Anzeige

National

„Ich beobachte, dass es noch schlimmer wird“

Autor: Moritz Gutscher Veröffentlicht: 12. Mai 2014
Quelle: imago

Das Coming-Out von Thomas Hitzlsperger im Frühjahr hat medial sehr hohe Wellen geschlagen (außer im Kicker). Erwartungsgemäß ist die Aufmerksamkeit für das Thema „Homosexualität und Fußball“ danach stark abgeebbt. Nun wird mit Unterstützung des DFB ein Film produziert, der den Alltag eines homosexuellen Fußballers thematisiert, mit den verbundenen Problemen und Herausforderungen. Das Skript von „Zwei Gesichter“ orientiert sich unter anderem an den Erfahrungen eines schwulen Nachwuchsspielers.

Anzeige

Anlässlich der fortschreitenden Dreharbeiten führte der Spieler, dessen voller Name noch nicht genannt werden soll, ein Interview mit der Deutschen Welle. „Noch“, weil ein Coming-Out durchaus kein Tabu ist, allerdings erst mit seinem zukünftigen Verein abgesprochen werden soll. Seine Eindrücke sind ernüchternd: „Nach dem Outing von Thomas Hitzlsperger hatte man erhofft, dass es da eine Wendung gibt. Aber ich beobachte, dass es noch schlimmer wird. […] man muss unterscheiden zwischen den Medien und auf dem Platz. Mein Gefühl als homosexueller Spieler ist, dass durch das Outing von Hitzlsperger die rechte Szene nochmal angefeuert wurde.“

Der geplante Film soll Jugendlichen zeigen, dass im Fußball nicht die Sexualität entscheidend ist. Eine Erfahrung, die auch das reale Vorbild der Rolle selbst machen musste. Nach dessen unfreiwilligem Outing im Kreise der damaligen Mannschaft „war für mich meine Karriere gedanklich vorbei.“ Er hat es trotzdem geschafft, steht vor seinem Einzug ins Profi-Geschäft.

Eine pauschale Empfehlung zum Coming-Out gibt er dagegen nicht. „Für mich ist es der bessere Weg, das offen zu leben. […] Das muss jeder persönlich für sich entscheiden.“