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National

Politik zieht Parallelen zur organisierten Kriminalität

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 28. April 2014
Quelle: Jeronimo Ort

Die Einsatzkräfte waren schon Tage vor dem Spiel in höchster Alarmbereitschaft. Trotz der Vorsichtsmaßnahmen ist es bei der Drittliga-Begegnung zwischen Hansa Rostock und RB Leipzig zu schweren Ausschreitungen zwischen Hansa-Anhängern und Polizei gekommen. Die Rostocker Fanszene steht vor einer Zerreißprobe, die Politik zieht sogar markige Vergleiche mit organisierter Kriminalität.

Die Polizei berichtet von schweren Auseinandersetzungen mit „hochaggressiven“ Rostocker Fans, insgesamt sollen bei den Handgreiflichkeiten ganze 30 Polizisten verletzt worden sein. Während der Halbzeitpause sollen einige, zum Teil vermummte Fans versucht haben, Farbbeutel und Wurfgeschosse in den Gästeblock und später auch auf Einsatzkräfte zu werfen. Dazu nutzten die Angreifer – so viel ist offenbar unstrittig – vor allem Gegenstände aus den eigenen Sanitäranlagen. Einige Fans berichten, dass im Bereich der Südkurve die Toilettenanlagen in weiten Teilen demoliert worden sein sollen.

Nicht allein das Tabu, die Einrichtung des eigenen Stadions zu verwüsten, sorgt nun für eine Kontroverse innerhalb der Rostocker Fanszene. Schon während der Vorkommnisse soll es sogar zu Auseinandersetzungen zwischen Hansa-Fans gekommen sein. Nachdem der Verein erst vor wenigen Wochen zu einem Zuschauerausschluss auf Bewährung verurteilt wurde, sind Konsequenzen vermutlich kaum noch vermeidbar, auch wenn der Drittligist Einspruch gegen das DFB-Urteil eingelegt hat.

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Selbst das Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern sah sich gemüßigt, sich zu dem Sachverhalt zu äußern. Innenminister Lorenz Caffier griff zu erwartungsgemäß markigen Worten: „Die Fußballchaoten, die gestern blindwütig und vorsätzlich die Gästefans mit Farbeiern und Steinen bewarfen und anschließend massiv Angriffe auf Polizeibeamte verübten, haben nicht nur sich erneut ins Abseits gestellt, sondern auch dem Verein und der Stadt einen großen Imageschaden zugefügt“, erklärt Innenminister Caffier. „Es ist eine Grenze überschritten und ich bin nicht bereit, das zu tolerieren“, sagt Polizeiminister Caffier. „Derartige Angriffe zielen auf das Herz unseres demokratischen Gemeinwesens und spiegeln die zunehmende Respektlosigkeit gegenüber staatlichen Amtsträgern wieder. Die Planung und Durchführung der gewalttätigen Aktionen sind sehr besorgniserregend. Sie nehmen mittlerweile vergleichbare Formen organisierter Kriminalität an und die Justiz ist hier in der Pflicht die Bestrafung der Täter auch so zu bemessen.“

Auch der Verein selbst hat noch am Samstag eine Stellungnahme veröffentlicht. Darin erklärt Rainer Friedrich, Vorstand Stadionmanagement / Prävention: „Gewalt hat beim F.C. Hansa Rostock nichts zu suchen und wir distanzieren uns auf das Schärfste von den Tätern, die die präventive Arbeit des Vereins durch solche schwachsinnigen Aktionen konterkarieren und den Ruf des Vereins in den Dreck ziehen. Ich bin tief enttäuscht und fassungslos. Wir hoffen, dass es allen verletzten Polizeibeamten und Mitarbeitern bald wieder besser geht.“

Hansa Rostock werden die Vorfälle in jedem Fall noch ein Weile beschäftigen. Es steht zu befürchten, dass der DFB zumindest eine Drohung wahr macht und die Sanitäranlagen der Südtribüne demnächst ohnhein nicht mehr so häufig frequentiert werden. Ein Teilausschluss wäre ungeachtet des Einspruchs alles andere als eine Überraschung.