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International

Nach Fußball-Krawallen: 11 Todesurteile in Ägypten

Autor: Lukas Schäfer Veröffentlicht: 21. April 2015
Quelle: imago

Drei Jahre nach den Ausschreitungen in Port Said sind in Ägypten elf Fans von einem Gericht zur Todesstrafe  verurteilt worden. Sie sollen an den Krawallen beteiligt gewesen sein.

Im Februar 2012 ereigneten sich zwischen Anhängern von Al-Masry SC und Al-Ahly Kairo die blutigsten Ausschreitungen in der Geschichte Ägyptens. Nachdem es im Stadion zu einer Panik gekommen war, wurden insgesamt 74 Menschen erstochen, erschlagen oder zu Tode getrampelt. Zu dieser Zeit herrschte in Ägypten eine aufgeheizte Stimmung, da zum ersten Mal, nach dem politischen Umsturz im Februar 2011, das Parlament gewählt wurde.

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Urteile nach erstem Prozess aufgehoben

In einem ersten Prozess in Kairo wurden nach den Krawallen laut Deutscher Welle 73 Menschen verurteilt, davon 21 zum Tode. Diese Urteile wurden jedoch im Februar 2014 durch ein Berufungsgericht aufgehoben und ein neuer Prozess angeordnet. Nun verhängte der Richter in Kairo erneut elf Todesurteile. Bevor diese jedoch bestätigt werden, wird die Empfehlung Ägyptens Obermuftis eingeholt, welche für das Gericht aber nicht bindend ist. Die verurteilten Fans können gegen das Urteil in Berufung gehen. Am 30.Mai soll das Urteil über die übrigen Angeklagten fallen.

Erneute Stadiontragödie im vergangenen Februar

Im vergangenen Februar ereigneten sich in Kairo gewalttätige Ausschreitungen am Rande des Premier-League-Spiels zwischen Zamalek SC Kairo und dem Lokalrivalen ENPPI Club. 19 Menschen kamen bei der Stadiontragödie ums Leben. Die Staatsanwaltschaft geht nach den bisherigen Ermittlungen von einem terroristischem Hintergrund zur Destabilisierung der innenpolitischen Lage aus. Insgesamt 16 Zamalek-Fans sollen wegen Mitgliedschaft in der von der aktuellen Regierung als terroristisch eingestuften Muslim-Bruderschaft angeklagt werden. Anders als bei den blutigen Krawallen vor drei Jahren müssen sich bislang keine Polizisten vor Gericht verantworten.