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National

Kippt der Lärmschutz? Mehr Stimmung umme Ecke

Autor: Moritz Gutscher Veröffentlicht: 25. Januar 2015
Quelle: imago

Flutlicht, der Vorsänger peitscht die Menge an, der Stadionsprecher brüllt den Namen des Stürmers, der gerade das so wichtige Tor geschossen hat. Nun geht das Match in die Schlussphase, der ganze Hexenkessel kocht. Große Stadien und Arenen sind laut, keine Frage. Im Amateurbereich der Republik dagegen verhindern strenge Vorschriften und die Rücksicht auf Anwohner sogar den problemlosen Spielbetrieb. Derzeit.

Der Amateurfußball hat wegen der Anstoßzeiten bei Profispielen ohnehin schon häufig das Nachsehen. Parallele Ansetzungen hindern nicht wenige Fans daran, ihr „Local Team“ gebührend zu supporten. Ein weiteres Hindernis stellen die strikten Regulierungen dar, die zum Schutze der Anwohner eingeführt wurden. Das ist teils nachvollziehbar, denn in Deutschland gibt es kaum ein Wohngebiet ohne zumindest einen Fußballplatz.

Und die deutsche Sportanlagenlärmschutzverordnung (SALVO) ist streng. So sind sonntags Spiele und Training zwischen 13 und 15 Uhr verboten, denn die Sonntagsruhe wird gesetzlich geschützt. Weil immer mehr Anwohner mit rechtlichen Schritten gegen Vereine vorgehen, ist auf vielen Sportplätzen bereits um 20 Uhr Zapfenstreich. Einige Vereine können sich mit den Bewohnern gut arrangieren, insgesamt gilt die SALVO aber als reformbedürftig. Bei manchen Klubs wurden bereits Aufnahmestopps verhängt, um dem eingeschränkten Trainingsplan entsprechen zu können.

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Nun erkennt auch die Bundesregierung den Handlungsbedarf: DFB und DOSB appellierten stetig an die Politik, dass die strengen Vorschriften gelockert werden sollten. Jetzt hat Umwelt-Staatssekretär Florian Pronold (SPD) wohl erste Veränderungen angekündigt. Wichtig sei dabei ein „gesellschaftlicher Konsens“. Unumstritten ist, dass die Anzahl der Klagen zugenommen hat, auch von Seiten zugezogener Bewohner.

Vor allem die Einschränkungen im Jugendfußball stehen auf der Kippe. Seit 2011 gilt Kinderlärm nicht mehr als Klagegrund – dieses Prinzip könnte auch für den Vereinsfußball geltend gemacht werden. Aber auch die Sonntagsruhe könnte unter Umständen eingeschränkt werden. Laut Rainer Bischoff, dem sportpolitischen Sprecher der nordrhein-westfälischen SPD, entspreche die Regelung nicht mehr den üblichen Gewohnheiten der Menschen.

Die jüngsten Entwicklungen lassen eine Modernisierung erhoffen. Für mehr Stimmung im Amateurfußball – auf und neben dem Platz.

moG