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Hintergründe

Lonsdale sponsert linke Klubs

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 21. März 2014
Quelle: imago

Der Sportartikelhersteller Lonsdale London wird von manch einem noch immer mit der rechtsextremen Szene in Verbindung gebracht. Nun engagiert sich die Marke als Sponsor bei antirassistischen Klubs in Deutschland. Kann das funktionieren?

Zuweilen wird der Regionalligist SV Babelsberg 03 als „FC St. Pauli des Ostens“ bezeichnet: Die Fanszene des Vereins ist stark von der Subkultur geprägt und gilt als überwiegend links, seit 20 Jahren gibt es ein antirassistisches Stadion-Fest und die Mannschaft spielt im Karl-Liebknecht-Stadion, das nach nach dem prominenten Marxisten und Mitstreiter Rosa Luxemburgs benannt ist. Vergangene Woche wurde nun bekannt, dass der Viertligist eine Kooperation mit der Sportmarke Lonsdale London eingegangen ist. Lonsdale? Ist das nicht diese Nazi-Marke? Und die sponsorn jetzt einen linken Fußballverein?

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Um zu erfahren, warum Lonsdale überhaupt mit Rechtsextremisten in Verbindung gebracht wird, lohnt es sich, die Markengeschichte genauer zu betrachten: Gegründet 1960 als Boxsportartikelfirma in London, gewann Lonsdale in der damals noch jungen und unpolitischen, eher multikulturell geprägten Skinheadszene schnell an Beliebtheit. Später kam es dann zu einer teilweisen aber sehr öffentlichkeitswirksamen Vereinnahmung der Szene durch Rechtsextremisten. Das äußere Erscheinungsbild und darunter eben auch die Auswahl der Kleidungsmarken blieb jedoch erhalten. In Deutschland kam noch hinzu, dass unter geöffneten Bomberjacken häufig nur noch die Buchstaben „NSDA“ zu sehen waren, womit Rechte offen und ungestraft mit der „NSDAP“ kokettieren konnten. Um dieser ungewollten Vereinnahmung von rechts entgegenzuwirken, hat Lonsdale Anfang der 90er Jahre allen auffindbaren rechtsextremen Händlern die Zusammenarbeit gekündigt. Darüber hinaus engagiert sich die Marke bei antirassistischen Projekten, wie „Laut gegen Nazis“ und sponsorte 2005 sogar den Christopher-Street-Day in Köln.

„Lonsdale und Babelsberg sind sich sehr ähnlich“

Dieses Engagement war es auch, das den Verein auf die Idee brachte, bei Lonsdale für eine Partnerschaft anzufragen. Laut Marcel Moldenhauer, Pressesprecher des Regionalligisten, sind sich Lonsdale und Babelsberg „von der inhaltlichen Ausrichtung vor allem was die Arbeit in Richtung Antirassismus angeht, sehr ähnlich.“ So lautet der Slogan mit dem Lonsdale ab sofort im Zuge der Zusammenarbeit im Karl-Liebknecht-Stadion auf einer Bande wirbt: „Für einen Fußball ohne Rassismus. Immer und überall.“ Im Gegenzug erhält der Verein Textilien, die zurzeit noch gestaltet werden zum freien Verkauf. Weiterer Nutznießer der Kooperation ist der kubanische Fußballverein Mantua 62, der schon seit einigen Jahren von den Anhängern des Regionalligisten gefördert wird und dem nun ein Teil der Einnahmen zufließen soll.

Seite 2: Weitere Pläne und die Reaktionen der Fans

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