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Hannover-Fan siegt vor Gericht gegen seinen Verein

Autor: Florian Nussdorfer Veröffentlicht: 09. April 2015
Quelle: imago

Die verpflichtende Anreise per Bus zum Derby bei Eintracht Braunschweig war einer der Auslöser, der zum Bruch zwischen Hannover 96 und weiten Teilen der aktiven Fanszene führte. Einige Anhänger zogen sogar gegen ihren eigenen Verein vor Gericht – und bekamen Recht. Einem weiteren 96-Fan wurde nun vom Amtsgericht Hannover Schmerzensgeld zugesprochen.

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Weil der Verein es versäumte, ausreichend Reisebusse für die Fahrt zur Verfügung zu stellen, wurden zahlreiche Linienbusse für die Anreise nach Braunschweig eingesetzt. „Abgesehen von fehlenden Gurten (was u.a. zu einer geringen Reisegeschwindigkeit führte) haben diese Busse bekanntlich keine Toilette“, berichtet die Fanhilfe Hannover. „Das wäre kein Problem gewesen, wenn die Busse zwischendurch eine Pause gemacht hätten – seitens des Veranstalters Hannover 96 war dies allerdings nicht vorgesehen und so mussten die Fahrgäste teilweise zwei Stunden ohne Toilette auskommen. Die daraus entstehenden Schmerzen können sich die meisten Auswärtsfahrer vermutlich vorstellen.“

Vor diesem Hintergrund forderte ein 96-Fan die Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG zur Zahlung von Schadensersatz in Form von Schmerzensgeld auf. Weil eine außergerichtliche Einigung scheiterte, ging die Sache vor das Amtsgericht Hannover. Dieses folgte der Argumentation des Fans und bot beiden Seiten einen Vergleich an, den diese auch annahmen. Hannover 96 muss dem Fan nun 150 Euro Schmerzensgeld zahlen.

„Dieses Verfahren zeigt erneut, was für ein Desaster die Zwangsbusanreise rückblickend für Hannover 96 darstellt“, heißt es bei der Fanhilfe Hannover. „Vor Gericht gab es ausschließlich Niederlagen, Gesamtkosten im mittleren fünfstelligen Bereich sind entstanden und das Verhältnis zur Fanszene ist nachhaltig zerstört worden.“ Die Fanhilfe appelliert, dass es eine Zwangsanreise zu einem Fußballspiel in Deutschland nie wieder geben dürfe. Der 6. April 2014 habe eindrucksvoll bewiesen, dass es bei einer solchen Anreise nur Verlierer geben kann.