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National

Königsblaue Hilfe will Polizei verklagen

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 18. März 2016
Quelle: imago

Nachdem bekannt wurde, dass der FC Schalke 04 Stadionverbote gegen rund 140 Personen verhängen will, falls diese sich weigern eine Gewaltverzichtserklärung zu unterschreiben, meldet sich nun die Königsblaue Hilfe zum Thema zu Wort. Sie kritisiert die Polizei für die Weitergabe von persönlichen Daten an den Verein. 

Zunächst betont die Fanhilfe, dass es sich nicht bei allen 140 betroffenen Personen um Mitglieder der Ultragruppe Hugos handle. Zudem sei von dieser Personengruppe nur ein Bruchteil an den Auseinandersetzungen am Gelsenkirchener Hauptbahnhof beteiligt gewesen.

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Die Weitergabe der persönlichen Daten der 140 Fans von der Polizei an den Verein ist in den Augen der Königsblauen Hilfe rechtswidrig. „Die Polizei ist hierzu nicht befugt gewesen. Die Weitergabe von persönlichen Daten an einen privaten Verein unterliegt dem Datenschutz“, heißt es in einer Stellungnahme der Organisation.

Die Fanhilfe will nun „mit allen Mitteln versuchen, solchen Verstößen gegen den Datenschutz zu begegnen und diese Datenweitergabe gerichtlich prüfen lassen.“ Dazu wird sie Klage gegen das Vorgehen der Polizei erheben.

Das Verhalten des Vereins beurteilt die Königsblaue Hilfe etwas differenzierter. Die Organisation begrüßt, dass der Klub nicht – wie von der Polizei gewollt – umgehend gegen alle 140 Personen ein Stadionverbot verhängt hat, was er gemäß der DFB-Richtlinien zur Vergabe von Stadionverboten durchaus hätte tun können. „Schade“ sei es jedoch, „dass der Verein, wie schon nach dem brutalen Vorgehen der Polizei im Spiel gegen PAOK Saloniki dem politischen Druck nicht standhalten kann und seine eigene Linie nicht mehr konsequent weitergeht“, so die Königsblaue Hilfe. „Wir wollen nicht, dass die Unschuldsvermutung bei der Beurteilung von Sachverhalten in Gefahr gerät. In diesem speziellen Fall werden mitunter junge Leute, die sich an dem Abend zufällig und um der Schalker Gemeinschaft willen im Vereinsheim der Hugos aufgehalten haben, kriminalisiert. Das wird billigend in Kauf genommen, um nach Außen hin Härte zu demonstrieren und Politik und Öffentlichkeit zu befriedigen.“

In Gesprächen mit der Königsblauen Hilfe habe der Verein zudem zugesichert, Stadionverbote auch künftig nur dann zu verhängen, wenn die Schuld einer einzelnen Person individuell festgestellt wird. Die Gewaltverzichtserklärung bezeichnet die Organisation als „politisches Instrument“. Das Unterschreiben dieser Erklärung sei in juristischer Hinsicht unbedenklich und folgenlos.