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Hintergründe

„Hier ist Fußball noch ein Stück weit wie er sein sollte“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 06. Dezember 2014

Projekt Waldameise – was hat es mit eurem Namen auf sich?
Spontan wie wir manchmal sind, wurde 2008 blind eine Zeitung aufgeschlagen, irgendwo hingetippt und das war eben ein Naturschutzprojekt mit dem Namen „Projekt Waldameise“. Glück hatten wir trotzdem, denn der Artikel daneben bewarb ein bekanntes Abführmittel.

Würdet ihr euch als Ultras oder als Ultra-nahe Gruppe bezeichnen?
Es gab in der Saison 2012/2013 den Versuch von zwei, drei Jugendlichen, welche von der Ultrakultur fasziniert waren – wer ist das nicht? – durch die Gruppe „UltrAspach“ so etwas zu etablieren, jedoch war das, ähnlich wie bei anderen Vereinen, bei denen meistens nur eine Phase. Einer von den damaligen Jungs fährt immer noch aktiv mit, ist ein wichtiger Teil der Gruppe geworden und sieht sich selber (wie ein paar weitere Einzelpersonen) als ultraorientiert, mehr aber nicht. Ultra konsequent zu leben wäre gemessen an unserer aktuellen Stärke fünf Nummern zu viel. Ultranah können wir nur vage beantworten. Schwenkfahnen, Trommeln und ein Vorsänger sind bei uns etabliert und nicht wegzudenken, jedoch fahren wir beim Thema Gesängen und Organisation eher eine lockere Oldschool-Linie. Choreos sind für uns eher Neuland, unsere Folienbahnen zum 20-jährigen Vereinsgeburtstag waren ein echter Meilenstein für uns und ein richtiges Mammutprojekt, da niemand von uns mit der Planung einer solchen Nummer Erfahrungen hatte, weder bei Location, Beschaffung, Finanzierung und so weiter. Spaß gemacht hat es auf alle Fälle, sodass wir eine gesunde Mischung aus Oldschool und ultraorientiert darstellen könnten.

„Dresdner Normalos wollten eine Fanfreundschaft, was wir aber als schlicht unrealistisch einschätzen“

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Pflegt ihr ihrgendwelche Fanfreundschaften?
Die einzige offizielle Freundschaft verbindet uns seit dem 15. April 2012 mit dem EFC Kraichgauadler (Eintracht Frankfurt). Wir haben schon vor Langem aufgehört zu zählen, wann ein Adler mit uns im A-Block feierte oder mit uns quer durch die Republik kreiste. Auch stehen sie uns stets mit Rat und Tat zur Seite, besonders hervorheben möchte ich die Fahrten nach Wolfsburg und Rostock, die es so ohne die Unterstützung der KGA nicht gegeben hätte. Lose, freundschaftliche Kontakte, aber keine offzielle Fanfreundschaft bestehen zum A-Block Zweibrücken (Regionalliga Südwest) und den Blue White Supporters Ravensburg (Oberliga Baden-Württemberg). Kurios: Seit dem Dynamo-Dresden-Spiel wird aus dem Netz von Dresdner Normalos eine Fanfreundschaft zu uns gefordert, was wir aber als schlicht unrealistisch einschätzen.

Und mit wem liegt ihr im Clinch?
Eine gewisse Anspannung herrscht mit den Stuttgarter Kickers. Wenn es für uns ein Derby gibt, dann ist es das. Die Gründe hierfür sind vielfältig, angefangen mit der starken VfB-Lastigkeit in der Region, aufgrund derer niemand die Kickers besonders mag, über diverse Vorfälle abseits der Spieltage und dann der Kampf um den Aufstieg in der Saison 2011/2012.

„Wir haben vielleicht drei aus der Kategorie C und fünf der Kategorie B,
der Rest hat nur zuviel Alkohol intus“

Hattet ihr schon mal mit dem Thema Gewalt zu tun und wie steht ihr dazu?
Zu Regionalligazeiten war es eben nicht so wie in der Bundesliga, wo man als Jungspund unbeschwert pöbeln kann. Denn zwischen ihm und dem Gegenüber sind erstmal Zäune, Massen an Ordnern, Cops und zu guter Letzt drängen sich je nach Szene 100-500 Leute vor einen, die am Schlagabtausch interessiert sind. In der Regionalliga wurden für uns paar Hansel meistens die Gästeblöcke nicht geöffnet, sodass wir auf der Gegengerade unser Programm durchziehen mussten, Polizei war bei den meisten Spielen eh nicht präsent. Das kann einem schonmal ein mulmiges Gefühl verpassen, wenn man zu zweit in Mannheim steht, 2.000 Zuschauer einem die Pest an den Hals wünschen, die Hools die Spieler vom Zaun bepöbeln und so weiter. Wir wurden öfter mal in gewisse Situationen verwickelt, am heftigsten waren wohl ohne Zweifel das WFV-Pokalspiel 2012 gegen die Kickers, als drei Burschen im besten Schwabenalter den vollen Kickers-Shuttlebus stürmten und gleich von den Cops eingesackt wurden, die zwei Auswärtsspiele in Homburg 2012, wo wir beim ersten mit 50 Mann einen Corteo durch Homburg durchzogen und im Stadion zur gemeinsamen Turnübung auf dem Zaun geladen wurde. Anschließend gab es unter den Augen der von den ursprünglich zwei Landesbeamten im Stadion panisch herbeigerufenen BFE-Einheit ein Zehn-gegen-Zehn auf dem Parkplatz, welches unentschieden endete und für uns zum Glück keine Konsequenzen hatte. Im Rückspiel fing Homburg uns mit 30 Mann am Bahnhof ab und jagte uns durch die komplette Stadt. Das Thema Gewalt spielt bei uns eine sehr untergeordnete Rolle, wir schauen von Spiel zu Spiel, dass wir überhaupt eine Fahrt anbieten können und dass sie auch angenommen wird, da bleibt nicht viel Zeit für so etwas. Laut Polizei haben wir jedoch dreizehn Kategorie-B- und fünf Kategorie-C-Fans, was wir uns aber zum größtenteil nur deswegen erklären können, dass die Herren SKB mal unsere Auftritte gefilmt haben und dann alle, die mal „Scheiß Kickers“ gebrüllt haben als B einstufen. Wir haben vielleicht drei aus der Kategorie C und fünf der Kategorie B, der Rest hat nur zuviel Alkohol intus.

Auf Seite 3: Wie viel Thekenverein noch in der SG Sonnenhof Großaspach steckt und was die SG von der TSG Hoffenheim unterscheidet.