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National

Kein Kind im Koma

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 06. Oktober 2014

Etwas Erleichterndes hat Wolfgang Denzer am Tag danach immerhin zu vermelden. Bei den ohnehin reichlich vagen Gerüchten, die gestern durchs Netz waberten, nach denen ein kleines Mädchen bei den Ausschreitungen rund um das Südwestderby in Kaiserslautern verletzt worden und sogar ins Koma gefallen sei, handele es sich um „völligen Blödsinn. Zwischenzeitlich hieß es sogar, dass das Mädchen schon gestorben sei, aber das ist frei erfunden“, versichert der Pressesprecher der örtlichen Polizei.

Einige Kinder seien zwar schreiend davongelaufen, als Gäste-Fans aus Karlsruhe sich auf den Weg in Richtung Südtribüne gemacht hätten, Familien und Kinder seien im Stadion aber nicht zu Schaden gekommen, versichert der Sprecher. Trotzdem wird auch zwei Tage nach dem Spiel noch immer heiß über die Geschehnisse diskutiert. Vor allem, wie es den Gäste-Anhängern gelingen konnte, vor noch laufenden Fernsehkameras in bemerkenswerter Ruhe auf die Südtribüne vorzudringen, wirft Fragen auf.

So hinterfragt etwa die Rot-Weiße Hilfe Kaiserslautern die Einsatztaktik der Polizei. Obwohl nach dem letzten Spiel gegen Dynamo Dresden für sogenannte „Risikospiele“ einige Maßnahmen ergriffen worden seien, wirkten diese nur außerhalb des Stadions, erklärt die Fanhilfe. „Man muss an dieser Stelle aber auch festhalten, dass ein Aufeinandertreffen von den angreifenden KSC-Fans und den sich entgegenstellenden FCK-Fans schon im Ansatz zu verhindern gewesen wäre, hätte die Polizei nicht so viele Einheiten in unmittelbarer Stadionnähe abgezogen.“

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Denzer entgegnet jedoch, dass es klare Zuständigkeiten gebe. Innerhalb des Stadions sei der Ordnungsdienst und die Stadionsecurity verantwortlich. Erst wenn diese sich nicht mehr in der Lage sehe, Gefahrensituationen zu bewältigen, würde die Polizei hinzugezogen. Dies habe in den Minuten nach Abpfiff schlicht länger gedauert, da die Beamten zum einen außerhalb des Stadions alle Hände voll zu tun gehabt hätten und sich zudem entgegen des Menschenstroms zurück ins Stadion hätten bewegen müssen. „Das hat vielleicht sieben, acht Minuten gedauert. Für die Menschen im Stadion ist das eine gefühlte Ewigkeit, aber eigentlich ist das keine Zeit“, findet der Polizeisprecher. „Das ist auch keine Rechtfertigung oder Ausrede der Polizei. Das alles ist auch für uns sehr bedauerlich, aber es ist immer schlecht, wenn man Prügel für Dinge bekommt, für die man primär nicht verantwortlich ist.“

Allerdings wird auch ersichtlich, dass die Polizei selbst wohl nicht mit einer Eskalation innerhalb des Stadions gerechnet hätte. Man könne sich nicht erinnern, dass sich 15 Minuten nach Abpfiff in der 1. oder 2. Bundesliga ein ähnlicher Vorfall innerhalb des Stadions ereignet habe. In aller Regel spiele sich das Geschehen dann längst außerhalb ab, gibt Denzer zu bedenken.

Ungeachtet der weiteren Vorfälle bittet die Rot-Weiße Hilfe bereits jetzt darum, von Stadionverboten abzusehen: „Wir fordern die Polizei und den FCK auf, die eigenen Fehler nicht auf dem Rücken der Fans auszutragen. Sollten die betroffenen Fans durch ihr Einstehen gegenüber allen anderen Fans mit Stadionverboten belegt werden, so verurteilen wir ein solches Vorgehen von Polizei und Verein im Vorfeld aufs Schärfste. Diese Fans dürfen nicht für das Versagen von Ordnungsdienst und Polizei bestraft werden.“