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National

„Kind ist ein Segen“

Autor: Lukas Schäfer Veröffentlicht: 07. April 2015
Quelle: imago

Am vergangenen Wochenende war Hannover 96 zu Gast bei Eintracht Frankfurt. Die Punkte waren beim 2:2 jedoch nicht das Einzige, was sich die Fans der beiden Mannschaften teilten. Einigkeit herrschte auch in der kritischen Meinung bezüglich der Vereinsführung der Niedersachsen.

Die Anhänger von Hannover protestierten auch in Frankfurt gegen 96-Clubboss Martin Kind. Teile der Anhänger verweigern seit Saisonbeginn die Unterstützung ihrer Mannschaft und bejubeln stattdessen lieber die U23 der Niedersachsen.

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Beide Fanlager adressierten während der Begegnung kritische Banner (mit teilweise beleidigenden Inhalten) in Richtung des Vereinspräsidenten. Gegenüber dem NDR äußerte sich nun Fanforscher Gunter A. Pilz. „Herr Kind ist nun einmal ein Machtmensch und kein Teamplayer, sondern ein Einzelkämpfer. Er ist ein Geschäftsmann und ein Segen für Hannover 96“. Der Sportsoziologe vertritt die Auffassung, dass Kind in Sachen Fans und Fußball „nicht auf der gleichen Höhe“ sei, wie er es wirtschaftlich ist. Fans und Vereinsspitze würden nicht dieselbe Sprache sprechen.

Die Anhänger von Hannover 96 befürchten eine Kommerzialisierung ihres Vereins, den Kind gerne als „Marke“bezeichnet. Daher solle der Clubboss laut Fanforscher „einen Schritt auf die Fans zugehen“. Auch den offenen Brief an die Fans kritisiert der Sportsoziologe: „Es war eine gute Idee, aber schlecht gemacht. Es fand wieder eine Ausgrenzung statt. Man hat versucht, die einen für sich zu bekommen und gleichzeitig signalisiert, wen man nicht braucht und nicht will.“

Laut NDR will der Verein nun die Vorschläge der Anhängerschaft anhören, wie die Situation verbessert werden kann. Martin Kind betonte am Sonntag im Sportclub: „Wir haben deutlich unsere Dialogbereitschaft signalisiert – ergebnisoffen. Das heißt, es kann alles angesprochen werden und wir können für alle Fragen auch Antworten finden. Nur klar muss sein: Danach muss es Spielregeln geben, da bitten wir, dass die beachtet werden.“ Eine Entschuldigung, wie von den Fans gefordert, wird es von Kind jedoch nicht geben: „Das würde bedeuten, dass wir erwarten, dass sie sich für ihr Fehlverhalten ebenfalls entschuldigen. Das wollen wir nicht, das ist Vergangenheit. Wir gucken nach vorne und ich hoffe, dass wir dort, wo wir Fehler gemacht haben, gemeinsam daraus lernen.“

Auch der Fanforscher sieht keine Notwendigkeit für eine Entschuldigung: „Das scheint mir ein typisches Machtspiel zu sein. Ich kann schon verstehen, dass er sich darauf nicht einlässt.“ Für Fans und Vereinsspitze sei in dieser Situation Vernunft und Kompromissbereitschaft das Gebot der Stunde.