Anzeige

Hintergründe

Keep Calm and Accept the Dosen-Boykott

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 09. August 2016
Quelle: imago

Obwohl die aktive Fanszene von Borussia Dortmund nicht zum Auswärtsspiel bei RB Leipzig reisen wird, waren die Auswärtskarten für die Partie beim BVB innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Ist der Protest also gescheitert? Mitnichten — ein Kommentar. 

Als sich die Nachricht des ausverkauften BVB-Gästeblocks in der Leipziger Arena verbreitete, ließen die entsprechenden Reaktionen nicht lange auf sich warten: „Das mit dem Boykott müssen sie aber nochmal üben“, höhnten die einen. „Aus dem Proteststurm wurde ein laues Lüftchen“, kommentierten die anderen.

Wer jedoch ernsthaft davon überrascht ist, dass der BVB auch ohne den harten Kern in der Lage ist, jeden Gästeblock der Liga zu füllen, hat wohl die Entwicklung des Vereins in den letzten Jahren verschlafen. Erfolg macht sexy. Das weiß man in Leipzig nur zu gut. Allein die Tatsache jedoch, dass diejenigen die sonst immer dabei sind, bei diesem Spiel fehlen werden, ist ein deutliches Zeichen des Protests und wird sich im Stadion bemerkbar machen.

Anzeige

Hinzu kommt, dass die Fangruppen, die im Bündnis „Südtribüne Dortmund“ organisiert sind, zu keinem Zeitpunkt den gesamten BVB-Anhang zu einem Boykott aufgerufen haben. In ihrer Stellungnahme machen sie lediglich deutlich, dass ihnen das Konstrukt aus Leipzig so dermaßen gegen den Strich geht, dass sie es nicht mit ihren Überzeugungen vereinbaren können, dort auch noch für ein unterhaltsames Rahmenprogramm zu sorgen.

Wer nun behauptet, diese Fans würden ihren Verein nicht lieben, weil sie nicht „das tun, wofür Fans da sind: Ihre Mannschaft […]beim zweiten Saisonspiel unterstützen“, spricht ihnen jegliche Mündigkeit ab und degradiert sie zu schwarz-gelben Jubelpersern. Einmal mehr wird so ein Unterschied zwischen „echten“ und „sogenannten“ Fans befeuert, den es so im Stadion niemals geben wird.

Die BVB-Fans, die statt des Leipzig-Spiels lieber ihre Amateure beim Tradiotionskick gegen den Wuppertaler SV besuchen wollen, wissen das. Womöglich hätten sie sich gefreut, wenn es noch mehr Fans gegeben hätte, die es ihnen gleich tun. Aber sie akzeptieren, dass es auch jede Menge Anhänger gibt, die die Gelegenheit nutzen wollen, auch endlich mal eines der begehrten BVB-Auswärtstickets zu ergattern. Warum also nicht auch akzeptieren, dass es da einige Leute gibt, die aus tiefster Überzeugung nicht zu einem Klub fahren wollen, der einzig und allein zu dem Zweck besteht, mehr Getränkedosen zu verkaufen?