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Hintergründe

Mehr Mitbestimmung, mehr Transparenz

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 26. Juni 2015
Quelle: imago

Es braut sich etwas zusammen auf Schalke. Wieder einmal. Denn am kommenden Sonntag steht die alljährliche Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04 auf dem Plan. Angesichts der Fanproteste zum Saisonende dürfte die Veranstaltung insbesondere für Horst Heldt und Clemens Tönnies alles andere als angenehm werden. Zudem wird ein Vorschlag für ein Paket an Satzungsänderungen vorgestellt, bei dem es das Ziel war, die Transparenz und die Mitbestimmung der Vereinsmitglieder zu stärken.

Im Gegensatz zu vielen vorherigen Jahreshauptversammlungen des FC Schalke 04, bei denen es schon mal drunter und drüber ging, verlief die letzte Zusammenkunft der Schalker Mitglieder geradezu harmonisch: Der Verein feierte seinen 110. Geburtstag, Horst Heldt verkündete die Vertragsverlängerung von Ralf Fährmann und Sponsor Veltins versprach Freibier. Zudem waren im Vorfeld einige durchaus brisante Satzungsänderungsanträge von den jeweiligen Antragstellern zurückgezogen worden. Statt einer Kampfabstimmung sollte eine Kommission bestehend aus Fan- und Vereinsvertretern in aller Ruhe gemeinsame Anträge für die diesjährige Mitgliederversammlung ausarbeiten.

Roman Kolbe von der Initiative „SchalkeVereint“ ist einer dieser Fanvertreter und insgesamt zufrieden mit der Arbeit der Satzungsänderungskommission. Zu den ausgearbeiteten Anträge sagt er: „Unter dem Strich sehe ich die vorgeschlagenen Satzungsänderungen als Gewinn.“

Aufsichtsrat soll reformiert werden

So soll zum Beispiel die Arbeit im Aufsichtsrat reformiert werden. Bisher hatte sich dieser in Ausschüssen organisiert, um sich die Arbeit aufzuteilen. Das soll sich auch grundsätzlich nicht ändern. Allerdings sollen zukünftig etwa Transfers nicht mehr ausschließlich vom sogenannten Eilausschuss, bestehend aus bislang nur zwei Personen, im Alleingang genehmigt werden dürfen. Stattdessen soll – durch einen Verweis auf das Aktiengesetz – der gesamte Aufsichtsrat vorher ein Budget festlegen, über das der Vorstand dann in Zusammenarbeit mit dem Eilausschuss verfügen kann. Darüber hinaus soll dem Aufsichtsrat ermöglicht werden, weitere Mitglieder, etwa von Sponsoren, zu kooptieren, also ohne Wahl in den Aufsichtsrat zu berufen. Um zu verhindern, dass die von der Mitgliederversammlung gewählten Aufsichtsräte bei Entscheidungen möglicherweise in der Minderheit sind, sollen Beschlüsse sowohl von der Mehrheit des gesamten Aufsichtsrats als auch von der Mehrheit der gewählten Mitglieder verabschiedet werden, wenn mehr als drei Aufsichtsräte kooptiert werden.

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Auch der Status des FC Schalke 04 als eingetragener Verein soll gestärkt werden. So stellt ein Teil des Antrags klar, dass eine Ausgliederung der Profiabteilung nur erfolgen kann, wenn auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mehr als drei Viertel der Mitglieder für diesen Schritt stimmen. Immer wieder waren zuletzt Gerüchte aufgekommen, der Verein plane möglicherweise eine Ausgliederung seiner Profiabteilung.

Ehrenrat soll „auf breitere Füße“ gestellt werden

Für Diskussionen in der Fanszene sorgen derweil Teile des Antrags zum Ehrenrat als vereinsinternem Schiedsgericht und zur möglichen Erhebung eines Sonderbeitrags. Ersterer sieht vor, dass die Schöffen-Kandidaten für den Ehrenrat von einem gemeinsamen Ausschuss, gebildet aus Vertreten des Aufsichtsrats, des Vorstands, des Ehrenrats, des Wahlausschusses sowie des Ehrenpräsidiums, vorgeschlagen werden. Dabei sollen pro Schöffenamt zwei Kandidaten zur Wahl auf der Mitgliederversammlung stehen. Die zwei Mitglieder, die über das Richteramt verfügen müssen, sollen direkt von diesem gemeinsamen Ausschuss in den Ehrenrat ernannt werden.

Bisher galt dieses Vorschlagsrecht allein für den Aufsichtsrat, der natürlich auch eine Partei in vereinsinternen Konflikten darstellen kann und sich somit bisher quasi seine eigenen Richter bestellte, auch wenn sie formal noch von der Mitgliederversammlung bestätigt wurden. „Ziel war es daher, die Ernennung der Richter beziehungsweise der Schöffen-Kandidaten auf breitere Füße zu stellen“, so Kolbe. Doch auch nach der neuen Regelung hat die Vereinsführung nach Ansicht mancher Fans bei der Auswahl der Kandidaten noch zu viel Macht. Sie fordern daher, über die Teile des Antrags einzeln abzustimmen und nicht wie ursprünglich geplant im Block.

Emotionale Diskussionen um eine mögliche Sonderumlage

Auch der Part des Antrags, der eine mögliche Sonderumlage der Mitglieder in maximaler Höhe eines dreifachen Jahresbeitrags (für Vollzahler derzeit 50 Euro) ermöglichen soll, wird emotional diskutiert. Insbesondere weil er viele offenbar an die Idee des „Clemens-Tausenders“ erinnert, die Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender im Februar im Zusammenhang mit einer möglichen Khedira-Verpflichtung ins Spiel brachte. Für Roman Kolbe ein großes Missverständnis: „Die Diskussion über die Sonderumlage haben wir in der Antragskommission bereits im Oktober letzten Jahres geführt, sie steht auch zeitlich nicht im Zusammenhang mit der ‚1000-Euro-Idee‘. Bei der Erhebung eines möglichen Sonderbeitrags geht es darum, die Substanz des Vereins zu stärken. Also möglicherweise Investitionen in Steine, aber sicher nicht in Beine.“ Zum Beispiel könnten diese Gelder der Finanzierung eines eigenen Amateur-Stadions oder Trainingsplätzen für Jugendmannschaften dienen. Ohnehin würde die Annahme des Antrags nicht gleichzeitig auch die Erhebung eines solchen Beitrags bedeuten. Die Mitglieder müssten bei Bedarf erneut abstimmen, ob und in welcher Höhe ein Sonderbeitrag gezahlt wird. Das Dreifache eines Jahresbeitrags dient hierbei als obere Deckelung.

Trotz einiger Unruhen, die am Schalker Markt zuletzt insbesondere um die letzten beiden Teile des Antrags entstanden, sieht Roman Kolbe der Abstimmung unaufgeregt entgegen. „Wir hatten in der Antragskommission schon einen ziemlich breiten Querschnitt von Fan- und Vereinsvertretern. Unser Ziel war es, einen Vorschlag der Mitgliederversammlung zu unterbreiten, der auch die zum Teil sehr gegenläufigen Anträge aus dem Vorjahr unter einen Hut bringt. Dass dies mit Kompromissen einhergeht, liegt in der Natur der Sache. Jetzt muss jedes Mitglied selbst entscheiden, ob es diesen Vorschlag gut findet und ob das Gesamtpaket für ihn von Vorteil ist. Der jetzt vorgelegte Vorschlag ist auch keine finale Version. Es wird sicher immer wieder die Möglichkeit geben, für weitere Satzungsänderungen im Sinne des Vereins und seiner Mitglieder Mehrheiten zu finden.“