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Nach Ausschreitungen: Ulm erwägt Alkoholverbot im Stadion

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 11. September 2014
Quelle: imago

Der SSV Ulm durchlebt schwere Zeiten. Der ehemalige Bundesligist steckt mitten im Insolvenzverfahren. Doch der Klub hat Routine im Elend, es ist bereits die dritte.

Sportlich haben sich die „Spatzen“ im Niemandsland der Oberliga Baden-Württemberg eingerichtet. Beim FV Ravensburg musste sich der SSV am Sonntag mit einer 2:3-Niederlage abfinden.

Aber davon ist derzeit nur am Rande die Rede. Rund um die Partie kam es zu Auseinandersetzungen, unter anderem ist ein Ulmer Fan während der Partie aufs Spielfeld gerannt, mutmaßlich um einen Ravensburger Spieler zu attackieren. Weiterhin soll es zu Handgemengen gekommen sein, bei denen sogar Vereinsoffizielle etwas abbekommen haben.

Die Tumulte veranlassen den Ulmer Vorstand, oder was derzeit davon übrig ist, nun dazu, drastische Konsequenzen zu erwägen. Die designierten Vorstände, der Notvorstand und der Insolvenzverwalter haben in einer Pressemitteilung Stadionverbote gegen die verantwortlichen Fans angekündigt. Sollten diese sich als Vereinsmitglieder herausstellen, dürften sie das zudem die längste Zeit gewesen sein. Weiterhin überlegt der Klub, keine alkoholischen Getränke mehr bei Heimspielen auszuschenken und ein Fanprojekt einzurichten.

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Nachfolgend die Erklärung im Wortlaut:

Der Verein, die designierten Vorstände – Anton Gugelfuß, Roland Häußler und Thomas Oelmeyer –, der Notvorstand Tobias Sorg sowie der Insolvenzverwalter Dr. Holger Leichtle von Schultze & Braun distanzieren sich einvernehmlich von dem Verhalten einzelner Fußball-Chaoten beim Spiel zwischen dem SSV Ulm 1846 Fußball und dem FV Ravensburg am vergangenen Wochenende in Ravensburg. Klarzustellen ist, dass es sich bei den Störern nicht um Fußball-Fans handelte, sondern um einzelne Randalierer. In gar keinem Falle handelte es sich um Unterstützer und Freunde des Vereins.

Die Verantwortlichen des SSV Ulm 1846 Fußball entschuldigen sich bei den Verantwortlichen und den Fans des FV Ravensburg.

Die Vereinsführung und der Verwalter leiten derzeit mit aller Härte die in dieser Situation möglichen repressiven Maßnahmen ein. Dies sind insbesondere die sofortige Erteilung eines Stadionverbotes (örtlich für das Ulmer Stadion) und – soweit möglich – über den Württembergischen Fußballverband ein oberligaweites Stadionverbot für die als verantwortlich ermittelten Personen. Soweit diese Mitglied im SSV Ulm 1846 Fußball sind, werden sie aus dem Verein ausgeschlossen. Soweit der SSV Ulm 1846 Fußball mit Strafzahlungen zu rechnen hat, werden diese im Regresswege gegen die als verantwortlich ermittelten Personen geltend gemacht.

Die Vereinsführung und der Insolvenzverwalter prüfen präventive Maßnahmen für gewaltbereite Fans. Angedacht ist ein entsprechendes Fanprojekt. Dazu sollen in den nächsten Tagen mit der Stadt Gespräche geführt werden. Daneben wird geprüft, bei den Heimspielen des SSV Ulm 1846 Fußball e. V. nur noch alkoholfreie Getränke auszuschenken.

Es soll der Hoffnung Ausdruck verliehen werden, dass es sich um einmalige Entgleisungen einzelner Chaoten handelte. Die designierten Vorstände und auch die Sponsoren sind sehr irritiert und nach den mehrfachen Besprechungen mit Fan-Beauftragten und Fan-Gruppierungen in den vergangenen Wochen auch persönlich enttäuscht. Weitere Randale dieser Art würden die nach wie vor nicht einfache Situation des Vereins erheblich erschweren und die weit fortgeschrittene Sanierung und Restrukturierung drastisch zurückwerfen.