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National

„Konflikt betrifft die ganze Stadt“

Autor: Moritz Gutscher Veröffentlicht: 15. September 2015
Quelle: imago

Nach dem Bundesliga-Auftakt gegen die Gladbacher Fohlen kam es vor dem Fan-Projekt zu rechtsextremen Provokationen gegen Dortmunder Ultras. Die erste Schilderung der Dortmunder Polizei erwies sich als nicht haltbar, doch auch die korrigierte Fassung wirft bei der Fanabteilung Fragen auf.

Stadtbekannte Rechtsextreme sollen mit Hitlergruß und eindeutig volksverhetzenden Parolen provoziert haben. Die Beamten hätten daraufhin jedoch keine Personalien erfasst und keine Straftaten festgestellt. Das Fanprojekt bezweifelt, dass „die Polizisten kollektiv Hitlergrüße und antisemitische Beleidigungen nicht wahrgenommen haben“. Über weitere berichtete Angriffe auf Ultras abseits der Spieltage habe die Polizei keine Informationen. Die Fanabteilung zeigt sich irritiert und hofft auf den Einfluss des Vereins auf Polizei und Politik:

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„Insgesamt ist die BVB-Fanabteilung irritiert von der unpolitischen Darstellung des Einsatzes der Polizei. Die Neonazis versammelten sich an der Hohen Straße, weil zu erwarten stand, dass die Ultras nach dem Stadionbesuch zum Fan-Projekt zurückkehren würden. Als die Ultras schließlich dort ankamen, wurden sie von den Neonazis, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite warteten, provoziert. Diese Provokation ist nicht zufällig erfolgt. Die Ultragruppen The Unity und Jubos haben sich in den vergangenen Monaten immer wieder gegen rechts positioniert. Im Austausch mit der Polizei wurde den Vertretern der FA vergegenwärtigt, dass der Polizei bislang noch nicht deutlich geworden ist, dass es sich um einen politischen Konflikt handelt. Immer wieder von zwei „Gruppierungen“ zu sprechen, die aufeinandergetroffen seien, ist des Konflikts, der nicht nur die Ultragruppen, sondern die ganze Stadt Dortmund betrifft, nicht angemessen.

Neben der Dokumentation der Nachfragen bei der Polizei Dortmund sowie unserer Kritik am Polizeieinsatz möchte die BVB-Fanabteilung an dieser Stelle noch einen dringenden Wunsch an den Verein richten: Wir hoffen, dass Borussia Dortmund als ein Verein, der sich bereits stark gegen rechts engagiert, auf die Politik und Polizei einwirkt, damit bei einer fortbestehenden Bedrohungslage die richtigen Personen in den Fokus von Ermittlungen und polizeilichen Maßnahmen rücken. Dies sind für uns eindeutig die rechten Provokateure.“

Unverhältnismäßig sei zudem die Festsetzung der „Jungen Borussen“ gewesen, und auch Mitarbeiter des Fanprojekts wurden lange von der Polizei eingekesselt. Die „Borussenfront“ dagegen sprach nach den Vorkommnissen von „Hetzkampagnen“ von Seiten der Ultras, gegen die man sich zur Wehr setzen wollte.