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Nürnberg vs. RB Leipzig, Legomännchen und Ingolstädter Doppelmoral

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 20. Oktober 2014
Quelle: imago

Auch wenn der Beruf sich gerade in der Gruppe der unter Sechsjährigen ungebrochener Beliebtheit erfreut: Lokomtivführer sein ist nicht immer ein Spaß. Offenbar gab es zumindest gute Gründe für die GDL, am Wochenende den Bahnverkehr lahmzulegen. Besonders beeindrucken ließen sich viele Fans davon jedoch nicht.

Einige werden wohl zwangsläufig zuhause geblieben sein, andere suchten sich Mitfahrgelegenheiten, Fernbusse oder sind schlicht mit dem eigenen PKW angereist. Die befürchtete ganz große Leere blieb in den meisten Gästeblöcken zumindest aus – und einige Heim- und Auswärtsfans nutzten das Wochenende für schöne Choreographien, Spruchbänder oder um ihr Karnevals-Outfit auszuführen. Fanpolitisch brisant war es natürlich vor allem in Nürnberg.

FSV-Frankfurt-Fans kritisieren Ingolstädter Doppelmoral

Der FSV Frankfurt hat zwar vielleicht nicht die größte Fanbase der 2. Bundesliga, dafür aber eine klare Meinung, wenn es um die Haltung der Anhänger des FC Ingolstadt gegenüber RB Leipzig geht, die zum Boykott des Spiels aufgerufen hatte. Auf mehreren Spruchbändern teilten sie dem Gegner am vergangenen Sonntag mit: „Fanszene FCI: Gegen RB hetzten und selbst Teil des Problems.“

Ein glorreicher Auftritt der Frankfurter war es allerdings auch nicht – und das weniger wegen der 0:1-Niederlage, aber 4.140 Zuschauer sind für eine Zweitliga-Spiel nun auch kein Ruhmesblatt.

„Ligazwerg und stolz darauf“

Trotz Bahnstreiks hatte eine Handvoll Sandhausener Anhänger den Weg zum Auswärtsspiel bei Union Berlin gefunden. Dass der Auftritt der Baden-Württemberger nicht besonders opulent ausfiel, war also eigentlich zu erwarten, passte aber auch zum Inhalt. Ligazwerg und stolz darauf hieß es auf einem weißen Zettel, auf einem zweiten gab es gleich drei Antwortmöglichkeiten: „Dennis Linsmayer, ich will… Ein Tor von Dir, Dein Trikot von Dir oder Ein Bier mit Dir. Wer in den leeren Kästchen neben den Antworten allerdings sein Kreuzchen machen sollte, bleibt schleierhaft. Linsmayer selbst ja wohl kaum.

Legomännchen im Braunschweig-Block

Das aufsehenerregendste Outfit des Wochenendes trug ohne Zweifel dieser Eintracht-Braunschweig-Fan. Da erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

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Eintracht Braunschweig Fan im lego Kostüm Eintracht Braunschweig vs SpVgg Greuther FuerthQuelle: imago
Quelle: imago

Dortmund- und Köln-Fans gegen Rassismus und Homophobie

Im Rahmen der FARE-Aktionswochen (Football Against Racism in Europe) hat die Dortmunder Initiative „ballspiel.vereint“ beim Auswärtssspiel des BVB in Köln mehrere Spruchbänder im Block gezeigt: Fußball ist Fußball – Rassismus ist Rassismus und „Gemeinsam gegen Fremdenfeindlichkeit“. Auf Seiten der Gastgeber beteiligten sich auch die „Coloniacs“ an der Aktion. Die „Rainbow-Borussen“ auf Dortmunder und „Andersrum Rut-Wiess“ auf Kölner Seite präsentierten anlässlich der Aktion „Quer Football Fanclubs“ Banner mit der Aufschrift „Fooball has no gender“.

 

Die Dortmunder Ultra-Gruppe „The Unity“ hatte freilich noch ein anderes Anliegen und machte auf einem Spruchband deutlich: „RB, verpiss Dich!“

Unfreiwillige Selbstironie des Bremer Auswärtsblocks

Das Gegenteil von gut ist eben nicht schlecht, sondern gut gemeint. So wirkt es im Nachheinein fast selbstironisch, dass Bremer Fans, die trotz GDL-Streiks den Weg in die Münchner Allianz-Arena gefunden hatten, mit einem Spruchband „Keine Panik auf der Titanic“ ihren Spielern Mut zu sprachen. Was danach geschah, ist bekannt.  Offenbar nicht überall herumgesprochen hatte sich indes, dass Bremen auswärts antreten muss. Vielleicht war dies aber auch nur eine besonders kreative Art des Protests gegen den GDL-Streik.  


Auf Seite 2: Nürnberger Fans starten zahlreiche Aktionen gegen RB Leipzig. Zudem: Bochum und Heidenheim.