Anzeige

Hintergründe

„Ich gönne dem BVB nicht die Butter auf dem Brot“

Autor: peter Veröffentlicht: 25. März 2014
Quelle: privat

Wir haben uns mit Ralf Barsmann unterhalten, dem Vorsitzenden und Gründer des Blau-Weißen Stachels, einem Schalke-Fanclub. In Dortmund!

Ralf Barsmann, wie kommt man darauf, einen Schalke-Fanclub in der Stadt des Erzrivalen zu gründen?

Am Anfang waren es neun Mitglieder aus dem Raum Dortmund-Oestrich. Als ich hier hin gezogen bin dachte ich, ich sei hier der einzige Schalker. Irgendwann habe ich gemerkt: Da sind doch noch ein paar mehr und so hat sich eine Gruppe gebildet. Später sind wird auch zu den Spielen gemeinsam gefahren, weil es zusammen mehr Spaß macht und aus einer Laune heraus kamen wir auf die Idee: „Komm, lass uns doch einfach einen Fanclub gründen“. Ungefähr zwei Jahre später hat sich das Ganze dann soweit entwickelt, dass wir uns dem Schalker Fanclubverband angeschlossen haben und einen eingetragenen Verein gegründet haben, weil es so auch sicherer für den Vorstand ist. Zu diesem Zeitpunkt waren wir ungefähr 20 Mitglieder. Jetzt, nach 13 Jahren, sind wir 86.

Wie sind Sie dann auf ihren Namen gekommen?

Der „Blau-Weiße Stachel“ stand zum Gründungszeitpunkt als Name fest. Aber bis dahin hatten wir verschiedene Namen durch – bis hin zu „feindliche Übernahme“. Die Tochter eines Kollegen sagte „Blau-Weißer Stachel ist doch ganz süß, dann piekst du die Dortmunder.“ Jetzt ist der Name Programm. Dann brauchten wir noch ein Logo. Im Internet gab es eine außerparlamentarische Organisation, die nannte sich „Die Rote Hornisse“ und so haben wir für unser Logo die „Blaue Hornisse“ ein wenig abgekupfert.

Wo kommen Sie her?

Ich bin gebürtiger Gelsenkirchener, daher die große Leidenschaft für den S04. Mit zweieinhalb Jahren sind meine Eltern ins Emsland gezogen, wo ich groß geworden bin und in Ostfriesland Informatik studiert habe. Nach dem Studium bin ich über die Jobsuche in Dortmund hängen geblieben. Und nachdem ich meinesgleichen finden konnte, haben wir uns dazu entschieden, einen Fanclub zu gründen.

Wie haben Sie sich gefunden?

Internet gab es Ende der 90er noch nicht so. Zuerst haben wir uns über die nähere Nachbarschaft kennengelernt, dann über die Freundesfreunde. Dann hat man mal am Bahnhof jemanden getroffen, der fragte: „Bist Du der Schalker Fanclub aus Dortmund?“ So haben wir nach und nach immer mehr Mitglieder bekommen.

Wodurch haben Sie diesen Bekanntheitsgrad erreicht?

Anzeige

Am Anfang waren wir noch ein kleiner Haufen und nicht ganz so präsent. Aber je mehr Mitglieder wir wurden, umso mehr konnten wir auch machen, durch unseren Banner in der Arena und auch dadurch, dass wir von den Medien aufgegriffen worden sind, wurden wir langsam bekannter.Wir haben alle die gleichen Fanclub-Klamotten und laufen auch zu den Spielen einheitlich hin, dementsprechend haben wir ein ganz anderes Auftreten und sind auch in der Fanszene bekannt. Das erste Mal hatten wir solche Regenjacken. Damit wurden wir auch bei Auswärtsspielen erkannt. Leute haben uns teilweise angesprochen und meinten: „Ah, seid ihr der Blau-Weiße Stachel? Endlich habe ich mal ein Gesicht zum Fanclub.“

Wie kam Ihr Banner in die Veltins-Arena?

Wir hatten ein Banner, jetzt nicht mehr. Das hängt mit der Ausschreibung zusammen, man kann sich dort alle fünf Jahre bewerben und wenn man vom Verein berücksichtigt wird, bekommt man einen Platz in der Arena. Unser Banner war jetzt fünf Jahre im Stadion, doch jetzt haben auch andere Fanclubs die Möglichkeit.

„Ich bin zu alt für diesen Scheiß“

Gab es auch schon mal Probleme mit Dortmundern?

Eigentlich weniger. Hier in Dortmund-Oestrich, in der Nähe zum Castroper Raum ist das Schalker Umfeld etwas dichter. So haben wir weniger Probleme mit Dortmundern. Klar, es kommt ab und zu der ein oder andere blöde Spruch, aber vor tätlichen Angriffen sind wir bislang verschont worden. Es wurde schon mal am Schal gezogen und auch schon mal eine Mütze geklaut. Das gab es natürlich und das ist nicht immer ganz so schön. Wenn man Auswärtsspiele hat und man durch den Dortmunder Hauptbahnhof muss, wird man schon blöd angemacht. Doch wir versuchen, da Schlimmeres zu vermeiden, das ist ja auch nicht der Sinn eines Fanclubs, andere zu provozieren. Deswegen:: Wenn man weiß, dass Dortmunder Fans da sind, nimmt man seine Schalker Jacke und benutzt sie kurzfristig als Wendejacke und zieht die auf links. Ich habe da kein Bock drauf und ich bin zu alt für diesen Scheiß. Deswegen haben wir auch auf der Seite kein Gästebuch mehr, denn es gab schon einige Kommentare, die über die Grenze hinaus gingen. Aber ich würde sagen, dass es in unserem Verein nicht anders ist.

Warum ausgerechnet in Dortmund? Kommen auch alle Mitglieder aus der Stadt?

Unser Ziel ist es, die Schalker, die in Dortmund oder um Dortmund herum wohnen, zu bündeln und den Leuten einen Ort beziehungsweise einen Stammtisch für den Austausch einer gemeinsamen Leidenschaft bereit zu stellen. Das ist Sinn und Zweck und wenn man dann in Dortmund wohnt, trägt man den Fanclub beim Amtsgericht Dortmund ein. Wir haben inzwischen 86 Mitglieder und es sind auch Leute aus Schwerte, Witten und Ascheberg dabei.

Wo treffen Sie sich?

Wir treffen uns immer in Dortmund-Mitte im Vereinsheim Flora, das ist ein Kleingärtnerverein. Wir haben uns auch schon in anderen Lokalen getroffen, doch da waren die Leute uns gegenüber nicht ganz freundlich gesinnt und wir haben unser Lokal gewechselt.

Sie sind nun seit 1996 wohnhaft in Dortmund. Entwickelt man da am Ende vielleicht sogar eine klitzekleine Sympathie für den BVB?

Gar nicht. Seitdem sich die Dortmunder Südkurve im Jahr 2001 über die verspielte „Vier-Minuten-Meisterschaft“ lustig gemacht hat und die Schwarz-Gelben sich für die Bayern gefreut haben, gönne ich dem BVB nicht mal mehr die Butter auf dem Brot.