff bei seinem Verbringen in die Zelle die Beamten an.

Zur Versorgung einer Handverletzung durch den Rettungsdienst musste der Beschuldigte ebenfalls am Boden fixiert werden. Diese Versorgung war nach Angaben eines Sanitäters unbedingt erforderlich.

Der Beschuldigte beruhigte sich erst am frühen Abend und war letztlich bereit, einen freiwilligen Alkoholtest durchführen zu lassen. Dieser zeigte einen Wert von mehr als 1,5 Promille. Eine Blutentnahme wurde durchgeführt.

Der Kriminaldauerdienst Mittelfranken übernahm die Spurensicherung an der Waffe, die mit Gewalt aus dem Holster gezogen werden sollte. Auch wurden die Verletzungen der Beamten und des Beschuldigten dokumentiert.

Gegen 21:00 Uhr konnte der Beschuldigte nach Angabe seiner Personalien und abgeschlossener Amtsbehandlung wieder entlassen werden. Gegen ihn wird wegen mehrerer strafrechtlicher Tatbestände, u.a. Körperverletzung, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung, ermittelt.

Insgesamt verletzte der Beschuldigte fünf Beamte der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Sie blieben jedoch dienstfähig.

Fans des FC Erzgebirge Aue, die die Situation beobachtet haben, schildern den Vorfall derweil gänzlich anders. So berichtet ein Auer, der anonym bleiben will dem Portal Tag24.de:

„Es begann, als wir auf dem Rückweg Höhe Imbiss stehen blieben und etwas gegessen haben. Darauf kamen einige Polizeiautos gefahren, die auf dem Fußweg durch wollten. Die Polizei bat einige Leute zur Seite zu gehen, doch einige haben es nicht mitbekommen. Daraufhin schubsten die Polizisten uns zur Seite und versuchten auch mit dem Schlagstock zuzuschlagen. Die verletzte und auch in den Videos zu sehende Person am Boden wehrte sich kurz. Danach beruhigte sich alles wieder etwas. Kurz darauf kam eine Vielzahl von Polizeikräften zur Unterstützung, worauf sie dann auf die betroffene Person zeigten, und der Rest ist klar und deutlich im Video zu sehen.“

 

One Response to “Polizei äußert sich zum Vorgehen gegen Aue-Fans”

  1. Der Schrei(b)er sagt:

    Was war geplant
    Hertha und Hansa hatten jeweils große Aktionen vorbereitet, aber mit Sicherheit nicht die Eskalation nach der Präsentation der Fahne.
    Wie bei Rivalitäten für die meisten Ultrà-Gruppen im Gästeblock üblich, hat Hertha eine große Pyroshow präsentiert.
    Gut nachvollziehbar ist aus Ultrasicht, dass Hansa die extrem seltene Gelegenheit nutzt, um eine bedeutende Fahne zu präsentieren. Am Rande einer großen, Blockfahnen Choreo direkt an die Hertha-Ultras gerichtet. Das alleine hätte keinen außer Hertha interessiert. Zumindest, wenn keine Sitzschalen gebrannt hätten.

    Beide Aktionen sind starke Dominanzsignale in der Ultrakultur, auf die viele Gruppen nicht verzichten können. Insbesondere die Präsentation und Zerstörung bedeutender Fahnen des Gegners ist für Ultrás ein absoluter Triumph. In diesem Fall etwas geschmälert, da sie „ehrenlos“ bei einem Einbruch erbeutet wurde.

    Was nichtgeplant war
    Der Konsens zu „Pyro bleibt im Block“ besteht sicher auch bei Hansa und Hertha. Jedoch die Durchsetzung und Führung missglückte nach der Präsentation.
    Von keiner Seite geplant, sind in dieser extrem emotionalen Situation, bei einigen Jungs die Sicherungen durchgeknallt. Demütigung, Wut, Hass und Adrenalinschübe ließen den Angriffsreflex die Kontrolle übernehmen. Mit Tunnelblick und ausgeschaltetem Großhirn sind Denken und vernünftiges Handeln, für 10 bis 20 Minuten nicht mehr möglich.
    Jungs in diesem Modus haben nur wenige Szenen im Griff. Das ist aber extrem wichtig für die Akzeptanz von Ultrà in unserer hoch kultivierten Gesellschaft.
    Nur wenn gar keine Römischen Feuer, Leuchtspur, Raketen, Vogelschreck etc. ins Stadion kommen, können sie niemals fliegen.
    Pyrotechnik darf ausschließlich verantwortungsbewusst eingesetzt werden, um jemals Akzeptanz zu finden.

    Antikampagnen
    Bengalos, Raketen, Böller, die in andere Blöcke, auf den Platz, oder die Spielerbank fliegen, haben die immense Ablehnung gebracht und die absolutmieseste PR. Gefolgt in der Negativwirkung von Platzstürmen. Dies war in der letzten Saison u.a. bei SGE, Wolfsburg, LEV und Karlsruhe zu sehen.
    Jede Szene hat ihre Erfahrung und weiß, wie schnell man verliert, was man sich über Jahre aufgebaut hat. Das schadet unserer Fankultur und unseren Interessen gewaltig und spielt den Gegnern zu.

    In der Sache vereint
    Die deutschen Szenen stehen für einen großartigen Support, Choreos und Fankultur. Auch für erstklassige Pyroshows. Ohhne Gewalt verharmlosen zu wollen, werden Konflikte und Rivalitäten in Deutschland, recht fair ausgetragen und weitaus harmloser, als in anderen Ligen.
    Aber immer noch mit viel zu vielen Scheißaktionen!

    Verantwortung und Kodex:
    Die großen und besonders die führenden Gruppen, müssen mit ihren Fanszenen Regeln und Grenzen definieren und deren Einhaltung konsequent durchsetzen.
    Dazu gehören u.a. der Schutz unbeteiligter, Selbstreflexion und Materialverbote (s.o.).

    Vernetzung und Koordination
    In unseren Stadien gibt es hunderte Gruppen mit über 30.000 Ultràs, unzählige Supporter und Ultrà nahe Gruppen, samt Netzwerk und Umfeld. Vereint ist das eine extrem mächtige Bewegung. Ultrà hat bereits immensen Einfluss auf die Fußballkultur, die Vereine und die Gesellschaft genommen und verfügt noch über ein gigantisches Potential. Ultrà kann die Fankultur erhalten, Ultrà kann den Fehlentwicklungen im modernen Fußball und seinen Strukturen entgegenwirken.
    In der Masse ist für die Ultrabewegung die Übernahme von Verantwortung und Mitbestimmung in den Vereinen möglich und dadurch auf die Verbände.
    Die aktuellen Treffen der großen Ultrá-Gruppen können eine solche Basis schaffen. Sollte die Konsensbildung und Vernetzung gelingen, ist Ultrá eine Bewegung mit immensem Potential und Macht. Das begrüße ich sehr!

    Ultràs never surrender!

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