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National

„Mateschitz müsste jeden Tag der Rote Teppich ausgerollt werden“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 07. Oktober 2014
Quelle: imago

Michael Czupalla, 64 Jahre alt, CDU-Mitglied und Landrat in Nordsachsen. Als solcher ist er der Region natürlich verbunden und so ist wohl auch Czupallas Vorstoß in Sachen RB Leipzig zu verstehen. Der ehemalige Präsident des VfB Leipzig fordert eine Ende der andauernden Proteste gegen den Zweitligisten. Dazu solle sich auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach äußern und ein Machtwort sprechen. Die Gesprächseinladung steht.

Zuvor unterhielt sich Czupalla jedoch mit fanzeit über Fankultur in Leipzig, Sponsoren in Gelsenkirchen und die Vorbildfunktion des Brauseklubs.

RB Leipzig sieht sich beinahe wöchentlich den Protesten von großen Teilen der Fanszene ausgesetzt. Sie fordern nun ein Eingreifen des DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach. Warum?
Ich bin seit 1990 Landrat in Nordsachsen, stehe aber in einer engen Beziehung zu Leipzig. Ich kenne die Bemühungen vielerseits in einer Region, die absolut sportbegeistert ist. Jetzt haben wir endlich die Chance, dass jemand da ist, der konzeptionell etwas tut. Und was wir da zu sehen bekommen, ist ja wirklich die hohe Lehre des Fußballs. Ich kann mich über die Vorgehensweise nur positiv äußern, man kann eigentlich nur dankbar für die Arbeit sein, die dort geleistet wird. Dietrich Mateschitz müsste jeden Tag der Rote Teppich ausgerollt werden. Ob er sich im sozialen Bereich engagiert oder mal eben für 30 Millionen Euro ein neues Nachwuchsleistungszentrum baut. Das alles kann ich nur positiv bewerten und so sehen das auch die meisten Leute hier vor Ort, denn glauben Sie mir: Die Region ist heiß auf Fußball! Auch die Fankultur bei RB Leipzig ist top! Unterhalten sie sich mal mit dem Polizeipräsidenten, da wird der Sportgedanke, die Fairness, aber auch eine Vorbildwirkung gelebt, das ist beispielgebend!

„Jeder Verein hat mal seinen Anfang gehabt“

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Außerhalb von Leipzig ist diese Einschätzung allerdings oft nicht mehrheitsfähig. Warum fordern Sie ein Ende der Proteste?
Auf der einen Seite suchen Vereine Sponsoren, dann haben sie aber Geld, um das ganze Stadion in Schwarz zu wickeln, wenn man sieht wie Union Berlin oder Düsseldorf mit dem Thema umgegangen sind. Von Fanseite ist das ja meinetwegen in Ordnung, aber ich wundere mich, dass wir 24 Jahre nach der Deutschen Einheit nicht in der Lage sind zu sagen: Wir sind Weltmeister, die ganze Welt schaut auf unsere Bundesliga, statt sich mit solchen Protesten aufzuhalten. Es gibt auch in der ersten Liga Vereine, die haben russische Milliardäre, einen Chemiekonzern oder einen großen Autohersteller im Hintergrund, da beschwert sich niemand. Außerdem hat jeder Verein mal seinen Anfang gehabt. RB Leipzig ist ein Glücksfall, ich bin da voll bei Matthias Sammer.

Sie selbst haben ja eine Geschichte im Fußball. Können Sie die Sorgen vieler Fans nicht auch ein wenig verstehen?
Ich war mit sehr viel Engagement Mitte der 90er Jahre beim VfB Leipzig aktiv, da waren die Stadien noch in so einem maroden Zustand, dass die Spieler in den Westen gegangen sind. Ich kenne die Kritikpunkte, aber das ist doch Wettbewerb und das kann nur stärken. Es hat sich auch niemand aufgeregt, als Milliarden von russischen Milliardären reingeflogen sind. Ich finde das in Ordnung, wenn sich beispielsweise ein Oligarch drei Yachten weniger kauft und sagt: ‚Ich engagiere mich dafür dort, mir geht es darum, Leistung zu bekommen, aber auch jungen Leuten eine Ausbildung zu geben.‘ Man soll froh sein, dass jemand bereits ist, so etwas anzuschieben. Das ist Lauf der Geschichte. Ich kriege eine ganze Menge Briefe mit Pro und Contra, aber ich bekomme in aller Deutlichkeit Zustimmung aus Mitteldeutschland und Leipzig, weil viele sagen, dass mal etwas gemacht werden müsste. Man merkt, dass diese Region heiß ist und wir werden alle davon profitieren. Schließlich bildet Herr Mateschitz mit RB Leipzig nicht nur junge Menschen aus, es wird auch vermittelt, was Disziplin ist, wie man sich verhält, was wichtige Werte sind.

„Vielleicht sollte man einen Schutz für Leute einbauen, die Geld reinstecken“

Mitbestimmung wird dafür in Leipzig nur groß geschrieben, weil es ein Hauptwort ist. Viele Fans kritisieren das und fürchten vielleicht sogar, dass dieses Modell Schule macht.
Vielleicht muss man auch da über gewisse Punkte mal nachdenken. Die Bundesliga hat eine sagenhafte Entwicklung genommen, aber vielleicht sollte man über Strukturen nachdenken und einen gewissen Schutz für Leute einbauen, die ihr Geld in Vereine stecken. Das muss nicht der Weisheit letzter Schluss sein, aber der DFB müsste eigentlich dankbar sein, dass jemand Strukturen schafft, sich sozial engagiert, um Familien und Jugendliche kümmert. Wir wissen doch, wo Rostock steht, wie ein Hauptstadtklub unter den Wechselwirkungen zwischen 1. und 2. Bundesliga zu leiden hat. Da sollte man um einen Verein wie RB Leipzig eigentlich froh sein, denn ich bekomme aus eigener Erfahrung mit, wie gut dort gearbeitet wird.

Hat sich Wolfgang Niersbach bereits auf ihr Gesprächsangebot gemeldet?
Bislang ist noch nichts gekommen.