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International

Platzsperren und Dauer-Überwachung

Autor: Moritz Gutscher Veröffentlicht: 13. Mai 2015
Quelle: imago

In der Schlussphase der Schweizer Liga sorgen massive Einschnitte der Fan-Rechte für kontroverse Diskussionen.

Zum einen kündigte die Kantonspolizei Aarau an, bei der erwarteten Titelverteidigung des FC Basel präventiv alle Gästefans auszusperren. Das möglicherweise entscheidende Auswärtsspiel im Aarauer Brügglifeld am 20. Mai könnte daher ohne rot-blaue Anhänger stattfinden. Bereits im April kam die Polizei nach einer Risikoanalyse zu dem Schluss, den Anhängern des FC Zürich in Aarau den Zutritt zu verwehren. Nun steht abermals eine Sektorsperre im Raum, selbst wenn der FCB bereits beim Heimspiel zuvor den sechsten Meistertitel in Folge gewinnt.

Platzsturm im letzten Jahr

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Hintergrund ist unter andere die Meisterschaft im letzten Jahr. Schon damals wurde Basel Schweizer Fußballmeister, nach Abpfiff kam es zum Einsatz von Pyrotechnik. Außerdem stürmten, nicht unüblich bei einer Meisterfeier, Basler Anhänger das Spielfeld, um mit ihren Helden zu feiern. Provokationen gegenüber der heimischen Anhänger mündeten dann in körperliche Auseinandersetzungen.

Als Folge der andauernden Debatte über Gewalt im Schweizer Fußball hat die Swiss Football League (SFL) zudem das Projekt „Fokus One“ vorgestellt. Hinter dieser Bezeichnung steht ein umfassendes Programm zur Videoüberwachung. Trotz Widerständen in der Politik will der Verband Fans nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb des Stadions filmen. Eine Drittfirma fertigt Video- und Audioaufnahmen von Anhängern an, anschließend wertet die SFL diese Materialien aus.

Focus One rechtlich umstritten

Gefilmt werden dürfe zwar ausschließlich bei Auseinandersetzungen, die genauen Rahmenbedingen erscheinen jedoch äußerst schwammig. Ob überhaupt private Unternehmen im öffentlichen Raum Aufnahmen machen dürfen, die gezielt der Strafverfolgung dienen, ist rechtlich umstritten. Im Gegensatz zur Polizei stehen diese Teams nämlich unter keiner politischen Kontrolle.

Auch ist zweifelhaft, ob diese Aufnahmen vor Gericht überhaupt zugelassen sind. Das Pilotprojekt soll bis zum Ende der Saison laufen, danach soll ein Fazit gezogen werden. Nicht nur unter den Fans, auch bei den Medien werden die jüngsten Entwicklungen im Schweizer Fußball äußerst kritisch gesehen. Ob Totalüberwachung und Fan-Ausschlüsse ein vermeintliches Hooligan-Problem lösen können, darf bezweifelt werden.