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National

Nürnberger Szene nimmt Stellung zu Crystal-Meth-Gerüchten

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 20. April 2015
Quelle: imago

Wie schon die Dortmunder Desperados haben auch die Ultras Sankt Pauli die Gerüchte über ein Crystal-Meth-Problem in der Nürnberger Fanszene in einem Banner thematisiert. Nachdem der „Crystalkindlesmarkt“ zunächst die Lacher auf seine Seite zog, meldet sich die Nürnberger Fanszene aber nun mit einer zwar kritischen aber auch überraschend ehrlichen Replik zurück in Richtung des FC St. Pauli. 

Schon lange hören wir davon, dass das Zeug, das Walter White in „Breaking Bad“ kocht, inzwischen auch in Deutschland ziemlich problemlos erhältlich sei. Auf der Straße freilich längst nicht so wertig wie in der Hochglanz-Serie. Umso nachteiliger wirkt sich der Stoff auf die Lebenserwartung der Konsumenten aus. Meist wird Tschechien dabei als Einfallschneise für Crystal Meth ausgemacht. Da liegt es im Wortsinn nahe, gerade Personen aus der die Fanszene des nur rund eine Autostunde von der tschechischen Grenze entfernten Nürnberg mit der Droge in Verbindung zu bringen.

Schon die Dortmunder Desperados – allein aufgrund ihrer innigen Feindschaft nicht gut auf die schalke-nahen Nürnberger zu sprechen – dichteten dem FCN-Anhang im März vergangenen Jahres bereits eine gewisse Affinität an. „Ey Nürnberg. Kein Geld für Kokain? Oder warum den billigen Dreck aus Tschechien ziehn?“ fragten die Dortmunder Ultras auf einem Spruchband ziemlich unverblümt.

Nun hat sich auch der Anhang des FC St. Pauli beim Heimspiel gegen Nürnberg am vergangenen Freitag der Thematik gewidmet. Auf einem Banner haben die Hamburger spöttisch den „Crystalkindlesmarkt“ abgebildet. Auf diesen Vorstoß meldet sich das Nürnberger Ultra-Magazin „Ya Basta“ nun mit überraschend ehrlichen Worten zurück. Darin beschreiben die FCN-Anhänger, dass die Droge im ostfränkischen Raum insgesamt durchaus präsent sei und auch innerhalb der Fanszene des 1. FC Nürnberg ein Problem darstelle. „Es gibt in der Nürnberger Szene Leute, die Crystal Meth konsumieren. – Nein, natürlich finde ich es nicht geil. Ich finde es sogar ziemlich beschissen. Inzwischen habe ich einige Freunde an das Teufelszeug verloren“, räumt der Autor ein.

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Angesichts der Ernsthaftigkeit der Problematik hätten sich die Franken aber gerade von einer politisch sehr bewusst auftretenden Gruppe wie den Ultras Sankt Pauli einen differenzierten Umgang mit der Thematik gewünscht. „Ist es wirklich so cool, sich anhand von Gerüchten über das Konsumverhalten anderer lustig zu machen? Noch dazu, wenn es sich um so einen heimtückischen Rotz handelt, der (auch in Hamburg) reihenweise Leute kaputt macht? Habt ihr in eurem schicken Szene-Kiez nicht mit ähnlichen Problematiken zu kämpfen? – Oder ist USP einfach nur ein elitärer Yuppie-Haufen, der sich daran aufgeilt, das elterliche Kleingeld für teure Designer-Drogen zu besitzen?“ heißt es in dem Text weiter.

Humor und Selbstironie können die Nürnberger allerdings auch. Das Schreiben schließt mit dem Angebot: „Angreifen dürft ihr uns gerne mal – Zähne haben wir sowieso keine zu verlieren. Grenzdebile Grüße aus Nürnberg.“