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Hintergründe

„Langfristig müssen wir uns von Clemens Tönnies emanzipieren“

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 22. März 2014
Quelle: privat

Im letzten Teil unseres Interviews spricht Roman Kolbe über Clemens Tönnies, Viagogo, die Polizei – und über eine Fanvertretung, die augenscheinlich gar keine mehr ist.

Wenn man die Anträge der aktiven Fanszene zusammenfasst, kann man dann einen Kern festmachen? Was ist das übergeordnete Ziel dieser Anträge?
Roman Kolbe: Wir sehen, dass unser Aufsichtsrat in seiner momentanen Besetzung in den letzten Jahren eigentlich immer nur einstimmige Beschlüsse gefasst hat. Und zwar immer die Beschlüsse, die Clemens Tönnies „vorgegeben“ hat. Da kann man natürlich zu stehen wie man will und sagen, dass die Beschlüsse vielleicht auch die richtigen waren. Es hat aber nach unseren Informationen überhaupt keine Gegenstimme gegeben, auch und vor allem nicht beim Thema „Viagogo“, das uns im letzten Jahr im Vorfeld der Jahreshauptversammlung sicher am meisten bewegt hat. Da haben wir eigentlich schon erwartet, dass ein Vertreter der Fans, nämlich Rolf Rojek, der satzungsgemäß den SFCV im Aufsichtsrat vertritt, auch für die Interessen der Fans einsteht und dementsprechend gegen die Kooperation mit Viagogo stimmt. Er hat aber dafür gestimmt. Das ist eine Sache wo wir, die drei großen Fan-Organisationen und viele andere Mitglieder und Fans gesagt haben: Es kann einfach nicht sein, dass bei einem Thema, das uns Fans betrifft, jemand der behauptet, die Interessen der Anhänger zu vertreten, so abstimmt.

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„Mich vertritt im SFCV überhaupt keiner mehr!“

Ich kann nur feststellen, dass ein Rolf Rojek persönlich und vor allem auch wirtschaftlich vom Verein abhängig ist und dass er in dem ganzen Konstrukt um Peter Peters und Clemens Tönnies nicht mehr die Stimme der Fans und schon gar nicht mehr der 75.000 im SFCV organisierten Fans vertritt. Das gibt der SFCV zwar immer wieder an, erinnert mich aber eher an den ADAC, der meint auch für 18 Millionen Mitglieder zu sprechen, aber nur 2.000 befragt hat. Ich zum Beispiel bin auch noch Mitglied in einem lokalen Fan-Club und somit auch im SFCV organisiert. Mich vertritt da aber überhaupt keiner mehr und so geht es vielen anderen auch. Das ist eine ganz gefährliche Entwicklung, die sich da mittlerweile nicht nur anbahnt, sondern sogar ein bisschen zuspitzt. Im Hinblick auf die Jahreshauptversammlung wirkt das Ganze jetzt schon wie eine Spaltung der Fanszene. Ich weiß nicht, wo das enden soll, eigentlich haben wir genug andere Gegner in der Bundesliga. Hier wird aber anscheinend von Vereinsseite versucht – insbesondere durch den Vorstand in Person von Herrn Peters -, Politik gegen die drei Fan-Gruppierungen zu machen, die ihm kritisch gegenüberstehen. Ich glaube, wer an der Spitze eines solchen Vereins steht, sollte auch mal Kritik aushalten können. Es hat nunmehr den Anschein, als wolle man sich der Kritik zukünftig gar nicht mehr stellen. Anders kann ich mir die aktuelle Politik der Geschäftsstelle kaum erklären. Es ist auch eine Art von Hilflosigkeit, die wir im Moment verspüren. Wenn die wichtigsten Anträge nicht zugelassen werden, dann sind einem erst mal die Hände gebunden. Denn wie bekommen wir einen Antrag auf die Tagesordnung der Jahreshauptversammlung? Eine Möglichkeit wäre eine Zweidrittelmehrheit zu bekommen, damit dieser Antrag von der Mitgliederversammlung auf die Tagesordnung gesetzt wird. So haben wir es letztes Jahr auch bei Viagogo versucht, das ist allerdings nicht gelungen. Es gab nur eine Probeabstimmung, die zu unseren Gunsten ausgegangen ist, auch mit dem Ende, dass der Verein tatsächlich den Vertrag gekündigt hat und heute auch laut Alexander Jobst (Vorstand Marketing, d. Red.) als Fehler bezeichnet. Das einzige, was uns noch übrig bleibt, ist also die Zweidrittelmehrheit oder tatsächlich vor einem Gericht gegen den eigenen Verein zu klagen. Das sind natürlich Schritte, die macht man nicht mal eben so. Man gilt dann natürlich sofort als Nestbeschmutzer. Dabei liegt Schalke uns allen ja so sehr am Herzen, sonst würden wir ja nie so kämpfen wie im Augenblick und uns Tage und Nächte wegen dieses Themas um die Ohren hauen. Wir haben Stunden, Tage gebrütet, um diese Satzungsanträge zu formulieren. Das machen wir ja nicht aus Spaß an der Freude, nur um den Verein zu ärgern. Ohne Juristen kommt man da auch nicht mehr aus. Da stellt sich schon die Frage: Wie muss ein Antrag von einem Mitglied formuliert sein, damit er überhaupt die Chance hat, zugelassen zu werden? Vorstand und Aufsichtsrat haben eine Heerschar an Vereinsanwälten engagiert, da haben wir es mit unseren Mitteln ganz einfach schwer.

Auf Seite 2: “Die Akteure vom Dachverband sind im Prinzip größtenteils persönlich und wirtschaftlich von Schalke 04 abhängig”