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National

Keine Meinungsfreiheit in Paderborn?

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 25. September 2014

In Deutschland kann man eine Revolution bereits zum Scheitern bringen, indem man die Anmeldung nicht genehmigt. Warum sollte es beim Fußball anders sein. Der SC Paderborn ist zwar derzeit auch sportlich überaus erfolgreiches Mitglied der 1. Fußball-Bundesliga, der Augenzeugenbericht eines Mainzer Auswärtsfans mutet aber an wie eine Provinzposse. Darsteller: Eine ältere Dame, ein DIN-A4-Blatt und eine Handvoll Ordner. 

Der SC Paderborn traumwandelt durch die Bundesliga und ist den eigenen Größenordnungen beinahe über Nacht entwachsen. Das Stadion des Aufsteigers ist im Grunde viel zu klein, um den Massen gerecht zu werden, die Bundesliga-Fußball zwangsläufig anlockt. Um dem Wettbewerbsdruck marktwirtschaftlich dennoch einigermaßen nachzugeben, haben die Ostwestfalen kräftig an der Preisschraube gedreht. Wer zu den Happy Few gehören will, die die Benteler-Arena bei einem Heimspiel von innen zu sehen bekommen, muss happig dafür löhnen.

Da das Prinzip von Angebot und Nachfrage gleichsam teure wie vergleichsweise günstige Eintrittskarten betrifft, bekommen die weniger betuchten Zuschauer die Preispolitik besonders empfindlich zu spüren. Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Paderborner Eintrittspreise erreichte fanzeit die Mail eines Lesers, der berichtet, Augenzeuge einer Auseinandersetzung zwischen einer älteren Dame und Ordnern des Vereins geworden zu sein. Beim Heimspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 wurde demnach eine in Mainzer Fankreisen bekannte Dame unfreiwillig Beteiligte einer Auseinandersetzung mit dem Ordnungsdienst. Eigentlich fühle sie sich nicht mehr fit genug, um ein komplettes Fußballspiel auf dem Stehplatz zu verbringen. Da die Sitzplätze jedoch mit satten 51 Euro zu Buche schlugen, sei sie notgedrungen auf einen Stehplatz ausgewichen, der vergleichsweise erschwingliche 16 Euro gekostet habe.

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Diese Umstände habe die Dame allerdings nicht kommentarlos über sich ergehen lassen wollen und ein DIN-A4-Blatt hochgehalten. Aufschrift: „16 Euro Steher, 51 Euro Sitzplatz, das ist ja wohl ein schlechter Witz.“ Dieser vermeintlich harmlose Akt des Protests habe jedoch einige Stadionordner auf den Plan gerufen. Als das Spiel bereits eine knappe halbe Stund lief, hätte der Sicherheitsdienst versucht sie zu überzeugen, das Blatt freiwillig abzugeben. Der Mainzer Fan selbst habe sich anschließend mit Verstärkung in die Szenerie eingemischt und die Dame verteidigt. Während der Diskussion soll sich jedoch schließlich ein Mann in Zivil, der sich später als Paderborner Ordner herausgestellt habe, von hinten an die Frau herangeschlichen und ihr das Blatt aus den Händen gezogen haben, wobei sie sogar zu Fall kam. „Wo ist da bitteschön die Meinungsfreiheit und die Verhältnismäßigkeit der Ordner in Paderborn?“, fragt der fanzeit-Leser.

Auch Banner im Heimbereich von Ordnern entfernt und zerstört

Nach unserer Anfrage hat der Bundesligist intern Nachforschungen angestellt, konnte aber keinen derartigen Vorfall bestätigen. Pressesprecher Matthias Hack stellt fest: „Nach Rücksprache mit dem Ordnungsdienst ist uns der Vorfall im Gastbereich nicht bekannt.“

Allerdings waren beim selben Spiel auch die Fans des SC Paderborn von den Tücken der Stadionordnung betroffen. Zwei Spruchbänder, auf denen zu lesen war: „Für die Bonzen baut ihr ein ganzes Zelt, doch ein Fanstand passt nicht in eure Welt“, entfernten und zerstörten Ordner noch im Stadion. Hack verteidigt die Vorgehensweise: „Diese Banner sind ohne vorherige Anmeldung der Fans ins Stadion gebracht worden. Somit hat der Ordnungsdienst hier richtig gehandelt, zumal es sich nicht um B1-Ware und somit um eine potenzielle Gefahr (Brandlast) für andere Besucher gehandelt hat.“

Dass der SC Paderborn unter diesem Vorwand gezielt unliebsame Banner entfernt und den Protest gegen seine Preispolitik im eigenen Stadion unterbindet, wollen sich die Ostwestfalen jedoch nicht nachsagen lassen: „Inhaltlich wäre die Genehmigung beider Banner denkbar gewesen. Solange niemand beleidigt oder denunziert wird, werden wir als Verein die Meinungsfreiheit stets unterstützen.“