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Hintergründe

„Hannover 96 ist mein Baby“

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 17. Dezember 2014

5.300 Kilometer Luftlinie trennen Freetown von Hannover. Trotz der Entfernung pflegt Abu Gbonda in der Hauptstadt des westafrikanischen Sierra Leone,  eine innige Beziehung zu Hannover 96. Alles begann mit einer gewonnenen Wette. Ohne je in Hannover gewesen zu sein, hat der Betreiber eines Sportkinos seither eine innige Leidenschaft für den Bundesligisten entwickelt. Doch das Leben und Leiden mit seinem Herzensverein spielt derzeit nur noch eine äußerst untergeordnete Rolle. Der Ebola-Virus hat das Land mit voller Wucht getroffen und wenig ist noch so, wie es vor dem Ausbruch war. Gbonda braucht Hilfe – auch aus Deutschland.

Er versteht es offenbar, andere Menschen für seine Sache zu begeistern. In einem Land, das hinter Usbekistan, Honduras oder Antigua und Barbuda Rang 84 der Fußball-Weltrangliste belegt, gilt das Fußball-Interesse vor allem den europäischen Top-Ligen. Gegenüber den gängigen Favoriten wie Manchester United oder Real Madrid ist Hannover 96 als Herzensklub jedoch schon einigermaßen exotisch. Dennoch gelang ihm eindrucksvolle Pionierarbeit für die „Roten“. „Für mich gibt es keinen anderen Klub. Hannover 96 ist mein Baby in Sierra Leone“, betont Gbonda. Inzwischen hat er sogar zwei 96-Teams gegründet. Je 18 Spieler kicken in einer U13- und einer U15-Mannschaft regelmäßig im Dress der Hannoveraner. Irgendwann könne daraus vielleicht eine Fußballakademie entstehen, hofft Gbonda. Sein Fanclub erfreut sich zudem regelmäßig neuer Mitglieder – inzwischen sind es über 100 aus dem ganzen Land. Gbonda hofft, dass Hannover 96 in dieser Saison den DFB-Pokal gewinnt und sich perspektivisch für die Champions League qualifiziert. Vor allem aber würde er eines Tages gerne selbst einmal ein Spiel im Stadion sehen.

HANNOVER EXECUTIVE

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Doch seit einigen Monaten ist in Freetown Fußball noch nicht einmal mehr Nebensache. Fragt man Gbonda, wie sich der Virus auf das tägliche Leben auswirkt, ist die Antwort entwaffnend. Ebola sei vor allem eines: tödlich! Das öffentliche Leben ist praktisch zum Erliegen gekommen. „Wir können uns nicht mehr frei bewegen. Ebola beeinflusst alle unseren täglichen Aktivitäten. Firmen, Schulen und Universitäten sind geschlossen.“ Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht bereits von knapp 1.800 Ebola-Toten allein in Sierra Leone. „Viele Länder helfen, aber wir haben das Gefühl, dass die Hilfe gar nicht ankommt“, sagt Gbonda. „Der Virus breitet sich jeden Tag weiter aus.“ Es fehlt am Nötigsten: Essen, Kleidung, Desinfektionsmitteln. Außerdem will Gbonda übers Radio entlegene Regionen über Präventionsmaßnahmen informieren.

ME AND U 13

Auch wenn das Thema allmählich von den Titelseiten der Zeitungen verschwindet, ist die Seuche eben noch längst nicht unter Kontrolle. Gbondas Hilferuf ist bei den Anhängern des Bundesligisten nicht unerhört geblieben. Unter dem Label „Fanzene hilft“ haben 96-Fans ein Spendenkonto eingerichtet.

CVJM-Gesamtverband in Deutschland
BIC: GENODEF1EK1
IBAN: DE05 5206 0410 0000 0053 47
Bank: Evangelische Bank
Stichwort: 539 Ebola-Nothilfe – Fanszene Hannover