Anzeige

Hintergründe

Können können – auch wenn einer guckt!

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 15. Januar 2015
Quelle: imago

In der Vorbereitung auf die Rückrunde werden Profivereine plötzlich scheu. Statt sich im Flutlicht zu aalen, finden Testspiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nicht, dass es kein Publikum dafür gäbe, zum Teil stehen sogar echte Kracher auf den Vorbereitungsplänen. Spiele, die zu attraktiv sind, fallen aber mitunter sogar ganz ins Wasser. Eine Unverschämtheit.

Höherschnellerweiter ist zum Mantra des Profifußballs geworden. Man muss nicht den Klassenkampf ausrufen, um das scheiße zu finden. Die Akteure des Geschäfts betonen aber emsig, dass man Schrauben nicht zurückdrehen könne. Allein die Konstruktion eines schwedischen Sitzmöbels lehrt einen zwar das Gegenteil, aber wenn es darum geht, Geld zu scheffeln, gibt es nur eine Richtung. Dass Fußball nicht mehr ohne Geld funktioniert, hat man uns inzwischen weisgemacht. Wenn Geld aber nötig ist, um Fußball zu spielen, wird es absurd. Weil sie möglicherweise selbst ein wenig draufzahlen müssten, sperren Vereine ihre Fans bei Testspielen aber vorzugsweise aus.

Anzeige

Nun wird man dem geneigten Zuschauer keine Offenbarung vorbehalten, wenn er Vorbereitungskicks zwischen Westfalia Herne oder dem KFC Uerdingen oder selbst dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Nürnberg versäumt. Vielleicht wirkt man dergestalt sogar positiv auf manchen Fußball-Suchti ein. Ein paar Tage kalter Entzug lassen sich ja möglicherweise damit überbrücken, mal dieses „Sozialleben“ anzuspielen. Aber keine Sorge: Kein Profiverein der Welt ist so besorgt um das Seelenheil seiner Anhänger. Dahinter steckt reines Kalkül. Wenn der Fan nämlich nichts mehr einspielt, sondern man sich auf ein riskantes Nullsummenspiel einlassen muss, an dessen Ende möglicherweise sogar ein kleiner finanzieller Verlust stehen könnte – na? Dann lässt man’s lieber.

So funktioniert das Spiel aber nicht! Dass der Profifußball der Lebensrealität derer enteilt ist, die ihn lieben, lässt sich vielleicht nicht umkehren. Seine Profiteure gehen damit aber gleichsam eine Verpflichtung ein. Niemand könnte sich dagegen verwehren, wenn Kanuten, Bogenschützen oder Trampolinspringer ihre Wettbewerbsvorbereitungen hinter verschlossenen Türen abhielten. Aber wer bitteschön ermöglicht denn den maximalen Zirkus und riesige Umsätze? Welcher Sponsor würde denn auch nur entfernt vergleichbar viele Euro locker machen, wenn die Fans nicht in geradezu bizarrer Treue ihren Mannschaften hinterherreisen, zum Teil horrende Ticketpreise löhnen würden? Erst die Zuschauer machen Fußball zum Geschäft und sponsern somit über Bande jeden Angestellten der Profivereine.

Wenn es dann aber darum geht, vielleicht fünf Mal im Jahr nötige Sicherheitsmaßnahmen bereitzustellen, damit eben diese treuesten der Treuen zuschauen können, pieksen sich die Klubs plötzlich an den Igeln in der vollen Tasche. Es wäre recht und billig, auch die andere Seite der Medaille in Kauf zu nehmen. Wer seine Spiele sonst in jeden Winkel des Planeten ausstrahlen will und von maximaler Öffentlichkeit maximal profitiert, muss sie auch da in Kauf nehmen, wo sie nicht zum eigenen Vorteil gereicht.