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Misshandlungsvorwurf: Staatsanwaltschaft ermittelt nicht gegen Polizisten

Autor: Lukas Schäfer Veröffentlicht: 20. Mai 2015
Quelle: imago

Im September 2013 soll in Braunschweig ein Anhänger des 1. FC Nürnberg von der Polizei misshandelt worden sein. Alle von der Rot-Schwarzen Hilfe angezeigten Verfehlungen der Polizei wurden jedoch eingestellt.

Laut der Fanhilfe soll im September 2013 ein Anhänger des 1. FC Nürnberg von der Polizei in Braunschweig misshandelt worden sein. Ca. 15 Fans sollen eine Kneipe in der Nähe des Stadions besucht haben, als die Polizei erklärte, Personen die die Örtlichkeit verlassen wollten, würden in Gewahrsam genommen. Daher verfolgten die anwesenden Fans die Spielberichterstattung im Radio. Ab der 75. Spielminute soll eine Aufforderung durch die Beamten erfolgt sein, die Kneipe zu verlassen. Die betroffenen Fans sollen keine Gelegenheit mehr bekommen haben, ihre bereits bezahlten Getränke zu verzehren, da die Örtlichkeit von ca. 30 behelmten und bewaffneten Polizisten gestürmt wurde.

Fan soll von Beamten misshandelt worden sein

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Ein junger Mann wurde beim Verlassen der Kneipe demnach „spektakulär“ verhaftet. Er soll von mindestens drei Beamten zu Boden geworfen und mit Kabelbindern gefesselt worden sein. Dabei wurde offenbar sein Gesicht mittels Knie und Körpergewicht der Beamten auf den Boden gedrückt. Danach wurde der Fan in einem Einsatzwagen mit verdunkelten Scheiben abtransportiert. In diesem musste der gefesselte Mann nach eigenen Angaben auf dem Boden knien und seinen Kopf auf den Sitz legen, damit ein Beamter während der Fahrt weiterhin seinen Kopf mit seinem Knie und Körpergewicht fixieren konnte. Auf Schmerzensrufe oder Bitten, zumindest in den Kurven das Gewicht vom Kopf zu nehmen, sollen die Beamten „hämisch gelacht“ haben. Beim Aussteigen aus dem Fahrzeug hätte sich der Fan nur in knapp 100 Metern Sichtabstand zur Kneipe befunden.

Vorfall im Einsatzwagen findet keine Beachtung

Laut der Schwarz-Roten Hilfe wurden gestern alle angezeigten Verfehlungen der Polizei von der Staatsanwaltschaft und später auch vom Generalstaatsanwalt Braunschweig „zügig eingestellt“. Die Staatsanwaltschaft argumentiert in ihrer Begründung mit einer Notwehr- bzw. Nothilfesituationen der Polizeibeamten, mit Gefahrenabwehr und Platzverweisen, nicht bildlich erfassten Tumulten, Widerstand und aggressiven Handlungen der Fans. Das Geschehen rund um den Fan im Einsatzwagen findet dabei keine Erwähnung. Der Generalstaatsanwalt bemängelte in einer kurzen Begründung, dass „drei der Zeugen des Betroffenen den Frage-/Antwortbogen der Staatsanwaltschaft nicht zurückgeschickt hätten und vier weitere Zeugen trotz Einwohnermeldeamtsanfragen nicht auffindbar waren. Dafür, dass in Fußballsachen in der Regel bockige Zeugen ganz schnell zum Staatsanwalt zur Vernehmung zitiert werden, ist der Eifer dann, wenn es um polizeiliches Fehlverhalten geht, doch recht mager“, bemängelt die Schwarz-Rote Hilfe.

Strafbefehl wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte

Der besagte Fan erhielt einen Strafbefehl wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Aus Sicht der Nürnberger Fananwälte zeigen Polizisten zwar gern Straftaten an, nicht jedoch die ihrer Kollegen. Das System der Polizei würde erst dann an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn in Verfahren wie diesem auch die anderen Beamten in ihren Bericht schreiben, dass sich ihr Kollege verfehlt und strafbar gemacht hat.