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National

Nebeneinander statt miteinander?

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 02. September 2014
Quelle: imago

Als „vielschichtig“ wird die Fanszene des SC Preußen Münster gerne beschrieben. „Zerstritten“ trifft es zurzeit wohl eher. Um die Frage, wer die Interessen der Fans denn nun am besten vertritt, ist mittlerweile ein handfester Machtkampf entbrannt. 

Fanprojekt gegen Fanbeirat. Ganz vereinfacht dargestellt, könnte man den Streit, der sich da bei Preußen Münster Bahn gebrochen hat, so bezeichnen. Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Wir versuchen uns an einer Chronik.

März 2014: Wer vertritt hier wen?

Eigentlich gibt es bereits seit 13 Jahren eine Fanvertretung für alle Preußen-Anhänger: Das Fanprojekt Preußen Münster e.V. Jene Fans aber, die sich selbst als „aktiv“ bezeichnen, fühlen sich vom Fanprojekt nicht ausreichend vertreten. Und das hat seine Gründe: Das Fanprojekt ist de facto eine Abteilung des Vereins und muss sich daher zum Beispiel beim Thema Pyrotechnik auf die Rechtslage berufen – und den Gebrauch ablehnen. Daher wünschen sich einige Fans ein unabhängiges Sprachrohr für ihre Interessen und arbeiten schon seit geraumer Zeit an der Gründung eines „Fanbeirats“. Dieser, so die Vorstellungen, soll dann regelmäßig einen Vertreter in die Vorstandssitzungen des Vereins entsenden und so den Wünschen den Fans Ausdruck verleihen.

Auch beim Fanprojekt selbst stößt die Idee nicht auf taube Ohren. Andreas Bode, Mitglied im Vorstand des Fanprojekts schreibt in einer persönlichen Stellungnahme: „Die Idee einer Fan­be­tei­li­gung in den Gre­mi­en des Ver­eins fand und finde ich groß­ar­tig!“ Übrigens handelt es sich beim Fanbeirat keineswegs um eine reine Ultra-Organisation. Personen aus allen Bereichen des Stadions, Ultras wie „Normalos“ sind dort vertreten.

 

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Juli 2014: Der Maßnahmenkatalog kommt

Aufgrund von Verfehlungen der Preußen-Fans in der abgelaufenen Saison erlässt der Verein einen umstrittenen Maßnahmenkatalog, der den Fans unter anderem den Gebrauch von Doppelhaltern untersagt. Zunächst kommen Gerüchte auf, das Fanprojekt selbst sei an der Entstehung dieses Katalogs beteiligt. In einer Stellungnahme weist das Fanprojekt diese Vorwürfe zurück: Man sei erst in Kenntnis über den Maßnahmenkatalog gesetzt worden, als dieser bereits beschlossen war, heißt es da. Das Fanprojekt bedaure zwar, dass „diese Maßnahmen so in diesem Ausmaß getroffen wurden beziehungsweise werden mussten“, eine Bewertung oder Kritik an den Maßnahmen gab es aber nicht.

Laut Bode war dies auch so vorgesehen. Offenbar hatte sich das Fanprojekt mit den Ultras darauf geeinigt, sich aus „Ul­tra­belan­gen“ öffentlich herauszuhalten, dies sollte schließlich in den Aufgabenbereich des Fanbeirats fallen. Die aktive Szene fühlte sich durch diese ausbleibende Rückendeckung jedoch wohl einmal mehr vom Fanprojekt im Stich gelassen. Massive Kritik wurde laut.

 

12. August 2014: Überraschender Besuch bei der Jahreshauptversammlung

Das Fanprojekt lädt zur Mitgliederversammlung ein, bei dem auch ein neuer Vorstand gewählt werden soll. Kurzerhand erscheint eine Gruppe von etwa 50 Ultras, die laut Angaben der Westfälischen Nachrichten an Ort und Stelle Mitgliedsanträge für das Fanprojekt ausfüllen und mit über einen neuen Vorstand abstimmen wollen. Da laut Fanprojekt die Neumitglieder aber noch nicht stimmberechtigt waren, „weil dies satzungsgemäß der FP-Vorstand zunächst bestätigen muss“, wurde den Ultras angeboten nach der Entlastung des bestehenden Vorstandes an der Sitzung teilzunehmen und über die Ausrichtung des Fanprojekts mitzudiskutieren ohne aber abzustimmen. Dies lehnte die Gruppe ab.

Die FP-Vorstandsmitglieder kündigten schließlich an, ihr Amt nicht weiter ausführen zu wollen. Grund dafür war eben jene Auslegung der Satzung,  ob jemand innerhalb eines Tages stimmberechtigtes Mitglied werden könne. Als Kompromiss wurde schließlich beschlossen, den jetzigen Vorstand bis Anfang Oktober im Amt zu belassen, um dann in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung neu zu wählen.