Anzeige

Hintergründe

Minimal geistreich

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 23. September 2016
Quelle: Screenshot fc-koeln.de

Der 1. FC Köln nutzt das Spiel gegen RB Leipzig am Sonntag für einen Trikot-Wechsel, um damit einen Energy-Drink zu bewerben. Das torpediert den Protest der eigenen Anhänger und ist daher ziemlich dämlich. Ein Kommentar. 

Auch in Köln ist es nicht anders als in anderen Städten: Vor der ersten Begegnung mit dem neuen Schreckgespenst des deutschen Fußballs greifen die üblichen Mechanismen: Die Fanszene trifft sich, berät wie man mit dem Emporkömmling aus dem Osten umgeht, diskutiert Boykotte und andere Ideen und entscheidet sich letztendlich für eine mehr oder weniger kreative Form des Protests.

Anzeige

Manchmal beteiligt sich auch der Verein und versucht, mit einfachen Mitteln wie einem Abschlusstraining beim traditionsreichen Lokalrivalen oder der Zensur des gegnerischen Logos ein paar Pluspunkte bei den Traditionalisten unter den eigenen Fans zu sammeln. Der 1. FC Köln verhält sich in dieser Hinsicht jedoch reichlich widersprüchlich.

Auf der einen Seite platziert der Klub an prominenter Stelle auf der vereinseigenen Homepage eine Erklärung der „AG Fankultur“, in der diese sich ausführlich zu den Unterschieden zwischen FC und RB auslässt. Auf der anderen Seite nutzt der Verein die Partie, um mit maximaler Aufmerksamkeit den hauseigenen Energy-Drink des Hauptsponsors zu bewerben. Sätze wie „Der FC spielt Fußball nicht, um […] ein Produkt berühmt zu machen“ aus der Erklärung der AG Fankultur wirken vor diesem Hintergrund wenig glaubhaft.

Dass das Aufeinandertreffen der bisherigen Überraschungsmannschaften bereits unter „Brause-“ oder „Dosen-Gipfel“ firmiert, dürfte vor allem bei den Fans aus Leipzig für diebische Freude sorgen, können sie doch einmal mehr den auf sie gerichteten Finger mit einem „Ihr seid doch auch nicht besser“ erwidern. Während sich der FC-Hauptsponsor über enorme Aufmerksamkeit für sein neues Produkt freuen darf, stellt der 1. FC Köln seine eigenen Anhänger bloß, indem er den (wichtigen) Protest gegen das Konstrukt aus Leipzig mit einer minimal geistreichen Marketing-Aktion torpediert