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National

Hannover-Fans stundenlang in Bus festgehalten

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 24. September 2014
Quelle: imago

Rund um das Regionalliga-Derby zwischen Eintracht Braunschweig II und der Hannover-96-Reserve stellte die Polizei insgesamt 121 Anzeigen wegen Landfriedensbruchs, Sachbeschädigung, Sprengstoffgesetz und Körperverletzung. Neben dem Vorstoß einiger Braunschweiger Anhänger, die versuchten, zum Hannoveraner Block vorzudringen, was eine rund 20-minütige Unterbrechung des Spiels nach sich zog, sorgt vor allem ein Zwischenfall mit einem Fanbus für Diskussionen. 

Nachdem der letzte Shuttlebus auf dem Weg zum Stadion offenbar eine falsche Abfahrt genommen hatte, blieb das Fahrzeug laut Polizeiangaben auf offener Strecke stehen. „Es wurden zwei Polenböller rausgeworfen, die Türen aufgerissen und Hannoveraner Fans strömten auf die Fahrbahn, woraufhin die Autobahn gesperrt werden musste“, berichtet Polizeisprecher Joachim Grande gegenüber fanzeit. Polizisten seien mit Flaschen und Dosen attackiert worden und die Fans hätten sich geweigert, die Fahrbahn zu verlassen. Daraufhin hätten sich die Beamten zunächst mit dem Einsatz von Reizgas gewehrt und anschließend dazu entschlossen, die Identität sämtlicher Personen festzustellen.

Für die 96-Anhänger bedeutete das nicht weniger als knappe sechs Stunden Aufenthalt im Bus. Erst um 22 Uhr beendeten die Beamten die Aktion und gaben auch die Autobahn wieder frei. Grande begründet den Umfang auch damit, „dass die Hannoveraner überhaupt nicht kooperativ“ gewesen seien. Gegen 112 Personen, deren Identität festgestellt worden ist, sind Strafanzeigen wegen Landfriedensbruchs, respektive schweren Landfriedensbruchs gestellt worden.

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Im Stadionumfeld habe die Polizei zudem eine Versammlung von etwa 250 96-Fans vor einem Kaufhaus verhindern müssen, da diese von dort aus einen gemeinsamen Marsch zum Stadion geplant hätten, der auch an Braunschweiger Anhängern vorbeigeführt hätte. Dabei sei es ebenso zu kleineren Auseinandersetzungen, Flaschen- und Dosenwürfen auf die Polizei gekommen sein wie beim Vorstoß der Braunschweiger Anhänger im Stadion.

Im Internet prangern viele Hannoveraner Fans das Ausmaß der Busüberprüfung als unverhältnismäßig an. Das Öffnen der Türen sei vielmehr eine Konsequenz daraus gewesen, dass die Polizei die Anhänger ohne Informationen im Bus habe ausharren lassen, sogar nachdem sie bereits Reizgas im Fahrzeug versprüht hätten. Nachdem der Bus seine Fahrt gegen 22 Uhr fortsetzen durfte, kamen die Fans gegen 23.30 Uhr in Hannover an. Eskortiert von einigen Polizeiwagen, versteht sich.

Gewerkschaft der Polizei fordert Stadionverbot für ganze Gruppen

Auch die Gewerkschaft der Polizei Niedersachsen hat sich bereits zu dem Vorfall zu Wort gemeldet. Sie verurteile das Verhalten der Fußball-Chaoten beider Seiten scharf. „Gegen diese Anti-Fußball-Fans muss nun rasch ermittelt und konsequent gehandelt werden“, fordert der GdP-Landesvorsitzende Dietmar Schilff: „Es müssen spürbare Maßnahmen auch von Seiten der Vereine verhängt werden. Dabei muss auch über bundesweite Stadionverbote in allen Ligen geredet werden. Und wenn sich herausstellt, dass es sich nicht um Einzeltäter, sondern um Vorgehensweisen gesamter Gruppierungen gehandelt haben sollte, so müssen die Stadionverbote diese Personengruppen in ihrer Gesamtheit treffen“, betont Schilff. Dies sei besonders im Sinne des friedlichen Fußballs sowie der eingesetzten Polizeikräfte wichtig, sagt Schilff, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender der GdP ist.