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Hintergründe

„Letztlich regiert das liebe Geld“

Autor: Johannes Holzapfel Veröffentlicht: 19. Juli 2014
Quelle: imago

Wie fanzeit berichtete, gibt es im Moment bei der SpVgg Fürth einige Diskussionen zwischen dem Verein und seinen Fans. Während Block 12 und viele andere Anhänger zusammen für die Umbenennung des Klubs ins „Spielvereinigung Fürth“ protestierten, setzen sich die Sportfreunde Ronhof e.V. seit Jahren mit der Initiative „Für immer Sportpark Ronhof“ für einen alternativen Weg der Stadionvermarktung ein. Laut Umfragen wünschen sich 97% der Fürther Anhänger den Namen „Sportpark Ronhof“. Im Interview haben wir mit Matze gesprochen, der im Vorstand der Sportfreunde Ronhof e.V. sitzt und weiterhin für den Namen kämpft.

Nachdem der Vertrag mit Namenssponsor „Trolli“ nicht verlängert wurde, weist die Website der SpVgg das Stadion derzeit als „Stadion am Laubenweg“ aus. Wie man es anders machen könnte, versuchen die Sportfreunde Ronhof in ihrer Kampagne „Für immer Sportpark Ronhof“ deutlich zu machen. Fanzeit sprach mit dem Fürth-Fan Matze, der sich weiterhin für eine andere Lösung als den „XY-Arena-Käse“ als Stadionnamen einsetzt. Was die Initiative genau will und wie die Lösungsvorschläge lauten, hat er uns im Interview verraten.

 

Hallo Matze, du bist im Vorstand der Sportfreunde Ronhof e.V., die die Initiative „Für immer Sportpark Ronhof“ starteten und natürlich weiterhin vorantreiben wollen. Erläutere doch mal kurz, worum es dort genau geht und wie viele Leute diese Initiative unterstützen.
Die Initiative „Für immer Sportpark Ronhof“ ist ein Projekt der Sportfreunde Ronhof, das sich inzwischen auf viele Fanklubs und Gruppen ausgeweitet hat. Hierfür informierten wir persönlich im Stadion, in unserem Vereinsheim und auf der eigens erstellten Homepage. Auf dieser konnten sich dann auch Firmen, Einzelpersonen und Fanklubs/Gruppen als Unterstützer eintragen. Derzeit sind auf der Page knapp 1.600 Einzelpersonen aufgeführt, dazu 47 Fanklubs und Gruppen. Hinzu kommen noch etliche Unterschriften aus Aktionen im und um das Stadion.

 

Warum ist der Name „Sportpark Ronhof“ deiner Meinung nach der richtige Name?
Sportpark Ronhof ist ja nicht meiner/unserer Meinung nach der „richtige“ Name, sondern traditionell tief verwurzelt . Es handelt sich also keineswegs um eine „Erfindung“ wie die Frage vielleicht vermuten ließe. Des Weiteren sind die Sportfreunde Ronhof seit ihrer Gründung 2004 mit dem Gedanken unter anderem angetreten, die lange Tradition und Geschichte der SpVgg Fürth wieder mehr hervorzuheben. Die Rückkehr zum traditionellen Stadionnamen soll auch weiter der Identifikation mit der Stadt Fürth dienen, vor allem aber der jungen Fans und Fans der Gastvereine. Mit schmerzverzerrtem Gesicht müssen wir leider auch immer wieder Fragen von so genannten Fans der Gastvereine beantworten, wo denn nun dieses „Greuth“ läge, oder wieso der Stadtteil Ronhof hieße oder, oder, oder.

 

Ihr habt einen „anderen Grundgedanken“ zur Stadionvermarktung und den dazugehörigen Sponsoren auf eurer Homepage dargestellt. Warum sollte ein Sponsor auf den Stadionnamen verzichten? Stellt diesen Gedanken doch auch kurz unseren Lesern vor.
Zum einen muss man festhalten, dass sich der Verein alles, und zwar wirklich alles, was hier entstanden ist, selbst hart erwirtschaftet hat. Keinen Mäzen oder Großsponsor, der Geld rein pumpt, bisher kaum Förderungen von Bund oder Land wie zum Beispiel bei den zahllosen Stadionneubauten der letzten Jahre. Rein wirtschaftlich zählte die SpVgg lange hinter dem FC Bayern zu den Vorzeigevereinen, bis heute! Wir müssen also der Realität ins Auge blicken, und als Fans wie auch als Traditionalisten erkennen, dass die SpVgg auf Einnahmen wie aus der Vermarktung des Stadionnamens derzeit nur schwer verzichten kann. Nicht umsonst war die SpVgg auch ein Vorreiter dieser Geldbeschaffung, ging man doch als einer der Ersten diesen Weg mit „PLAYMOBIL-STADION“ in Zusammenarbeit mit einem bekannten Weltmarktführer von Spielzeug hier aus Fürth. Zum Zweiten birgt dies auch den Vorteil, mit den betreffenden Personen im Verein reden zu können, da ja alles in Eigenbesitz ist. Es macht nämlich in meinen Augen schon einen Unterschied, ob man auf eine dritte Stadionbetreibergesellschaft öffentlichen Druck ausübt, egal ob diese städtisch ist oder sonstiger Art. Man musste sich also etwas überlegen, wie alle Seiten zufrieden gestellt werden könnten. Denn auch der Geldgeber muss ja berücksichtigt werden, da dieser natürlich auch einen Werbeeffekt haben will für seine Investition. Alles andere wäre unrealistische Träumerei! Heraus kam dann das Projekt der Initiative, mit eigener Broschüre, in der wir eventuelle Lösungsansätze vorschlagen. Denn auch das ist immer Teil der Sportfreunde gewesen: Wir legen immer wieder die Finger in Wunden. Doch hauen wir nicht drauf, sondern überlegen uns auch, wie man es vielleicht besser machen könnte. Der Sponsor hätte einen enormen Sympathie-Faktor hier in der Region. Deshalb wäre es natürlich auch aus unserer Sicht logisch, hiesige Unternehmen anzusprechen. Doch auch auswärtige Geldgeber könnten sich mit Vermarktung des Labels zum Beispiel gut positionieren. Für den Verein wäre es ebenfalls ein Quantensprung. Hat man doch als einer der Ersten diesen Weg begangen, es wäre nun auch ein Zeichen, den Mut zu besitzen wieder einen neuen Weg Richtung Tradition zu gehen. Das würde nicht nur hier in der Region enorme Beachtung finden, wie wir meinen.

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 Auch andere Szenen drücken ihre Unterstützung aus. Hier: Der 1. FC Kaiserslautern

Bis zuletzt hieß euer Stadion „TROLLI-Arena“. Jetzt, wo der Vertrag ausgelaufen ist, wäre es doch eigentlich an der Zeit, nochmal richtig Druck zu machen und den Namen „Sportpark Ronhof“ durchzusetzen, oder?
Wir hatten selbstverständlich den auslaufenden Vertrag mit TROLLI fest im Blick und wurden auch weiter aktiv. So wurde zum Beispiel am letzten Spieltag der Saison ein Marsch vom Rathaus zum Stadion inszeniert, dem zeitweise geschätzte 1.500 Personen folgten. Am Stadion angekommen, wurde dann symbolisch der Sportpark wieder getauft bzw. zurück benannt. Die Aktion sorgte wieder für viel Aufmerksamkeit, so dass die lokale Presse das Thema auch wieder aufnahm und über Wochen behandelte – mit Statements von uns, aber auch vom Verein. Zudem gab es nochmals einen guten Ruck bei den manuellen Unterschriftenlisten. Außerdem gab es über die ganze Zeit verteilt Aktionen: Zusammen mit Wirten der Altstadt, Infoblätter, Plakataktionen, wir wanderten zur Aufklärung durch die Kneipen, etc., etc. Zudem hilft uns unsere Ultra-Szene natürlich ungemein, in dem sie immer wieder per Spruchband, Banner und Support das Thema an Spieltagen mit am laufen hält.

Komischerweise ist der neue Name momentan „Stadion am Laubenweg“. Warum hat der Verein das Stadion – ohne Sponsor – nach der Straße benannt, in der sich das Stadion befindet, und nicht „Sportpark Ronhof“, obwohl es doch so viele fordern?
Vermutlich ein gar nicht mal so dummer Denkansatz der Verantwortlichen. In den Gründungsjahren des Sportparks hieß dieser nämlich STADION AM RONHOFER WEG GEGENÜBER DEM ZENTRALFRIEDHOF (Eröffnung 1910), ehe dann daraus der SPORTPARK RONHOF wurde. Vielleicht will man da anknüpfen mit der Übergangsbezeichnung. Das klappt aber natürlich nicht mit uns! Der Verein würde sich, aus Sicht der Verantwortlichen, hier selbst in die Zwickmühle begeben, ließe man nun den Namen SPORTPARK RONHOF auch nur übergangsweise zu. Man befürchtet, sich so selbst Steine in den Weg der Vermarktung zu legen. Ich sehe es eher als „kalte Füße bekommen“ an. Denn so ist einem neuen XY-Arena-Käse Tür und Tor geöffnet. Aber gut, soll ja auch so sein…

 

Hat der Verein mit euch über den neuen Namen des Stadions eventuell gesprochen oder vorab informiert?
Über den aktuellen Stand gibt es keine detaillierten Infos zu berichten. Grundsätzlich bleibt aber festzuhalten, dass wir mit dem Verein in sehr engem Kontakt stehen. Dies beruht vermutlich unter anderem auch darauf, dass wir mit unserem zweiten Hauptprojekt, dem Stadion-Bau, schon ein bemerkenswertes Werk auf die Beine gestellt haben und auch die meisten Kleeblatt-Fans hinter uns bringen konnten. Hinzu kommt sicherlich auch unser bereits angesprochener Ansatz, auch immer Lösungen vorzubringen statt nur einfach zu kritisieren.  Der Verein hat uns auch versprochen, neben den normalen Vertragsgesprächen mit Interessenten auch den „Plan B“ von uns vorzutragen. Daran wird man sich letztlich auch messen lassen müssen. Im Großen und Ganzen nimmt uns der Verein als Sportfreunde aber sicher nicht auf die scherzhafte leichte Schulter, sondern sehr Ernst.

16 03 2014 Fussball Saison 2013 2014 2 Fussball Bundesliga 25 Spieltag SpVgg Greuther F

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„Zudem hilft uns unsere Ultra-Szene (…) immer wieder per Spruchband, Banner und Support“

Denkst du, dass der Verein in Zukunft ein offenes Ohr für eure Initiative hat oder glaubt ihr, dass es das jetzt war und es in absehbarer Zeit keinen „Sportpark Ronhof“ geben wird?
Prinzipiell waren wir uns immer bewusst, dass so etwas wie ein Stadionname und die damit verbundenen Interessen aller nicht von heute auf morgen zu ändern sind. Der Zufall, dass sich die Firma Mederer (Trolli) und die SpVgg zankten und nun getrennte Wege gehen, lässt natürlich hoffen und wäre eine tolle Gelegenheit. Doch war uns von Anfang an klar, dass es unter Umständen einige Jahre dauern kann, bis wir vielleicht auf etwas Zählbares blicken können. Dies haben wir auch immer so nach außen kommuniziert. Letztlich regiert das liebe Geld. So war uns also auch stets klar, weiter zu machen, egal wie viele Sponsoren unsere Pläne in nächster Zeit auch durchkreuzen. Wenn es tatsächlich jetzt schon klappen sollte, wenigstens einen Schritt in die gewünschte Richtung zu gehen – umso schöner. Wir haben im Übrigen auch nie geäußert, nur rein stur an unserem Konzept festhalten zu wollen. Wir sind auch immer offen für andere Ideen und sind uns bewusst, bei manchen Dingen zumindest Kompromissbereitschaft signalisieren zu müssen.

 

Unabhängig von eurem Stadion hat der Block 12, den ihr ja auch auf eurer Seite verlinkt, dazu aufgerufen, nach Vestenbergsgreuth zu fahren und eine „Spielvereinigung Fürth“ zu etablieren. Es wird darauf gepocht, dass ihr Fürther seid, und nicht Greuther-Fürther. Unterstützt ihr diese Sache auch?
Das Thema „Greuther“ ist ein sehr, sehr langes und komplexes, und wäre vielleicht einen extra Artikel wert. Die Idee zu dem Spiel hatten wir in unserem Forum der SF gepostet, als die Testspiel-Ansage heraus war. Block 12 hat das Thema dann weiter geführt und bekanntlich umgesetzt. Die Sportfreunde stehen sogar sehr hinter dieser Thematik, denn die schlimme „Vergreutherung“ in Fürth nach dem Beitritt des TSV war unter anderem auch ein Punkt bei der Gründung der Sportfreunde Ronhof. Und es ist ein ständiger Unruheherd, da sich tatsächlich viele, viele Fürther brüskiert fühlen, wenn die Großstadt Fürth mit ihrer über tausendjährigen Geschichte oftmals unter geht in „Greuther….“, gleichzeitig der TSV aber seit 2007 wieder selbst eine Erste Mannschaft im BFV gemeldet hat, die inzwischen zumindest wieder in der Kreisliga spielt. Das schürt Unverständnis. Ich zum Beispiel habe das Spiel einfach dazu genutzt, um mal die Gegenseite, nämlich die Menschen aus Vestenbergsgreuth und alte sowie junge Mitglieder des dortigen TSV zu befragen, wie deren Sicht der Dinge ist. Aber wie gesagt, das würde hier nun zu weit führen. Gern mal in einem Artikel zu dem Thema.

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