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National

„Je suis Boyz Köln“: Meinungsfreiheit statt Gewaltverherrlichung

Autor: Johannes Holzapfel Veröffentlicht: 27. Februar 2015
Quelle: imago

Das Fan-Projekt Dortmund bezieht offiziell Stellung zu dem „Je suis Boyz Köln“-Banner. Nach dem Platzsturm beim Spiel in Mönchengladbach reagierte der 1. FC Köln rigoros und verbannte die „Boyz Köln“ komplett aus dem Stadion. Das Banner wurde daraufhin in Stuttgart von Dortmund-Fans an den Zaun gehangen, um der Solidarität mit der Gruppe „Boyz Köln“ einen Ausdruck zu verleihen.  Selbst Hans Joachim Watzke erwähnte, dass dieses Banner für Stadionverbote sorgen könnte. Das Fan-Projekt Dortmund fürchtet nun um die allgemeine Meinungsfreiheit.

Laut Stellungnahme sieht das Fan-Projekt den Banner nicht als „Verhöhnung der Opfer der Anschläge (…) in Paris“, sondern lediglich als als eine „Solidaritätsbekundung der Desperados mit der ihnen freundschaftlich verbundenen Gruppe Boyz Köln.“ Faktisch solle festgehalten werden, „dass diese Worte keinerlei Gewaltverherrlichung oder strafrechtliche Relevanz beinhalten.“

Zudem lehne man „jede Form von Vorverurteilung sowie Kollektivstrafe“ ab. Das Fan-Projekt sieht die Meinungsfreiheit in Gefahr, wenn ein Banner verboten werden sollte, welches schlicht eine Solidaritätsbekundung ist – unabhängig davon, ob man die Wortwahl dieser Bekundung mag oder nicht.

Es bleibt abzuwarten, ob die Dortmund-Fans das Banner morgen – beim Revierderby gegen Schalke – wieder aufhängen wollen und wie der BVB als Verein darauf reagieren wird.

Nachfolgend die Stellungnahme des Fan-Projekt Dortmund im Wortlaut:

Fan-Projekt sieht Gefahr der Zensur

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Nach den zahlreichen Medienberichten in den vergangenen Tagen im Hinblick auf das Banner mit der Aufschrift „Je suis Boyz Köln“ der Gruppe Desperados Dortmund, möchten nun auch wir, die MitarbeiterInnen des Fan-Projekts Dortmund, unsere Sicht der Dinge darlegen.

Zunächst einmal möchten wir festhalten, dass die Worte „Je suis Boyz Köln“ eine Solidaritätsbekundung der Desperados mit der ihnen freundschaftlich verbundenen Gruppe Boyz Köln darstellen. Faktisch muss ebenfalls festgehalten werden, dass diese Worte keinerlei Gewaltverherrlichung oder strafrechtliche Relevanz beinhalten. Darüber hinaus ist der Inhalt weder menschenverachtend noch in irgendeiner Form diskriminierend und steht somit auch nicht im Widerspruch zu unserem freiheitlich demokratischen Wertverständnis.

Die Medienberichterstattung jedoch interpretierte, dieses Banner sei eine „Verhöhnung der Opfer“ der Anschläge zu Jahresbeginn in Paris. Darüber hinaus drohten Vereinsvertreter sogar mit Stadionverboten für diejenigen, die verantwortlich waren, dass dieses Banner am Zaun des Auswärtsblocks im Stuttgarter Stadion hing.

Diesbezüglich möchten wir darauf hinweisen, dass die Verantwortung dafür, welche Fanutensilien in Fanblöcken vorzufinden sind, stets der hiesige Ordnungsdienst bzw. der gastgebende Verein trägt und dieser am Tag des Auswärtsspiels in Stuttgart das besagte Banner ohne Einwände zuließ.

Der Zeitpunkt, an dem die Fahne „Je suis Boyz Köln“ erstmals präsentiert wurde, liegt in klarem Zusammenhang mit den Vorkommnissen beim Derby in Mönchengladbach. Dies wurde vielerorts als Befürwortung der Auseinandersetzungen verstanden bzw. dies hineininterpretiert, da Mitglieder der Boyz Köln am Platzsturm beteiligt gewesen sein sollen. Da dies zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigt noch dementiert werden kann, möchten und können wir dies nicht beurteilen.

Was jedoch feststeht und in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Banner der Desperados steht, ist die Tatsache, dass es in Köln zu einer Kollektivstrafe für die gesamte Gruppe gekommen ist, obwohl die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind. Jede Form von Vorverurteilung sowie Kollektivstrafe halten wir in sofern für fatal, da sie Gefahr läuft, Menschen mit in Sippenhaft zu nehmen, die nichts mit den entsprechenden Vorkommnissen zu tun haben. Unabhängig von den Vorfällen in Köln sprechen wir uns seit jeher für eine Differenzierung und individuelle Strafverfolgung aus, auch dann, wenn es sich um Fans handelt, die in der Vergangenheit nicht immer unumstritten waren. Das Banner der Desperados wird, laut Aussage der Gruppe, ausdrücklich im Hinblick auf das Gefühl der ungerechten Bestrafung ihrer Freunde verstanden.

Weiterhin möchten wir davor warnen, den Gedanken der Meinungsfreiheit nicht selbst ad absurdum zu führen, indem man Banner lediglich aus Geschmacksgründen verbietet. In diesem Fall geht es nicht darum, ob die Wortwahl der Solidaritätsbekundung dem eigenen Geschmack entspricht oder nicht. Vielmehr geht es darum, dass die Solidaritätsbekundungen mit den Opfern der Anschläge von Paris in Form von „Je suis Charlie Hebdo“ ein Ausdruck der Wertschätzung der freien Meinungsäußerung darstellten. Verbietet man nun Banner, die nicht zu gefallen wissen ohne jeglichen strafrechtlichen Hintergrund, entsteht eine Zensur, die im absoluten Gegensatz zur Meinungsfreiheit steht.