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National

„Kühne, Du Otto!“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 02. Februar 2015
Quelle: imago

Klaus-Michael Kühne hat sich die Rückbenennung der Heimspielstätte des HSV in Volksparkstadion einiges kosten lassen. Aber die Liebe des Volkes ist so günstig nicht zu haben. Die Reaktionen auf das, sagen wir, gewöhnungsbedürftige Konstrukt, dass ein Investor mit Millionen einsteigt, um die Tradition wieder aufleben zu lassen, fielen nicht ausschließlich euphorisch aus.

Nicht zuletzt vergraulten die Umstrukturierungen, mit denen der HSV Kühne und andere mögliche Investoren hofierte, etwa die Ultras der „Chosen Few“ und mit ihnen ein elementares Stück der Fankultur. Und zwar den eigentlich unveräußerlichen Teil der Tradition des Hamburger SV.

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Selbstverständlich machen sich auch andere Fanszenen Gedanken über die Entwicklungen in der Hansestadt. Schließlich wirkt doch vieles exemplarisch, was dieser Tage an der Elbe praktiziert wird. Der Kölner Blog „Volkssport Fußball“ hatte sich vor einigen Tagen bereits kritisch mit dem Hickhack um Kühne und Co. auseinandergesetzt und davor gewarnt, dass ein Traditionsverein wie der Hamburger SV zum Spekulationsobjekt verkomme und letzlich wie auf dem Basar verramscht werde.

Ebenso nutzen einige Kölner Anhänger die Bühne des Auswärtsspiels in Hamburg am vergangenen Samstag, um ihre Meinung zu und über Kühne kundzutun. Eine sprachlich elegante, wenngleich wenig verblümte Brücke von Kühne zu dem ehemaligen Aufsichtsratschef Alexander Otto, schlugen Fans auf einer Zaunfahne mit der schlichten Aufschrift „Kühne, Du Otto!“ Letzterer hat gerade 10 Millionen Euro für den Ausbau des HSV-Campus springen lassen. Ein weiteres Spruchband diagnostizierte dem HSV das „Hamburger Stockholm Syndrom“. In der Psychologie wird damit das Phänomen beschrieben, dass Geiseln mitunter sogar Zuneigung zu ihren Geiselnehmern entwickeln.