Anzeige

National

Leverkusen: Driften Mannschaft und Fans auseinander?

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 14. April 2014
Quelle: imago

Während des Heimspiels von Bayer Leverkusen gegen Hertha BSC am Sonntag verzichteten die Leverkusener Ultras auf organisierten Support der Mannschaft und äußerten ihren Unmut über die sportliche Situation auf verschiedenen Bannern. Als Konsequenz blieben die Spieler nach dem 2:1-Sieg der Leverkusener Kurve fern. 

In einer Stellungnahme auf ihrer Webseite nannten die Ultras verschiedene Gründe für den Verzicht: Neben mangelndem Einsatz einiger Spieler kritisierten sie auch die sportliche Führung in Person von Rudi Völler und Michael Reschke und warfen ihnen fehlende Kontinuität vor.

Drei Spiele Stadionverbot für „1312“-Banner

Darüber hinaus äußerte die Gruppe ihren Unmut über den Umgang des Vereins mit seinen Fans: Während des Heimspiels gegen Eintracht Braunschweig hatte ein Mitglied der Gruppe ein Banner gezeigt, auf dem unter anderem die Zahlenkombination „1312„, ein Code für die Worte „All Cops Are Bastards“ zu sehen war, und war infolgedessen vom Verein mit einem Stadionverbot für drei Spiele belegt worden. „Hier werden für kleinste Vergehen direkt Strafen ausgesprochen, die in keinerlei Relation stehen“, heißt es in der Stellungnahme.

Auch während des Hertha-Spiels waren einige Spruchbänder zu sehen, die in die gleiche Kerbe schlugen: „Bei uns gibt´s Pillen auf Rezept und SVs ohne Tat und Anhörung“, war auf einem Banner zu lesen. Auch die sportliche Krise wurde erneut aufgegriffen: „Spielerleistung beschissen – nächsten Trainer verschlissen – Sami war nicht der Alleinschuldige! “

Während die Banner sogar von der Vereinsführung genehmigt worden waren, verzichteten die Leverkusener Spieler als Konsequenz darauf, den Sieg über die Hertha gemeinsam mit den Fans in der Kurve zu feiern. Julian Brandt äußerte sich gegenüber der Bild wie folgt: „Zuletzt kam einiges von den Fans, deshalb haben wir beschlossen, fernzubleiben. Wir wollten Streit aus dem Weg gehen.“

Anzeige

Ob Mannschaft und Fans in den nächsten Wochen wieder enger zusammen rücken, wird wohl vor allem von den sportlichen Resultaten abhängen. Der Sieg gegen die Berliner dürfte zumindest ein Anfang gewesen sein.

Nachfolgend die Stellungnahme der Ultras Leverkusen im Wortlaut:

Hallo Fanszene! Hallo D-Block!

Wir haben uns als Gruppe Ultras Leverkusen in der aktuellen Woche schweren Herzens dazu entschieden, heute beim Heimspiel gegen die Hertha auf einen organisierten Support zu verzichten. In Folge dessen werden weder Robert noch Jordan heute mit Mikro und Megaphon den Support im D-Block koordinieren. Die Gründe dafür sind vielseitig und wir möchten euch diese kurz erläutern. Große Teile der Mannschaft haben in den letzten Monaten die Ehre des Fußballvereins Bayer Leverkusen mit Füßen getreten. Uns ist zwar durchaus bewusst, dass sich nicht jeder Spieler mit dem Verein oder der Stadt identifiziert, wie wir Fans es tun, dennoch erwarten wir auf dem Platz am Spieltag eine 100% Einstellung. Jeder Spieler hat sich auf dem Platz zu zerreißen. Wenn man sieht, wie verschiedene Spieler zuletzt aufgetreten sind und sich auch nach außen präsentieren, dann ist es doch relativ deutlich, dass ihnen die Zukunft des Vereins scheißegal ist. Wir werden diese Einstellung nicht mehr tolerieren! Jeder Spieler, der die Ehre hat, dieses Trikot überzustreifen – und ja für uns ist es eine Ehre dieses Trikot, diese Farben zu tragen – muss auf dem Platz 100% geben. Der große Teil der Mannschaft besteht aus eierlosen Dauerversagern, der es nichtmal für nötig hielt, nach dem Spiel in Hamburg kurz zum Gästeblock zu kommen.

Im Allgemeinen fehlt uns eine kritische Reflexion unserer Führungsetage. Ein Rudi Völler, nicht umsonst auch “Frühstücksdirektor” statt Sportdirektor genannt, haut hier seit Jahren Woche für Woche Parolen raus, die letztendlich doch über den Haufen geworfen werden. Das Gleiche gilt für einen Michael Reschke, der maßgeblich für Transfers und die Kaderzusammenstellung verantwortlich ist. Klammert man Jupp Heynckes aus, dann gab es in den letzten sechs Jahren vier Trainerentlassungen. Kontinuität sieht anders aus. Keiner erwartet Wunderdinge, aber ein Sami Hyypiä ist hier nur ein Bauernopfer und das sollte jedem klar sein. Eine Personalie, die geopfert werden musste – für eben jenen Rudi Völler und einen großen Teil der Manschaft. Eigene Fehler eingestehen? Nicht mit der “Legende” Rudi Völler!

Ein weiterer Grund, der uns letztendlich in unserer Entscheidung bestärkt hat, ist der Umgang mit den eigenen Fans seitens des Vereins. So wurde gegen ein Mitglied unserer Gruppe ein Stadionverbot von drei Spielen ausgesprochen, da diese Person beim Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig als Antwort auf die Polizeischikanen von Paris ein Banner mit der Aufschrift “Stadtverbot”, auf dem zusätzlich noch der Zahlencode “1312″ stand, aufgehangen hat. Unabhängig davon, ob diese Aussage an sich überhaupt einen Sinn ergibt und wie man zu den Zahlen und der Bedeutung “All Cops are Bastards” steht, die durchaus mehr als nur diskutabel ist, ist dies für uns nicht hinnehmbar. Hier werden für kleinste Vergehen direkt Strafen ausgesprochen, die in keinerlei Relation stehen. Wird man in der Zukunft dann auch drei Spiele Stadionverbot bekommen, wenn man den gegnerischen Torwart – der sich Mal wieder viel zu viel Zeit beim Abstoß lässt – mit “Arschloch, Wichser, Hurensohn” beschimpft? Auch die Reaktion unserer Offiziellen auf die Vorgänge in Paris waren mehr als enttäuschend. Statt ein Statement abzugeben und sich hinter die eigenen Fans zu stellen, wurde sich an etwas Pyrotechnik aufgehangen und sogar ein kleine Summe nach Paris überwiesen, um die demolierten Toiletten wieder herzurichten. Vielleicht bohrt Paris dafür noch das ein oder andere Loch in den Boden, damit der gemeine Gastfan auch sein großes Geschäft verrichten kann?

Dies ist nur ein Auszug an verschiedenen Punkten, die uns momentan nicht nur massiv gegen den Strich gehen, sondern alles in allem es einfach nicht möglich machen, diesen Spieltag normal zu gestalten. Es geht uns hier auch nicht darum, dass wir im nächsten Jahr eventuell nicht einmal in Europa vertreten sind, was sicherlich schmerzen würde, aber wenn man sich Tag für Tag und Stunde über Stunde seine Gedanken über diesen Verein und die Zukunft zerbricht und auf dem Platz Spieler mit einer Einstellung agieren, die wirklich an Arbeitsverweigerung grenzt, dann ist auch für uns das Maß voll!