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Nach Pyroaktion: Nordkurve Leverkusen fordert Dialog

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 31. Januar 2017
Quelle: imago

Nach der Pyroaktion von Leverkusener Ultras beim Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach, bei der zwei Personen verletzt wurden, hat sich nun die Nordkurve12, der Dachverband der aktiven Leverkusener Fanszene zu Wort gemeldet. 

In einer ausführlichen Stellungnahme ruft die Nordkurve alle Beteiligten zur Sachlichkeit auf: „Wir müssen einerseits die Dinge klar beim Namen nennen und gleichzeitig den Blick nach vorne richten, um eine weitere Eskalation zu verhindern.“ Hinsichtlich des ersten Punktes geht der Dachverband gleich mit gutem Beispiel voran und findet klare Worte für die aus dem Ruder gelaufene Aktion am Samstag:

„Die Pyro-Debatte hat viele Aspekte, die diskutabel sind und zu denen mehrere Positionen legitim sein sollten. Wer aber beispielsweise Böller verwendet oder bengalische Fackeln wirft und damit andere in Gefahr bringt, der nimmt sich selbst alle Argumente und disqualifiziert sich für eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob dabei jemand verletzt wird oder nicht. Dass dem am vergangenen Samstag so war, setzt dem ganzen aber die Krone auf. Wir können das Geschehene nur bedauern und wünschen beiden verletzten Personen eine schnelle und gute Besserung. Wir distanzieren uns klar und deutlich von der Verwendung von Böllern sowie dem Werfen von bengalischen Feuern. Was dort vor Spielbeginn im Stadion passiert ist, ist vollkommen inakzeptabel.“

Dass es überhaupt soweit kommen konnte, führt die Nordkurve auf ein „aggressives Klima“ zwischen Fanszene und Verein zurück. Zu dieser Entwicklung haben in den Augen der Fans mehrere Punkte beigetragen. Die Liste beginnt dabei aus ihrer Sicht bereits mit mangelnder Rückendeckung vom Verein nach einem umstrittenen Polizeieinsatz in Paris im Jahr 2014 und setzte sich zuletzt mit fragwürdigen Stadionverboten und kurzfristigen Choreo-Verboten fort, die schließlich in der Eskalation von Samstag mündeten.

Kritik übt der Dachverband aber auch an den Ultras:

„Statt sich mit dem Verein an einen Tisch zu setzen und zu versuchen, langsam wieder ein zartes Pflänzchen Vertrauen wachsen zu lassen, reagieren Fans und Verein mit größtmöglicher Härte. Der Verein sanktioniert und bestraft, verhängt immer härtere und rigidere Strafen. Einige Ultras reagieren gleichzeitig immer kompromissloser und versuchen zu zeigen, dass sie sich nichts verbieten lassen. Miteinander zu reden und Lösungen zu finden, scheint bei keiner der beiden Parteien besonders hoch im Kurs zu stehen. Ein Jammer, denn auf diese Art und Weise sind wir in eine Spirale aus Aktion und Reaktion geraten, die für die breite Masse der Fans ärgerliche Züge angenommen hat.“

Die Nordkurve hofft nun, dass die Aktion von Samstag ein „Weckruf“ für alle Beteiligten war: „Machtspielchen, ein kompromissloses Beharren auf der eigenen Meinung und das starre Ausleben von Eitelkeiten führen uns noch weiter in die völlig falsche Richtung und weg von unseren ordinären Zielen.“ Da der Dachverband das „derzeitige Vertrauen ineinander auf dem Nullpunkt“ sieht, fordert die Nordkurve einen unverzüglichen Dialog unter Einbezug eines neutralen Mediators, „damit beim Blick in die Zukunft kein vollends gespaltener Block und keine vollends vom Verein abgewandte Fanszene zu sehen sind, sondern eine Einheit, die unsere Mannschaft zu größtmöglichen Erfolgen antreiben kann.“