Anzeige

National

HSV-Fans gehen gegen den DFB auf die Straße

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 10. August 2017
Quelle: imago

Immer mehr Fanszenen in Deutschland haben sich den Protest gegen den Deutschen Fußballbund auf die Fahnen geschrieben. Unter dem Motto „Freiheit für Fans“ wollen nun die Fans des Hamburger SV vor ihrem Pokalspiel beim VfL Osnabrück am Sonntag gegen den Verband demonstrieren. 

Nachfolgend der Aufruf der Nordtribüne Hamburg im Wortlaut: 

Wir rufen zu der Demonstration „Freiheit für Fans“ am kommenden Sonntag in Osnabrück auf.

Für unseren Fußball:

Der DFB und die DFL treiben eine Entwicklung voran, in der aalglatte und reibungslose Abläufe der Spieltage für Marketingzwecke und damit Geldeinnahmen immer wichtiger werden. Unklar ist noch bisher, ob die Sport-Events aus den USA oder die englische Premier League Pate stehen sollen. Klar ist, auf die Interessen der Fans vor Ort wird dabei keine Rücksicht genommen. Dies betrifft nicht nur die aktive auswärts fahrenden Fans, sondern schon der Besuch von Heimspielen ist durch die an den Interessen der TV-Vermarktung orientierten Anstoßzeiten und Eintrittspreise, die weit weg von Sozialverträglichkeit sind, mit erheblichen finanziellen und planerischen Anstrengungen verbunden, vielen Fans dadurch sogar unmöglich.

Diese Entwicklung soll angeblich dem Fußball als Ganzem zu Gute kommen und zu einem attraktiveren Sport führen. Tatsächlich führt diese Spirale der Kommerzialisierung nur zu einer Verfestigung der Vormachtstellung der derzeit erfolgreichsten Vereine und spült große Summen nicht ordentlich versteuerter Gelder in die Taschen von Funktionären und Verbänden.

Die Fanszenen sind derzeit in diesem Zirkus noch als Klatschaffen geduldet, die das Produkt stimmungsvoll untermalen dürfen. Als kritisches, selbstbewusstes und mündiges Element sind die Fans dagegen nicht gewünscht.

 

Für unsere Rechte:

Der DFB schwingt sich durch seine „Gerichtsbarkeit“ zum Unrechtsstaat im Staate auf. Grundlegende Prinzipien unseres Grundgesetzes wie das Schuldprinzip oder die Unschuldsvermutung sind für den Verband belanglos. Der DFB ist Kläger, Richter und Henker.

Dabei maßt sich der Verband an, über Fans individuell durch den Kniff der Weitergabe der Verbandsstrafe zu richten. Ein eindrucksvolleres Beispiel von Paralleljustiz wird man in einem vergleichbaren Rechtsstaat kaum finden.

Anzeige

Weiterhin bedient er sich des Mittels der Kollektivstrafe. Das Kalkül dieser Strafen ist durchschaubar. Sie dienen dazu die Fans zu spalten und somit das Entstehen einer kritischen Masse gegenüber den Verbänden zu verhindern.

Dass es der illegitimen Gerichtsbarkeit des DFB nicht um Sicherheit geht, wurde uns HSV-Fans deutlich vor Augen geführt, als es unter den Augen der Polizei zu einem Gewaltexzess des Ordnungsdienstes von Red Bull kam (die Fanhilfe berichtete). Der DFB war nicht motiviert, sich einzuschalten. Zur Bestrafung ganzer Tribünen hingegen reichen schon Banner oder Gesänge, die in den Augen des DFB „unsportlich“ sind. Beleidigend im Sinne des deutschen Strafrechts müssen diese mitnichten sein. Nicht auszudenken, wenn die Meinungsfreiheit das Kalkül der Verbände einfach so durchkreuzen könnte…

Kollektivmaßnahmen sind jedoch nicht allein die Spezialität des DFB. Seit Längerem werden schon bei (angeblichen) Verfehlungen Einzelner unter dem Vorwand der Gefahrenabwehr einer Vielzahl von Fans der Stadionbesuch verwehrt. Dabei muss es sich keineswegs um geschlossene Gruppen handeln. Wir erinnern uns: Auf dem Anreiseweg vieler HSV-Fans nach Wolfsburg vergangene Saison hat eine Butterbirne kurz vor Hannover die Notbremse gezogen und ein anderer Dummkopf an der Technik des Zuges herum gespielt.

Konsequenz des Ganzen: Deutlich später wurden alle HSV-Fans – egal, ob sie mit dem Zug aus Hamburg kamen oder nicht – an einem anderen Gleis gekesselt, stundenlang überprüft und zurückgeschickt. Inwiefern die Person, die die Notbremse zog, aus der Masse der 300 Fans herausgefiltert werden sollte, bleibt Geheimnis der Polizei. Solche Vorfälle sind leider nicht die Ausnahme, sondern finden immer öfter statt und betreffen alle Fanszenen.

Dass die Polizei es gutheißt, dass der DFB auf Firlefanz wie rechtsstaatliche Prinzipien verzichtet, wird deutlich, wenn die Polizei ständig und in hoher Anzahl Stadionverbote auf Verdacht beim DFB anregt, denen seitens des Verbandes gerne entsprochen wird.

Und in den Augen der Polizei sind wir Fans oft verdächtig. Reist man individuell an, gilt dies als konspirativ und somit verdächtig. Polizeiliche Maßnahmen bis hin zur Verwehrung des Stadionbesuchs sind dann fast ein Automatismus. Machen wir wie gegen Osnabrück unsere Pläne transparent, werden wir verdächtigt, die ganze Stadt in Schutt und Asche legen zu wollen, sodass direkt ein bunter Strauß von Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen seitens der Polizei in Aussicht gestellt wird.

 

Für unsere Freiheit:

Die Schlinge von Verbänden und Sicherheitsorganen zieht sich enger um unsere Freiheiten als Fußballfans. Es ist gut möglich, dass der Kampf um die Wiedererlangung und den Erhalt unserer Freiheiten nicht erfolgreich sein wird. Doch gerade deswegen ist es wichtig diesen Kampf anzunehmen und so lange es uns möglich ist mit vereinten Kräften fortzuführen. Wir werden zeigen, dass wir mehr sind als Klatschaffen und Sicherheitsrisiko. Wir werden zeigen, dass Fußball mehr ist als ein Marketingprodukt.

Der Auftakt hierzu wird unsere Demonstration in Osnabrück sein. Kommt also alle!

 

Sie findet am Sonntag vor unserem Pokalspiel statt, genaue Zeit und Ort folgen in Kürze.

Schreibe einen Kommentar