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National

Nur03 veröffentlich ausführliche Stellungnahme zu den Vorfällen in Rathenow

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 15. November 2017
Quelle: imago

Beim Landespokalspiel zwischen Optik Rathenow und SV Babelsberg 03 kam es mehrfach zu fragwürdigen Aktionen seitens der Polizei. Jetzt veröffentlichte das Fannetzwerk „Nur03“ eine ausführliche Stellungnahme und geht auf die Rechtfertigung der Polizei ein.

Kritisiert wird von „Nur03“ hauptsächlich, dass die Polizei einige Vorfälle bewusst oder unbewusst unkommentiert lässt. So äußert sie sich nicht zu dem Vorwurf, eine Bereitschaftspolizist hätte einen Spieler rassistisch beleidigt. Außerdem wird die Androhung einiger Polizisten, Reizgas beim Verlassen des Stadions einzusetzen, nicht angesprochen.

Nachfolgend die Stellungnahme im Wortlaut:

Rund um das Viertelfinale im Landespokal des Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB) zwischen dem FSV Optik Rathenow und dem SV Babelsberg 03 am 11. November 2017 im Stadion Vogelsang waren circa 10 sogenannte Halbgruppenfahrzeuge der Bereitschaftspolizei, ein LKW der Polizei sowie ein Minibus der Beamt*innen in Zivil im Einsatz. Somit überwachten mindestens 60 Bereitschaftspolizist*innen den Spieltag. Darüber hinaus haben wir mindestens vier zivile Beamt*innen gezählt. Dass sich die Polizei Brandenburg zu diesem Einsatz gegenüber dem Sportbuzzer der Märkischen Allgemeinen Zeitung äußert, freut uns. Dennoch müssen wir einige Punkte klarstellen, die unvollständig dargestellt werden und somit von der Polizeidirektion West einseitig verbreitet wurden.

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In Gänze fehlt eine Stellungnahme zur Beziehung zwischen der aufgrund rassistischer Äußerungen aus dem Gästeblock gebetenen Person und der Bereitschaftspolizei. Uns liegen glaubhafte Informationen vor, dass diese Person in einen Minibus der Bereitschaftspolizei eingestiegen ist. Deshalb fragen wir uns, ob es sich bei dieser Person um eine*n Polizeibeamt*in handelt, die sich womöglich im Einsatz befand.

Außerdem wird nicht auf die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der Fans am Bahnhof Rathenow eingegangen, die weder transparent gerechtfertigt noch kommuniziert wurde. Auch hierbei kam es zum Einsatz von „einfacher körperlicher Gewalt“, wie es in der Polizeistellungnahme heißt, durch Herumschubsen, Drängeln und Bedrängen.

Ein weiteres Detail wird verschwiegen. Denn es kam beim Verlassen des Gästeblockes zur Drohung mit dem Einsatz von Reizgas. Dies ist insbesondere mit dem Wissen der schrecklichen Ereignisse in Luckenwalde beim Pokalfinale in Zusammenhang mit dem exzessiven Einsatz von Reizgas für uns als Netzwerk zur Unterstützung repressionsbetroffener Nulldreier*innen und als betroffene Fans unerträglich. Mit „einfacher körperlicher Gewalt“ hat diese Drohung unserer Ansicht nichts zu tun. Vielmehr wird durch diese Drohung eskalativ, fahrlässig und unnötig eine Panik sowie eventuell ein erneuter Massenanfall von Verletzten (MANV) provoziert.

Die Polizei behauptet in ihrer Stellungnahme auch, das die Beamt*innen „keine Stadionverbote verhängt“ haben. Dies ist insofern richtig, dass abschließend alle Nulldrei-Fans ins Stadion Vogelsang gelangt sind. Zuvor gab es aber eine Fehlinterpretation der Eintragungen in der sogenannten Datei „Gewalttäter Sport“, die von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze gepflegt wird und sowohl in Fan- als auch in Expert*innen-Kreisen äußerst umstritten ist. Die Beamt*innen sind unseren Informationen zur Folge davon ausgegangen, dass Personen, die in dieser Datei aufgeführt sind, automatisch Stadionverbot erhalten. Dem ist mitnichten so, was aber erst nach der Rücksprache mit den Vereinen geklärt werden konnte. Deshalb gehört zu dieser Situation der Vollständigkeit halber dazu, dass die Bereitschaftspolizei aufgrund eines Missverständnissen in der Interpretation einer Datei mit höchst sensiblen persönlichen Daten, willkürlich und selbstständig ein Stadionverbot erteilen beziehungsweise durchsetzen wollte. Dieses wichtige Detail wird allerdings bewusst oder unbewusst verschwiegen.

Wir fordern die Polizei Brandenburg im Allgemeinen und die Verantwortlichen des Einsatzes deshalb ausdrücklich und nachdrücklich auf, sich für die Fehlinterpretation der Datei „Gewalttäter Sport“ zu entschuldigen. Darüber hinaus fordern wir eine Klarstellung zum Umgang mit äußerst sensiblen persönlichen Daten in dieser Datei. Es muss gewährleistet sein, dass eventuell zum Einsatz kommende entsprechende Listen nicht durch Unbefugte eingesehen oder fotografiert werden können. Außerdem möchten wir wissen, ob es zum Einsatz eines sogenannten Agent Provocateure gekommen ist beziehungsweise inwieweit derartige Einsatztaktiken ziviler Beamt*innen in der Landespolizei Brandenburg zur Anwendung kommen.