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National

Nach Hamburger Blocksturm: Schwere Vorwürfe gegen die Polizei

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 05. Mai 2014
Quelle: imago

Während der Halbzeitpause des Spiels Hamburger SV gegen Bayern München haben Polizisten unter Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray einen Zuschauerblock gestürmt, um dort ein Banner mit der Aufschrift „ACAB“ zu entfernen. Die Fans sind wütend und ziehen Parallelen zum umstrittenen Polizeieinsatz beim Champions-League-Qualifikationsspiel des FC Schalke 04 gegen PAOK Saloniki.

Bereits im Vorfeld der Partie war es zu Auseinandersetzungen zwischen HSV-Anhängern und der Polizei gekommen, 25 Mitglieder der HSV-Fanszene wurden in Gewahrsam genommen. Für die Hamburger Ultragruppierung „Chosen Few“ waren diese Festnahmen jedoch „teilweise absolut nicht nachvollziehbar“ und seien „mit unnötiger Brutalität“ seitens der Polizei durchgeführt worden. Dies geht aus einer Stellungnahme der Gruppe hervor.

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Das Aufhängen des Spruchbandes im Block 22c sei demnach eine Reaktion auf diese Vorfälle gewesen, auch die Ultras der Gruppe „Poptown Hamburg“ zeigten während des Spiels ein entsprechendes Banner an ihrem Standort, dem Block 25a. Als die Gruppen der Aufforderung die Spruchbänder zu entfernen, nicht nachkamen, marschierte die Polizei in den vollbesetzten Block 22c um das provokante Stück Stoff eigenhändig zu entfernen, obwohl „Fanbetreuung und Leitung des Ordnungsdienstes im Vorwege dringend davon abgeraten hatten.“

Fans behaupten, die Polizei habe sich „voller Vorfreude aufgewärmt“

Während laut Polizeiangaben „Störer“ die Beamten massiv angegriffen haben sollen, erheben die „Chosen Few“ schwere Vorwürfe gegen das Vorgehen der Polizei: Der Einsatz sei sofort mit Knüppeln und Pfefferspray durchgeführt worden, von einem direkten Angriff auf die Polizisten könne keine Rede sein. Die Einsatzkräfte sollen sich darüber hinaus gar „voller Vorfreude“  hinter dem Block 22c aufgewärmt haben, „als ginge es gleich in einen (un-)sportlichen Wettkampf.“ Außerdem sollen Polizisten bei dem Einsatz vorsätzlich eine Zaunfahne der Gruppe zerstört haben.

In einer Stellungnahme verurteilen der Supporters Club sowie das Fanprojekt Hamburg den Blocksturm der Polizei, bei dem nach Schätzungen der „Chosen Few“ etwa zwischen 150 und 200 HSV-Fans verletzt wurden. „Man muss sich Fragen, ob die Polizei aus den Vorfällen beim Champions-League Qualifikationsspiel FC Schalke 04 – PAOK Saloniki überhaupt nichts gelernt hat“, so Christian Bieberstein, Abteilungsleiter der Abteilung Fördernde Mitglieder/Supporters Club. „Ein Banner als Grund zu nehmen, in einem vollen Stadion einen Block unter dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöckern zu stürmen“, sei vollkommen inakzeptabel.