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Hintergründe

„In 100 Jahren haben wir die gleiche Tradition!“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 26. März 2014
Leipzig, Fans Quelle: Jeronimo Ort

RasenBallsport Leipzig ist der derzeit wohl kontroverseste Verein im deutschen Fußball. In der bundesweiten Fanszene lehnt eine breite Mehrheit das durch den österreichischen Kraftbrause-Hersteller hochgepäppelte Projekt konsequent ab. Dennoch begeistert der designierte Zweitligist zumindest in seiner Heimatstadt viele der leidgeprüften Leipziger Fußballanhänger. Das Gastspiel von RB Leipzig in Duisburg haben wir genutzt, um mit einer Gruppe von Leipziger Fans zu sprechen, die zwar anonym bleiben wollten, mit uns aber offen über ihre Motive, Politik und Gewalt sprachen.

Stellt euch mal vor!
Wir sind Mitglieder beim Bulls Club, dem größten Fanclub des RB Leipzig. Wir kommen alle aus Leipzig und Umgebung und gehen seit drei Jahren regelmäßig zu RB.

Wie wird man überhaupt Fan von – ausgerechnet – RB Leipzig?
Schon seit vielen Jahren schwächelt der Fußball in Leipzig. Doch plötzlich ist mit Red Bull ein Geldgeber gekommen, der mit RB einen sportlich erfolgreichen Fußballclub aufbauen möchte. Uns geht es um guten Fußball. Wir können uns nicht mit Gewalt bei anderen Verein identifizieren. Hier bei RB kannst du problemlos mit deinem Sohn zum Fußball gehen, ohne Angst vor Krawall haben zu müssen.

Seid ihr denn schon vor der Gründung von RB Leipzig Fans von anderen (Leipziger) Fußballvereinen gewesen?
Ja, damals waren wir bei verschiedenen kleinen Fußballvereinen in der Leipziger Umgebung. Nur wenige von uns sind vorher zu Chemie, Sachsen oder Lokomotive Leipzig gegangen. Die Vereine waren sportlich nicht erfolgreich. Außerdem gehen wir ins Stadion, um guten Fußball zu sehen. Wenn wir damals Karten bekommen haben, sind wir dafür durch ganz Deutschland gefahren. Nun haben wir in Leipzig die Chance, einen Fußballverein zu bekommen, der im Gegensatz zu anderen Leipziger Vereinen erfolgreich Fußball spielt. Keiner von uns geht hier ins Stadion, um politische Parolen zu äußern oder um Krawall zu machen. Wir wollen den sportlichen Wettkampf, und nach dem Spiel gehen wir auch mit den Fans der Gegner ein, zwei Bierchen trinken. Das macht RB Leipzig zu einem besonderen Verein.

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Wie unterscheidet sich die Fanszene des RB Leipzig von anderen?
Wir haben keine Ultras. Und wir haben keine Krawallmacher, die nur zu spielen fahren, um sich mit anderen “Fans” zu prügeln. Bei uns ist jeder willkommen. Egal, ob jung oder alt, ob Mann oder Frau. Du kannst zu uns in die Kurve kommen, ohne dumm angequatscht zu werden. Hier wird niemand diskriminiert.

Die Fanszenen in Deutschland kritisieren RB Leipzig praktisch unisono. Könnt ihr die Argumente gegen den großen Sponsor im Rücken nachvollziehen?
Wir möchten einfach nur schönen Fußball sehen. Wir kommen nicht, weil Red Bull unseren Verein unterstützt. Jeder Verein hat finanzielle Unterstützer, egal ob Schalke, Bayern oder sonst wer. Kein Verein kann heutzutage ohne finanzielle Unterstützung erfolgreich Fußball spielen. Nur mit Tradition und Fans alleine kann ein Fußballverein heutzutage nicht viel erreichen. In 100 Jahren haben wir die gleiche Tradition wie ein Großteil der Fußballvereine heute. Die Besonderheit bei RB ist, dass wir von der Pike auf alles mitverfolgen. Wir haben in der fünften Liga angefangen und arbeiten uns langsam hoch. Es ist schon was Besonderes, diesen sportlichen Aufstieg mitzuerleben.

Was würdet ihr machen, wenn der Erfolg irgendwann auf der Strecke bleibt?
Wir würden weiterhin zu RB gehen. Andere Vereine mit Geldgebern, wie zum Beispiel die TSG Hoffenheim oder die Werksvereine aus Leverkusen und Wolfsburg, haben es aber auch geschafft.

Wie fühlt es sich an, wenn Spieltag für Spieltag die Fans der gegnerischen Mannschaft das “Produkt” RB Leipzig kritisieren? Bestärkt einen diese Position als Fan eines Klubs, den eigentlich keiner mag?
Wir sehen das relativ locker. Uns interessiert das nicht, wenn Anhänger der Gegner protestieren.

Pflegen Sie ihrerseits besondere Rivalitäten? Wie ist zum Beispiel das Verhältnis zum Lokalrivalen Lok Leipzig?
Nein, bei uns gibt es keine Rivalitäten. Wir gehen zum Fußball, um Spaß zu haben, nicht um uns mit anderen Fans anzulegen. Wir gönnen auch anderen Vereinen den Erfolg. Trotzdem sind wir Fans von RB, weil Politik und Gewalt hier, anders als bei Lok, keine Rolle spielt! Wir sind gegen keine Mannschaft. Bei uns zählt der sportliche Wettkampf. Und wir freuen uns, wenn wir mit anderen vernünftigen Fußballfans ein Bierchen trinken gehen können, ohne dass wir uns die Köpfe einschlagen.