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National

Initiative fordert „Isolation“ des Vereins RB Leipzig

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 22. Oktober 2014

Auf den ersten Blick klang das doch ganz mehrheitsfähig, was Wolfgang Niersbach zuletzt in Hinblick auf die Fanproteste gegen RB Leipzig hatte verlautbaren lassen. Auf den Vorstoß des nordsächsischen Landrats Michael Czupalla hin hatte der DFB-Präsident schließlich sinngemäß formuliert, dass er keine Handhabe sehe, etwas gegen die Proteste zu unternehmen. Freie Meinungsäußerung eben.

Zwischen den Zeilen allerdings geriet das Schreiben viel zu unkritisch, findet die Initiative „Nein zu RB“, die sich nun ihrerseits in einer Stellungnahme an den DFB-Präsidenten gewandt hat und ihn zu einem strengeren Umgang mit dem Zweitligisten auffordert, zumal RB Leipzig mit seiner Strategie gleich mehrfach gegen Regularien von DFB und DFL verstoße. Gleichzeitig seien auch die Traditionsvereine aufgerufen, etwas gegen RB Leipzig zu unternehmen, der im Begriff sei, sich ein fußballerisches Imperium aufzubauen.

Nachfolgend die Stellungnahme der Initiative „Nein zu RB“ im Wortlaut:

 

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Vor wenigen Tagen entnahmen wir der Presse, dass es eine Korrespondenz zwischen dem nordsächsischen CDU-Landrat Michael Czupalla und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gab. Aus dem veröffentlichten Antwortschreiben Niersbachs geht hervor, dass Czupalla – ehemaliger Präsident beim VfB Leipzig – ein Einschreiten gegen Proteste gegen RB Leipzig fordert. Wolfang Niersbach entgegnete dieser Bitte zwar mit den Worten „[…] hier sehen wir keine Möglichkeit zum Einschreiten“, und weist im nächsten Satz auf darauf hin, dass „noch einige Zeit nötig sei, bevor RB Leipzig genauso wahrgenommen und begleitet wird wie die anderen  Vereine aus der Bundesliga und 2. Bundesliga“. Niersbach offenbart mit dieser Aussage die Strategie bzw. das (Nicht)-Vorgehen im Fall RB Leipzig. Eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Verein wird wohl  seitens des DFB in Zukunft nicht stattfinden. Vielmehr scheint es so,  dass RB Leipzig in den Reihen des DFB längst akzeptiert ist und man sogar froh über die Entwicklung in Leipzig ist. Anders sind folgende Zitate aus dem Antwortschreiben von DFB-Präsident Niersbach nicht zu deuten: „Ihren Zielen entnehme ich, dass sie absolut nachvollziehen können, wie zufrieden wir alle sein können, mit dieser wunderbaren Entwicklung, aber auch mit dem Auftreten der Mannschaft“ oder „Auch ich vertrete die Auffassung, dass die Entwicklung von RB Leipzig für den Fußball in dieser Stadt und mit den vielen Fans, die in dieser wunderbaren Region leben, positiv zu bewerten ist“. Wir bedauern diese unkritische Sichtweise des DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach mit Bezug auf RB Leipzig. Dass RB Leipzig bewusst gegen DFB bzw. DFL Regularien verstößt, scheint nicht den DFB nicht zu interessieren. RB verstößt nicht nur gegen die Prinzipien der 50+1 Regel, sondern auch gegen die DFB-Satzung. Unter § 15 Abs. 2 sind „Änderungen, Ergänzungen oder Neugebungen von Vereinsnamen und Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung sind unzulässig“. Der Vereinsname ist nicht ohne Grund an RedBull angelehnt. Würde hier nicht im Sinne der Werbung gehandelt werden, so hätte man den Verein auch FC Leipzig oder ähnlich nennen können. Auch das Logo weist mit den zwei Bullen, trotz leichter Veränderungen im Zuge der Lizenzierung, immer noch Merkmale des Firmenlogos von Red Bull auf –  die allein dem Zwecke der Wiedererkennung und somit der Werbung dienen.

RB Leipzig verstößt darüber hinaus auch gegen § 4 Nr. 9 der Lizenzierungsordnung der DFL, welcher Vereine dazu verpflichtet, gewisse Mindestvoraussetzungen in Bezug auf die demokratische Mitbestimmung bei der Wahl der Vereinsführung einzuhalten. Laut § 6 Abs. 2 der Satzung von RB Leipzig dürfen nur 11 ordentliche Mitglieder den Vereinsvorstand und -vorsitz wählen. Darüber hinaus ist die Mitgliederstruktur von RB Leipzig antipartizipativ bzw. ausschließend. Stimmberechtigtes, ordentliches Mitglied bei RB zu werden ist nicht möglich. Im Zuge der Lizenzauflagen hat Red Bull eine sogenannte Fördermitgliedschaft eingereicht, die zwar nicht zu einer Wahlberechtigung bestimmt, aber andere „Vorteile“ bringen soll und in Bronze (100€), Silber (500€) und Gold (1000€) erhältlich ist. Ab einer Silber-„Mitgliedschaft“ erhält man ein Vorkaufsrecht auf Spiele – jedoch nur auf Top-Spiele.

Wir fordern vom DFB und von der DFL einen kritischeren Umgang mit RB Leipzig. Red Bull hat angekündigt mehr als 100 Millionen € in den nächsten drei Jahren zu investieren – ca. 30 Millionen € davon allein in ein Nachwuchsleistungszentrum. Red Bull schafft sich damit ein fußballerisches Imperium, das Mitkonkurrenten aus Aue, Dresden usw. noch weiter ins fußballerische und finanzielle Abseits drängen wird.

Auch fordern wir, dass Umgehungen und Verstöße seitens Red Bull gegen geltende DFB- und DFL-Regularien nicht folgenlos bleiben dürfen. In den letzten Jahren scheiterten viele Traditionsvereine aus finanziellen Gründen an den Lizenzierungsbedingungen des DFB bzw. der DFL. Bezüglich des Lizenzierungsverfahrens von RB Leipzig bekommen wir den Eindruck, dass mit einem anderen Maß gemessen wurde.

Wir fodern daher auch die vielen Traditionsvereine auf, RB Leipzig nicht zu akzeptieren. Eine Isolation dieses Vereins muss stattfinden, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Nein zu RB – 22. Oktober 2014