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Hintergründe

„Hier ist Fußball noch ein Stück weit wie er sein sollte“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 06. Dezember 2014

Apropos: Der Verein ist als Thekenverein gegründet worden. Was ist von diesem „Spirit“ heute noch zu spüren?
Als gestandener Württemberger ist man dem deutschen Grundnahrungsmittel Bier sicherlich nicht abgeneigt. Nicht selten kommt es vor, dass man mal mit dem Vorstand ein Hefeweizen konsumiert, während man sich über dies und jenes unterhält. Gerade dieses ungezwungene, persönliche Verhältnis wird bei uns als auch bei der SG groß geschrieben. Viele Tätigkeiten laufen noch über das Ehrenamt, was von den gestandenen Ordnern über die Jugendabteilung usw. pflichtbewusst und liebevoll ausgeübt wird. Die Zeiten, in denen die Mannschaft die Nacht durchfeierte und mit einem ordentlichen Restalkohol in der Freizeitliga umherkickte, sind definitiv vorbei, aber der Zusammenhalt im Verein und die Identifikation mit demselbigen ist auch bei den Funktionären hoch.

Hat sich seit dem Aufstieg in die 3. Liga und damit ins Profigeschäft viel verändert?
Es fanden ein paar neue Gesichter den Weg in den A-Block, die es nun an sich zu binden gilt. Bei jedem größeren Spiel lugen uns stets die SKBs über die Schulter und fragen auch mal unbekümmert, was denn nach dem Spiel noch so ginge – ein absolut nerviger Personenkreis. Sogar beim Pokalspiel in Freiberg (Oberligist ohne organisierte Fanszene) waren zwei von denen zu unserer Beobachtung angesetzt. Dass fast jeden zweiten Samstag ein ehemaliger Bundesligist oder DDR-Meister mit entsprechendem Anhang vorbeischaut, ist definitiv ein Novum, woran wir uns noch nicht ganz gewöhnt haben. Es ist schon schade, nur bei Spielen gegen Mainz und Stuttgart II die Stimmungshoheit zu haben und auch da ist der Support mehr schlecht als recht. Wir stehen auch viel häufiger im medialen Rampenlicht, sei es als Fans wie in Bielefeld oder als Verein beim Spiel gegen Dresden, wo sich in den sozialen Netzwerken die mitgereisten Sachsen in Lobeshymnen überschlugen. Definitiv totales Neuland für uns, aber bisher können wir uns nicht beklagen. Ein eher unangenehmerer Punkt für uns, die wir sehr viele Freiheiten gewohnt waren, sind Einschränkungen beim Tifomaterial (Gruß an den Ordnungsdienst in Unterhaching) und was uns als Thekenverein wie die Hölle vorkommt, in fast keinem Gästeblock wird normales, nicht-alkoholfreies Bier ausgeschenkt. Für den ein oder anderen Leser bestimmt trauriger Alltag, für uns steter Grund zur Empörung.

„RB hat im Fußball nichts verloren“

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Fans der SG Sonnenhof Großaspach haben im Sommer für Aufsehen gesorgt, weil sie sich für einen Testspiel-Boykott gegen RB Leipzig eingesetzt haben. Wie steht ihr dazu? Seht ihr euch als kleiner Verein dennoch in der Position, Kritik etwa an RB Leipzig zu äußern?
RB hat im Fußball nichts verloren. Und im Rahmen unser Möglichkeiten setzen wir uns auch dafür an, dass diesem Konstrukt ein Mindestmaß an Kritik und Ablehnung entgegen gebracht wird. Das hat nichts mit der Größe unseres Vereines zu tun, das ist in unseren Augen normalster Fanverstand, dass man sich gegen dieses Unding mit Händen und Füßen wehrt.

Wie steht ihr zu den Vorwürfen, dass strukturelle Parallelen zwischen eurem Verein und dem Hopp-Klub Hoffenheim bestünden?
Dieses vermeintliche Abtun der SG als weiteres Konstrukt und Retortenverein war auch bei unseren – späteren – Freunden, dem EFC Kraichgauadler, zunächst präsent. Sobald man sich jedoch mit den Strukturen und Gegebenheiten bei uns beschäftigt, wird einem bewusst, dass wir ein recht bodenständiger Verein sind. Wir verweisen hier auf die Stellungnahme auf unserer Website, da eine ausführliche Erläuterung den Rahmen sprengen würde.

Habt ihr Träume mit eurem Verein oder muss man anerkennen, dass die 3. Liga das Höchste der Gefühle ist und geht es euch eher darum, euch regelmäßig beim Fußball zu treffen, als große Erfolge mit dem Verein einzufahren?
Die dritte Liga ist uns fantechnisch zweifellos vier Nummern zu groß. Die Ansichten zu diesem Thema differieren in unserer Gruppe weit auseinander. Während der eine zu recht sagt, niemand wisse, was in fünf Jahren ist, genügt es mir vollkommen, schönen Fußball zu sehen, neue Stadien kennen zu lernen, große Szenen begrüßen zu dürfen und viel Spaß mit der Gruppe zu haben. Mehr wage ich gar nicht zu erwarten.

Darum ist die SG Sonnenhof Großaspach der geilste Klub der Welt…
… weil unser Gästeblock doppelt so groß ist wie der Heimblock. Wo bitte gibt es das sonst auf der Welt bzw. im Profifußball?