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Hannover-Fans wollen Kind an Übernahme hindern

Autor: fanzeit Veröffentlicht: 03. August 2017
Quelle: imago

Bei der geplanten Übernahme von Hannover 96 durch Martin Kind scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen. Dem Klub droht ein langer Rechtsstreit. 

Wie die Initiative Pro Verein 1986 mitteilt, hat Aufsichtsratsmitglied Ralf Nestler beim Landgericht Hannover eine einstweilige Verfügung beantragt. Diese soll die Einhaltung und Umsetzung der mit großer Mehrheit von den Mitgliedern gefassten Beschlüsse ermöglichen und bis zur Entscheidung der Mitglieder auch einen voreiligen Antrag Kinds bei der DFL verhindern.

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Auf der letzen Mitgliederversammlung hatten die Vereinsmitglieder mit einer Mehrheit von 75 Prozent beschlossen, dass der Vorstand um Kind vor der Stellung eines Ausnahmeantrags von der 50+1-Regel bei der DFL die Vereinsmitglieder nicht nur detailliert informieren, sondern überhaupt über die Stellung eines Übernahmeantrages entscheiden lassen muss. Martin Kind hingegen sieht diesen Beschluss nach eigenen Aussagen lediglich als Empfehlung an und will sich darüber hinwegsetzen.

Darüber hinaus sorgt der Kaufpreis von 12.750 Euro für 51 Prozent der Anteile an der Hannover 96 Management GmbH für Diskussionen. Nestler hat diesbezüglich beim ehemaligen DFL-Geschäftsführer für Finanzen und Lizenzierung, Christian Müller, ein zwanzig Seiten starkes Gutachten erstellen lassen.

In diesem sieht der beauftragte Sachverständige einen mindestens zwei-, eher dreistelligen Millionenbetrag als wertäquivalent an, also mindestens das tausendfache des tatstächlichen Kaufpreises. Wie Pro Verein öffentlich macht, hatten auch die anderen Aufsichtsräte sowie der Vorstand Kenntnis von dieser enormen Differenz. Dennoch stimmten sie mit drei zu zwei Stimmen für den Verkauf. Die Initiative fragt daher:

  • Auf welcher gutachterlichen Grundlage bzw. Bewertung erfolgte die Kaufpreisbemessung der Anteile?
  • Liegt überhaupt ein Gutachten vor?
  • Wer hat den Vorstand und den Aufsichtsrat beraten?
  • Warum wurde trotz Vorlage des Gutachtens in der Sitzung durch Herrn Schmidt, Herrn Beck und Frau von Lintel die Sitzung nicht vertagt und ggf. ein weiteres Gutachten eingeholt, wenn doch offenkundig war, dass der Wert 12.750 mehr als zweifelhaft war?
  • Wie haben die einzelnen Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates ihre Vermögensbetreuungspflicht wahrgenommen?

Am heutigen Donnerstag ist ein Treffen zwischen den Vorstandsmitgliedern Martin Kind und Jürgen Diedrich mit dem überwiegend Kind-kritischen Fanbeirat von Hannover 96 angesetzt. „Miteinander sprechen ist im­mer gut“, erklärte Kind auf einer Pressekonferenz. „Wir wissen, dass wir Fehler gemacht haben.“ Kind gibt zu, „nicht erkannt zu haben, welche Wissendefizite und Informationslücken bestehen. Wir wollen daran arbeiten, dass wir umfassender und regelmäßiger informieren.“