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Hannover 96 ermahnt „Kind-muss-weg“-Rufer im Stadion

Autor: Aaron Knopp Veröffentlicht: 20. Februar 2015
Quelle: imago

Nachdem der Zwist mit der Vereinsführung eskaliert ist, haben die Ultras in Hannover den geordneten Rückzug angetreten. Damit sind die atmosphärischen Störungen aber längst nicht ausgeräumt. Es ist nicht zu überhören, dass noch immer Fans ihren Unmut gegenüber 96-Präsident Martin Kind äußern. Doch der Bundesligist ist inzwischen genervt von den Zwischenrufen und hat seinen Sicherheitsdienst angewiesen, die Kritiker direkt anzusprechen. Die Fanhilfe Hannover spricht von einem Eingriff in die Meinungsfreiheit, der Verein versteht das Vorgehen als Gesprächsangebot.

„Wir haben den Ordnern an die Hand gegeben, mit den Leuten, die durch Rufe gegen Herrn Kind auffallen, ins Gespräch zu kommen. Das praktizieren wir seit den letzten ein oder zwei Heimspielen“, bestätigt Hannovers Pressesprecher Alex Jacob gegenüber Fanzeit. Ein Twitter-User hatte sogar davon berichtet, dass der Bundesligist einem Betroffenen ein Stadionverbot angedroht habe.

Jacob bestreitet aber, dass der Verein eine entsprechende Direktive ausgegeben habe: „Es gibt definitiv keine Anweisung an die Ordner, diesen Leuten mit einem Stadionverbot zu drohen.“ Eine solche Sanktion wäre laut den Rechtsexperten der Fanhilfe ohnehin nur dann juristisch durchsetzbar, wenn der Ruf „Kind muss weg“ den Tatbestand der Beleidigung erfülle: „Grundsätzlich kann auch das Hausrecht die Meinungsfreiheit nicht einschränken – eine zulässige Meinungsäußerung stellt also keinen Grund für ein Stadionverbot dar. Wir wären jedoch nicht im Land der Gesetze unterwegs, gäbe es nicht doch ein Aber: die Meinungsfreiheit endet dort, wo strafrechtlich relevante Tatbestände erfüllt werden. Bei Rufen oder Spruchbändern wird dies in erster Linie für Beleidigungen gelten. Inwieweit der Ruf danach, dass Herr Kind seinen Posten räumen mag, den Straftatbestand der Beleidigung erfüllen soll, bleibt ein Geheimnis des Vorstandes der KgaA.“

Hannover 96 beabsichtigt bei diesem Vorgehen nach offizieller Sprachregelung aber ohnehin keine Sanktionen und Verbote, sondern schlichtweg Kommunikation: „Es geht einfach darum, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, sie zu fragen: Wäre es vielleicht nicht besser, stattdessen die Mannschaft anzufeuern? Wie aber ausgerechnet einigermaßen unbeteiligte Sicherheitskräfte als Sprecher des Vereins auftreten und die festgefahrene Debatte mit kritischen Fans ausdiskutieren sollen, bleibt schleierhaft. Der 96-Präsident selbst könnte mutmaßlich mehr zur Debatte beitragen, will aber mit der Sache nichts zu tun haben. Der 70-Jährige stecke nicht hinter dieser Maßnahme, beteuert Jacob: „Das kommt nicht von Herrn Kind. Es hat einfach Überhand genommen. Aber es war für die Mannschaft und alle anderen ein Zeitpunkt erreicht, an dem es einfach nervt.“  


Schilderungen der Fanhilfe, die neben Einschränkungen der Meinungsfreiheit auch Gängelungen von Journalisten beklagt, weist Jacob indes zurück. Entgegen der Darstellung der Fanhilfe habe Hannover 96 noch keinem Journalisten aufgrund seiner kritischen Berichterstattung eine Akkreditierung verweigert. „Es kommt ab und zu vor, dass wir aufgrund nicht erfüllter Formalien keine Akkreditierung ausstellen können. Das sind allerdings Vorgaben der DFL, denen wir an dieser Stelle unterliegen, hat aber nichts mit kritischer Berichterstattung zu tun“, betont der Kommunikationsleiter der Niedersachsen, der selbst dieses Aufgabengebiet verantwortet.

Dass Mitarbeiter des Klubs alle Kamerateams begleiten, die auf dem Vereinsgelände drehen, kann Jacob dagegen bestätigten: „Eine Drehbegleitung gibt es auf unserem Gelände grundsätzlich immer, nachdem einmal unser Vertrauen missbraucht wurde und eine Journalistin in zwei Bereichen gedreht hat, die wir zuvor ausgeschlossen hatten. Seitdem begleiten wir die Drehs. Wir verbieten aber keine Fragen, gar nichts dergleichen.“