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Hintergründe

Im Hintergrund ein Fackelmeer

Autor: Moritz Gutscher Veröffentlicht: 13. Februar 2015
Quelle: imago

Bei griechischen Derbys geht es regelmäßig zur Sache. Die Rivalität zwischen PAOK Saloniki und Olympiakos Piräus ist die vielleicht giftigste im Land. Ein paar Tage nach dem letzten schwarz-roten Duell widmen wir uns den einzigartigen Hintergründen des mediterranen Hass-Gipfels.

Kulturelle Gründe sorgen für eine langjährige Feindschaft zwischen den beiden Städten. Thessaloniki steht als Hauptstadt und wichtigster Ort der Region Makedonien in einer Art Konkurrenzverhältnis zu Piräus, der historischen Hafengemeinde der griechischen Hauptstadt Athen. Dabei wird Piräus unabhängig vom Fußball unterstellt, regelmäßig von der Regierung bevorzugt zu werden. Ein Vorwurf, der durch die „P.O.K.“ genannte Kartellbildung unter Athener Fußballklubs weiter befeuert wurde.

Einen Höhepunkt der Rivalität markiert der gescheiterte Wechsel von Giorgos Koudas, der 1966 kurz vor dem Transfer von PAOK zu Piräus stand, dann aber durch die griechische Militärdiktatur zum Bleiben gezwungen wurde. Bizarr: Koudas nahm an einigen Freundschaftsspielen und am Training teil, trug das Trikot des Erzrivalen. Die Umstände dieses Beinahe-Wechsels erhöhten die gegenseitige Feindseligkeit der Fans beider Lager. Piräus, deren Fans in Anlehnung an die maritime Herkunft „Sardellen“ genannt werden, avancierte mit der Zeit zum griechischen Rekordmeister.

Doch trotz der sportlichen Überlegenheit fiel es Olympiakos in den Folgejahren schwer, im beispiellosen Hexenkessel von Saloniki  zu bestehen: Zwischen 1967 und 1997 gewann man auswärts lediglich zwei Spiele. Fans von Saloniki sahen sich zudem regelmäßig vom Unparteiischen benachteiligt, ihr Unmut mündete in mehreren Protestaktionen, teilweise von Ausschreitungen begleitet. In den letzten zehn Jahren flogen immerhin 15 Spieler vom Platz.

Noch vor Anpfiff des 142. Derbys am vergangenen Sonntag lieferten sich PAOK-Fans Gefechte mit der Polizei. Diese setzte Tränengas ein, das bis in das Stadion drang. Spieler der Gäste-Mannschaft wurden beim Einlaufen mit Fackeln und anderen Gegenständen beworfen, außerhalb der Spielstätte kam es zu Sachbeschädigungen und Verhaftungen. Dennoch konnte das Spiel fast pünktlich angepfiffen werden, was nicht immer selbstverständlich ist. Zuletzt verzögerte sich der Spielbeginn beim letztjährigen Aufeinandertreffen im Pokalhalbfinale um über eine Stunde. Der Grund: Ein PAOK-Fan hatte die Ersatzbank der Gäste mit Hunderten toten Sardellen gespickt.

Vor dem Hintergrund dieser Vergangenheit ist die extrem aufgeheizte Atmosphäre im Toumba Stadion, Saloniki, keine Überraschung. Jahr für Jahr sorgen die Fans des „Zweiköpfigen Adlers aus dem Norden“ für beeindruckende und zugleich befremdliche Bilder von ausufernden Pyro-Choreografien. Das Stadion, welches aus Sicherheitsgründen nur knapp 28.000 anstelle der ursprünglich 45.000 Zuschauern Platz bietet, verwandelt sich für kurze Zeit in ein rotes Fackelmeer.