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National

Leverkusener Fanszene boykottiert Montagsspiel in Leipzig

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 09. März 2018
Quelle: imago

Am Donnerstagabend traf sich die Fanszene von Bayer 04 Leverkusen, um über das anstehende Montagsspiel bei RB Leipzig am 9. April zu diskutieren. Dabei einigten sich die anwesenden Fans darauf, die Partie zu boykottieren. Zudem ruft die Fanszene alle Anhänger auf, das Spiel auch nicht im Eurosport Player zu verfolgen. Auch am eigenen Verein übt der Kurvenrat Leverkusen Kritik, weil sich die Verantwortlichen bei der DFL nicht gegen die Einführung von Montagsspielen ausgesprochen haben.

Nachfolgend die Mitteilung des Kurvenrat Leverkusen im Wortlaut: 

Für den gestrigen Abend haben wir als Kurvenrat alle Bayer04-Fans ins Stadioneck12 eingeladen, um über den Umgang mit unserem Montagsspiel in Leipzig zu diskutieren. Die Einladung wurde sehr zahlreich angenommen und so war ein guter Querschnitt der aktiven Fanszene im überfüllten Eck, wo sich im Laufe des Abends eine rege Diskussion entwickelte. In der grundsätzlichen Antwort auf die Eingangsfrage des Abends, war sich die Runde schnell einig: Die aktive Fanszene von Bayer 04 wird dieses Spiel in Leipzig am Montag, den 09. April boykottieren und zu Hause bleiben. Damit wird es auch keine offiziellen Busangebote oder Touren seitens der NK12 oder auch UL geben.

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Natürlich können wir niemandem vorschreiben, ob und wie er das Spiel verfolgt, sei es aus Gründen einer angestrebten 34er Serie oder weil es das Spiel ist, das gerade um die Ecke des Heimatortes stattfindet. Doch unser Appell ist dennoch auch und gerade an die vielen Fans, die wir im Osten haben, sich diesem – hoffentlich einmaligen – Zeichen gegen diese rote Linie anzuschließen, die seitens der Profivereine bzw. der DFL überschritten wurde. Wir haben Verständnis dafür, wenn Ihr schon die Chance habt, einmal für ein Bayer-Spiel nicht so weit fahren zu müssen, auch dorthin zu wollen. Trotzdem wirkt der Boykott umso besser, wenn wirklich niemand von uns da in schwarz-rot im Gästeblock auftaucht. Die Runde war sich gestern abend einig, dass es sicherlich kontraproduktiv wäre, nicht nach Leipzig zu fahren, aber dann zu Hause die Einschaltquoten von Eurosport, womöglich noch mit dem Kauf eines Accounts, hochzutreiben. Wir rufen also auch dazu auf, sich dieses Spiel gar nicht im TV anzuschauen. Wir werden uns in den nächsten Wochen mit NK12, Ultras Leverkusen und jedem, der daran interessiert ist, mit der Planung einer Parallelveranstaltung beschäftigen.

Weiterhin herrschte unter den anwesenden Fans aus allen Bereichen der Fanszene der Konsens, dass mit dem Boykott dieses Spiels ebenfalls der ausdrückliche Wunsch an die verantwortlichen Personen unseres Vereins geht, die Haltung zu den Montagsspielen zu überdenken. Entgegen der weithin verbreiteten Meinung, die DFL sei allein schuldig, ist diese nämlich nur die Institution, die die Abstimmung der 36 Profivereine aus 1. und 2. Bundesliga umsetzt. An dieser Abstimmung war auch Bayer04 beteiligt. Wir haben nicht vernommen, dass unser Verein sich gegen die Montagsspiele gewehrt hat. Offenbar war also auch Bayer 04 für die Einführung dieses sinnlosen Termins. Sinnlos deswegen, da die Argumente, die uns Fans mit der längeren Pause der international teilnehmenden Mannschaften aufgetischt wurden, schlichtweg haltlos sind und sich teilweise sogar widersprechen.

Warum soll eine Pause von Donnerstag bis Sonntag für EL Teilnehmer schlechter sein, als eine Pause von Mittwoch bis Samstag für CL Teilnehmer? Noch viel fragwürdiger erscheint die Ansetzung unseres Montagsspiel in Leipzig, wenn man sich mal das Szenario vor Augen hält, falls dieser Verein nun wirklich um unser Spiel dort herum im EL Viertelfinale stehen sollte. Es gibt dann zwar eine Pause von Donnerstag bis Montag, also 3 freie Tage. Bis zum Rückspiel aber eine Pause von Montag bis Donnerstag, also 2 freie Tage. Das ist kürzer als von Donnerstag – Sonntag – Donnerstag? Ganz zu schweigen von der Ansetzung der Spiele Bremen – Köln und Mainz – Freiburg, die international überhaupt nicht (mehr) vertreten sind. Die Argumente sind schlichtweg nicht glaubwürdig.

Vielmehr geht es bei der Salamitaktik der DFL bzw. der Profiklubs ganz offensichtlich darum, auszuloten, wie sich noch mehr Geld durch eine noch höhere Fernsehpräsenz verdienen lässt. Die Entwicklung ist bereits seit Jahren feststellbar, die Montagsspiele sind der nächste Schritt eines bereits seit langem  laufenden Prozesses. Einnahmen, TV-Präsenz, Vermarktung – wir Fans verkommen dabei mit unseren Anliegen nur zum Störfaktor Es ist deutlich feststellbar, dass die Zuschauerzahlen rückläufig sind und selbst bei Topspielen in diversen Stadien dieses Landes Plätze frei bleiben, was vor Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Immer mehr Fans wenden dem immer stringenter durchkommerzialisierten Sport den Rücken zu. Das aber scheint bei der DFL noch nicht angekommen zu sein. Wenn Präsenz und öffentliche Wahrnehmung die Währung sind, in der man hier handelt, dann müssen wir unseren Beitrag dazu leisten.

Die Fans in Dortmund und Frankfurt haben in beeindruckender Art und Weise protestiert gegen ihre Montagsspiele. Auch wenn wir im Gegensatz dazu „nur“ über ein Auswärtsspiel reden, müssen und wollen wir auch ganz klar Position beziehen, dass es so im Fußball nicht weitergehen kann und es Zeit wird, denen zuzuhören, die das Spiel im Stadion für die Vermarktung im TV erst so interessant machen. Spiele ohne Zuschauer und ohne Stimmung wird sich bei Sky, DAZN, Eurosport und wo auch immer niemand ansehen wollen. Leisten also auch wir unseren Beitrag zum Protest und bleiben dem Spiel in Leipzig komplett fern!